Das Chikungunya-Fieber hat sich in den letzten Jahren rasant in Südamerika und der Karibik ausgebreitet. Impfstoffe oder wirksame Medikamente gegen die Erkrankung gibt es bisher nicht. Für das Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin und das Pasteur-Institut in Paris war das ein Ansporn, gemeinsam nach alternativen Wegen in der Krankheitsbekämpfung zu suchen: Ausgehend von der Überlegung, dass alle Krankheitserreger bei der Vermehrung auf Proteine angewiesen sind, die von der Wirtszelle produziert werden, haben die Wissenschaftler mehr als 100 Wirtsproteine identifiziert, die das durch Mücken übertragene Chikungunya-Virus zu seiner Vermehrung braucht. Wird nun die Produktion nur eines dieser Proteine durch Gendeaktivierung gehemmt, kann auch das Virus sich nicht mehr vermehren und "die Infektion selbst verläuft weniger stark und dauert kürzer", wie Marc Lecuit vom Institut Pasteur bestätigt. "Erst durch ein eingehendes Verständnis der biologischen Mechanismen hinter der Vermehrung des HI-Virus und des Virus, das für Hepatitis C verantwortlich ist, konnten wirksame Therapien gegen diese Infektionen entwickelt werden." Übersetzt auf neuartige, bisher weniger erforschte Krankheiten wie das Chikungunya-Fieber heißt das: nicht das Virus direkt bekämpfen – mit Medikamenten und Impfstoffen, die Jahre in der Entwicklung brauchen –, sondern therapeutisch schon vorher ansetzen: bei der Ausbreitung des Virus im Körper. Keine Vermehrung, keine Gefahr durch eine schwere Infektion. Und noch weitere Früchte hat die deutsch-französische Zusammenarbeit an der Fieberfront bereits getragen: Einige der für das Chikungunya-Virus lebenswichtigen Proteine sind wohl auch für andere, altbekannte Viren unabdingbar – für Grippe- und Herpes-Viren nämlich. #WTFact