Wenn man einen großen Grundstock an weit gefächertem Allgemeinwissen besitzt, fällt es einem einfach wesentlich leichter, seine Ideen auch wirklich mit Inhalt zu füllen."
FOTOGRAF UND MULTIMEDIALIST KRISTOFFER SCHWETJE
Kristoffer Schwetje ist ein junger Fotograf und Mitbegründer des Multimedia Lifestyle-Portals Querbinder.com. Mit seinem Team filmt und fotografiert er aktuelle Trends aus Mode, Events und Kunst.
Kristoffer, welche Inhalte übermittelt ihr wie auf eurem Portal Querbinder?
KRISTOFFER: Die Hauptschwerpunkte des Magazins sind Mode, Lifestyle und urbane Kultur, immer mit Bedacht auf soziale Verträglichkeit und einem nachhaltigem Gedanken. Eigentlich berichten wir über alles, was zu einem der Punkte passt. Von außergewöhnlichen Designern mit einer spannenden Lebensgeschichte, über sozialkritische Reportagen, bis hin zu ausgefallenen Shoppingtipps.
Sowohl inhaltlich als auch visuell wollten wir etwas Neues kreieren. Ich und mein Kollege Kai, welcher auch freischaffender Fotograf ist und dessen Schwerpunkt auf journalistischer Fotografie liegt, waren gelangweilt von eintönigen Magazinen und Blogs, die den Leser mit immer ein und demselben Themenkosmos den Kopf vernebeln. Deshalb setzten wir auf starke, inhaltliche, Kontraste. So findet man z.B. eine Reportage über einen Obdachlosen, welcher von Kai über Monate begleitet wurde, hinter einer High-Fashion Strecke.
Auch bei der Präsentation der Inhalte haben wir versucht eher ungewöhnliche Wege zu gehen. Bewusst haben wir uns für ein Online-Format entschieden. Gelayoutet wie ein klassisches Magazin, mit Inhaltsverzeichnis, Illustrationen etc., jedoch online präsentiert. Im Browser oder auf dem Ipad kann man so überall in der Welt durch das Magazin blättern. Neben klassischem Text und Bildern binden wir auch Videoinhalte in das Magazin mit ein. Spannende Making-Of’s, Interviews oder Reportagen kann man so direkt im Magazin genießen.
Derzeit sind wir auf der Suche nach einer neuen Chefredaktion. Jeder, der sich in irgendeiner Weise dazu berufen fühlt, kann sich gerne bei uns melden unter [email protected] . Gerne auch engagierte Studenten!
Du fotografierst Modestrecken, Portraits und Werbung. Deine Motive suchst du dir als freier Fotograf meist selbst. Was ist es, dass dich inspiriert bei deiner Wahl?
KRISTOFFER: Grundlegend kann ich das für meine Arbeiten nicht pauschal beantworten. Jeder Auftrag und auch jede freie Arbeit fordert mich und meine Kreativität auf eine andere Art und Weise heraus. Ich habe für die verschiedenen Arbeitsbereiche ganz unterschiedliche Inspirationsquellen. Es macht einen Riesenunterschied, ob ich für einen großen Werbekunden arbeite, ein Modeeditorial schieße oder ausdrucksstarke Charakterportraits für einen Musiker anfertige.
Am Anfang jeder Arbeit steht bei mir jedoch für gewöhnlich eine spontane Idee, ein Geistesblitz oder wie mach es auch immer nennen mag. Aus dieser Idee heraus beginne ich dann meist mit einer Recherche zu dem Thema und suche mir passende Inspirationsquellen, welche meinen spontanen Einfall zu einem schlüssigem Konzept, sowohl im visuellen, als auch im systematischen Sinne, werden lassen. Ich bastle dann Moodboards mit allem was mir zu dem Thema passend erscheint. Da kommen Zeitungsausschnitte rein, Bilder aus dem Web, Wörter, Songtexte, Farbschemen, einfach alles was ich irgendwo aufschnappen kann.
Das einzige was ich vielleicht “allgemein” als größte Inspirationsquelle nennen kann, ist zum einen die Natur, die mir immer wieder neue Ideen gibt, einfach durch ihre Schönheit und Vielschichtigkeit. Zum anderen ist es Kultur – und “Wissensfernsehen”. Ich schaue extrem viel Arte, Phönix und 3sat. Visuell sind diese Sender vielleicht nicht das Highlight, jedoch führt mich das erlernte Wissen und das Kennenlernen neuer Kulturen, Menschen, Lebensformen, etc. oft zu tollen Ideen. Wenn man einen großen Grundstock an weit gefächertem Allgemeinwissen besitzt, fällt es einem einfach wesentlich leichter, seine Ideen auch wirklich mit Inhalt zu füllen.
Derzeit widmest du dich der PR für das Label AnnLyx. Erzähl uns über das Label!
KRISTOFFER: AnnLyx ist ein brandneues Accessoire -Label mit Deutsch-Skandinavischen Wurzeln. Die Designerin hinter den Entwürfen ist meine Schwester Ann-Christine Schwetje. Sie hat die letzten 3 Jahre in Dänemark Fashion-Design studiert und lies sich dort hauptsächlich von
der unfassbar schönen Natur inspirieren. Des weiteren lernte sie die Mentalität der Skandinavier kennen. Dänemark ist weltweit die größte pelzverarbeitende Nation. Deshalb wurde sie in ihrem Studium zwangsläufig mit Pelz-Produkten konfrontiert und lernte dabei, dass man auch ein Pelz-Produkt mit gutem Gewissen tragen kann. Viele Leser werden jetzt den Kopf schütteln und direkt in ein dichotomes Denken verfallen. Bei ihnen dominieren der Mix aus kulturellem Gedächtnis, in welchem der Pelz als soziales Abgrenzungsmittel der dekadenten Oberschicht zum “Volke” verankert ist, und die grausamen Gruselbilder der Tierschutzorganisationen, die in einem Niveau, welches einer Bildzeitung gleich wird, berichten.
Für meine Schwester und mich sind der Erhalt der Natur und der nachhaltige Umgang mit ihr ein wichtiges Anliegen. Daher verwenden wir in der ersten Kollektion von AnnLyx ausschließlich beste Naturmaterialien. Die Hauptelemente Wolle, Leder und Pelz dominieren die Kollektion. Für meine Schwester war es oberste Prämisse ein rundum nachhaltiges Key-Produkt für ihre erste Kollektion zu entwerfen. So entstand der Hooded-Scarf (engl. Kapuzenschal), welcher die smarte Symbiose aus Schal und Kapuze darstellt und somit 2 Produkte in einer ästhetischen Art und Weise verbindet. Durch eine klare Linienführung und meist unbunte Farben wie Grau und Schwarz, lässt sich der Hooded Scarf zu fast allen Teilen im Kleiderschrank kombinieren.
Durch die Naturmaterialien, welche allesamt ohne Chemikalien behandelt wurden und nicht gefärbt sind, wird eine extrem lange Haltbarkeit des Produktes erzielt. Der Pelz stammt ausnahmslos aus Europa, größtenteils jedoch vom fortschrittlichstem Unternehmen der Branche, “Kopenhagen Fur”. Hier werden alle Tiere unter besten Bedingungen gehalten. Meine Schwester hat sich selbst ein Bild von den Zuchtfarmen vor Ort gemacht. Die Bedingungen dort sind um ein vielfaches besser als in einem Großteil unserer Masttierhaltung für Eier oder Fleisch. Jeder der ohne ein schlechtes Gewissen ein Steak verdrücken kann, sein Frühstücksei isst, oder Lederschuhe trägt, kann zu heutigen Zeiten auch Pelz-Produkte tragen, die aus anständigen Quellen stammen. Wir hoffen, das die Konsumenten in Zukunft mehr auf die Herkunft ihrer Kleidung und deren Materialien achten, als auf engstirnige Klischees Wert zu legen.
Den Fotografen Kristoffer Schwetje findet ihr im Netz unter www.kristofferschwetje.de - Das Portal Querbinder auf http://querbinder.com/ - Das Label AnnLyx unter https://www.annlyx.com/
Dieses Interview wurde im MINGA BERLIN Blog veröffentlicht unter http://www.mingaberlin.com/blog/2012/12/fotograf-und-multimedialist-kristoffer-schwetje/