Seit 2019
Das 3,8 ml-Ei
Ich esse nicht gern Eier in einem Zustand, in dem man das Ei als solches noch erkennt oder deutlich herausschmeckt. Am schlimmsten ist der Geruch. Im Kuchenteig oder in der Crème Brûlée ok, aber bitte nicht als Frühstücksei und schon gar nicht hartgekocht, erkaltet und aufgeschnitten auf Brot oder im Salat! Worst case: Stundenlang in einer Brotdose verpackt und dann im Eisenbahnwaggon von jemandem in unmittelbarer Nähe ausgepackt. Da zuckt die Hand schon deutlich zur Notöffnung des Fensters.
Weil das bei mir so ist, meine Mitbewohnerin vor dem Verzehr aber nicht zurückschreckt, besitzt der Haushalt einen Eierkocher, in den man nur ein einziges Ei setzen kann.
Die Kochdauer wird wie bei anderen Eierkochern auch über die zuzugebende Wassermenge gesteuert. Irgendwann ist das Wasser verkocht, der Kocher piepst und das Ei ist fertig. (Während größere Eierkocher oft furchtbar schnarren, wenn die Eier fertig sind, flötet dieses Gerät übrigens passend zu Eiermenge recht zurückhaltend und zaghaft vor sich hin.)
Beim Eierkochen fragt sich nur, was man als fertig definiert: Hartgekocht, oder doch so weich, dass das Eigelb noch flüssig ist? Oder irgendwo an der Grenze? Hartkochen ist natürlich am einfachsten. Das gelingt oft automatisch.
Während man bei Eierkochern für viele Eier nicht so genau sein muss was die Wassermenge betrifft, nimmt die erforderliche Präzision der Wasserzugabe entgegengesetzt zur abnehmenden Eieranzahl zu.
Dafür liegt nun eine der kleinsten auftreibbaren Spritzen aus dem medizinischen Bereich parat. Durch lange Testreihen hat sich herausgestellt, dass das mitteleuropäische Supermarktbioei nach Verkochen von 3,8 ml Wasser von der Mitbewohnerin am liebsten verspeist wird.
(Markus Winninghoff)











