‘paranoides gemüse™’ - [misc] short
UNIVERSUM: BLACKOUT [RETOLD]
Hallo, ja es sind mehr Shorts (haha) ich bin ein Bommel. Das ist erneut ein Vincent/Tobi Short, der ein wenig an den vorherigen anschließt und praktisch Charakter-Exposition für Vincent ist. Tobi und das Blackout [retold] Universum ist Übrigends von @obnoxious-depresbian / @are-we-that-rotten Hm, ja das Ganze ist sehr weinerlich, jedoch anders als bei Raiden, aber ich hoffe das wird man dann auch sehen! Die Gedichte, die vorkommen sind unten vermerkt, falls jemand noch die fehlenden Strophen lesen möchte (hah als ob das jemand will 8D).
setting Es sind einige Wochen nach 'alufolie morst' [in dem sich Tobi und Vincent zum ersten Mal näher gekommen sind und sich geküsst haben] vergangen. Vincent hat Tobi seitdem nicht mehr, bzw. nur flüchtig wieder gesehen.
Schwer atmend öffnete er das dicke Buch und versuchte sich nur irgendwie abzulenken, damit er bloß nicht wieder anfing zu weinen. Beinahe all seine Ecken waren mittlerweile umgeknickt und seine Seiten waren abgegriffen und gelb. ‘In Träumen war solch Leben eingetaucht, Drum leb’ ich, ewig Träume zu betrachten, Kann aller anderen Freuden Glanz verachten, weil nur die Nacht so süßen Balsam haucht.’ Die Gedichte waren das Einzige, was ihm über die Jahre Gesellschaft geleistet hatte. Vermutlich auch nur weil sie ihn gar nicht verlassen konnten. Aber selbst wenn, sie gaben ihm das Gefühl nicht völlig allein zu sein. Er spürte, wie seine Augen feucht wurden und blätterte zurück. ‚Zwei junge Gesellen gingen Vorüber am Bergeshang, Ich hörte im Wandern sie singen Die stille Gegend entlang: Von schwindelnden Felsenschlüften, Wo die Wälder rauschen so sacht, Von Quellen, die von den Klüften Sich stürzen in die Waldesnacht. Sie sangen von Marmorbildern, Von Gärten, die überm Gestein In dämmernden Lauben verwildern, Palästen im Mondenschein, Wo die Mädchen am Fenster lauschen, Wann der Lauten Klang erwacht Und die Brunnen verschlafen rauschen In der prächtigen Sommernacht.‘ Wie gerne würde er ebenfalls mit ihnen Singen. Er schlug die Hände vor das Gesicht und schluchzte in die schwüle Herbstluft hinein. Wie gerne würde er neben jemandem hergehen und über so weit entfernte Dinge fantasieren. Dinge die sie niemals erreichen würden, aber Dinge die sie glücklich machten. Vincents Tränen drückten sich an seinen Händchen vorbei und tropften von seinem Kinn direkt auf die vergilbte Seite. Warum will niemand für mich da sein? Er hatte doch so viel Liebe und Zuneigung zu vergeben (verschenken). Und alles was er wollte war jemand der ihn in dem Arm nahm und ihm vorspielte er sei wichtig. Verzweifelt rieb er sich die Augen, sobald er hier herauskam würde er nicht mehr so fühlen. Dann würde er einfach seinen Liebsten wecken und sie müssten nicht mehr in dieser schäbigen Welt leben. Tobi. Sie würden frei sein. Die gütigen Hände, das orangene Licht, Erinnerungen an die Nacht mit ihm schlichen sich erneut in seine Gedanken. Vincent hatte gedacht sie wären zusammen, hatte gedacht er hätte seinen Gesellen gefunden. Wie er mich angesehen hat, als ich ihm von der Wahrheit erzählt habe. Tobi wollte nicht neben ihm gehen. Ein Wimmern kam über Vincents Lippen, als er sich weiter an der zerschlissenen Betonwand rieb. Es mussten mittlerweile wieder Stunden seit seiner letzten Nachricht vergangen sein. Vincent hatte ihm dutzende Nachrichten geschrieben, hatte auf seiner T9-Tastatur herumgedrückt bis er endlich die richtigen Worte fand ihm seine Liebe zu gestehen. (War es Liebe, oder bist du nur verzweifelt?) Es war Liebe. Aber Tobi hatte weder auf sein ‚Ich vermiss dich.‘ noch auf sein ‚Ich würde alles für dich tun, bitte küss mich.‘ geantwortet. Eine ist erbärmlicher als die andere. Er würde alles tun, damit Tobi ihn noch mal in die Arme nahm. Und nachdem Tobi nicht geantwortet hatte, hatte er ihn angerufen. 5 Mal hatte er die vollen 60 Sekunden gewartet, bis der Anrufbeantworter ansprang. Beim sechsten Mal schluchzte er ihm eine peinliche Liebeserklärung auf den Anrufbeantworter und beteuerte ihm, dass es okay war wenn er ihn nicht liebte und es ihm peinlich war mit ihm gekuschelt zu haben. Hatte ihm gesagt, dass er nur einen Freund wollte. (Es war nicht okay. Kein bisschen.) Vincent heulte. Es gab wieder nichts mehr an dass er sich klammern konnte. Niemand wollte ihn, alle hatten sie ihn weggegeben. Sein kleines Herz zog sich zusammen und er krümmte sich. Konnte vor Tränen kaum noch etwas sehen, seine Ohren waren taub und seine Nase verstopft. So bemerkte er auch nicht, dass neben ihm das Handy in seinem weißen, toten Licht aufleuchtete. » Vincent! « Schlagartig blickte Vincent hoch und sah durch seine verheulten Augen zur Türe hin. Auch wenn er nur verschwommene Umrisse erkennen konnte wusste er sofort wer dort neben ihm stand. Er sprang auf und fiel seinem Freund in die Arme. » To-T-Tobi, du hast meine Einladung doch no-oh-ch bekommen. Ich bin ja so fro-oh. Ich bin ja so fr-froh. « Seine Worte verloren sich in unverständlichem Genuschel und warme Tränen tropften auf Tobis Schultern. Er spürte die große Hände seines Freundes an den Schultern und schloss die Arme ein wenig fester um ihn, in der Erwartung jetzt endlich von seinem Freund umarmt und verhätschelt zu werden. Stattdessen wurde er nur weggedrückt. Sein Herz zog sich erneut zusammen und er wimmerte unabsichtlich. Nein, bitte. Bitte nicht. Das durfte nicht passieren. Aber das war sicherlich nur ein Missverständnis? Schließlich ist er gekommen. Ja, zu mir. Er ist gekommen. Vincent versuchte Tobi erneut in seine Arme zu schließen, was er jedoch nicht zuließ. » Wah-Warum «, krächzte er heiser und versuchte Tobis Mimik auszumachen. » Ich will dich nicht verletzen. « Vincent wollte die Hand seines Freundes greifen (irgendwas, lass mich nicht alleine), wie er es an dem wunderschönen Abend getan hatte, doch Tobis Hände waren schon wieder in seine Taschen gewandert. » Vincent, ich weiß nicht ob ich der richtige für dich bin. « » W-Was? Natürlich bist du d-das Tobi d-du- « » Du hast mich in den letzten drei Stunden zwanzig Mal versucht zu erreichen. « Demonstrativ zog er sein Handy hervor und hielt es Vincent vors Gesicht, der nur ungläubig in die Luft starrte. Er hat mich nicht mal eingespeichert. Tobias seufzte. » Ich glaube jemand anderes würde dich glücklicher machen. « Nein. Verzweifelt drückte sich Vincent wieder an ihn, nur um erneut weggeschoben zu werden. Er schüttelte den Kopf heftig. » Nein. Ich liebe dich Tobi. Ich- Ich will für immer bei dir sein. « Vincent blinzelte und sah wie sich eine tiefe Falte auf Tobis Stirn bildete. Instinktiv wich einen Schritt zurück. » Bitte nicht sauer werden! Ich-Ich erzähl's keinem wenn du nicht m-magst. Das kann unter u-uns bleiben. Wir können- « » Vincent. Beruhig dich. « Tobi griff nach Vincents Oberarm und schüttelte ihn. »Lass uns das doch zumindest erst mal langsam angehen. Ich glaube das wäre für uns beide das Beste. « Vincent schniefte. Langsam angehen, die Worte hallten in seinem Kopf. Er wusste was das hieß. Tobi wollte ihn nicht. Mit der Zeit würde er immer weiter vernachlässigt werden bis sie am Ende nichts weiter waren als flüchtige Bekannte und Tobi musste sich nicht mit seinem Gewissen rumschlagen. Dennoch nickte er. Tobias lächelte flach. Ich will dass er breit lächelt, wegen mir. Ich will das er grinst wenn er mich sieht. Aber er wusste, dass das nie passieren würde und wischte die Gedanken schnell wieder beiseite. (Sie würden zurückkommen) Vorsichtig griff Vincent nach Tobis Hand, die immer noch in seinen Oberarm kniff. Würde er sie wegziehen, wie er es beim ersten Mal getan hatte, würde er vermutlich wieder anfangen zu weinen. Aber Tobi ließ ihn. » Bitte bleib Heute bei mir. B-Bitte. « Niedergeschmettert versuchte er all das zu vergessen, was Tobi grade gesagt hatte. Er wollte so tun als wäre er aus Liebe zu ihm gekommen und hielt nun seine Hand um ihn zu beruhigen. Vincent stellte sich vor wie Tobi ihn küsste und ihm seine Liebe gestand und allmählich beruhigte sich sein Herz wieder. » S-Sind wir noch Freunde? « Die Frage kam ihm kaum über die Lippen, so viel Angst hatte er vor seiner Antwort. Tobias nickte, aber der Kloß in Vincents Hals verschwandt nicht. Wie sehr hatte er sich einen Kuss gewünscht, eine Umarmung, ein 'das werden wir immer sein’, oder zumindest ein 'Natürlich’. Er wusste, dass er den nächsten Monat an Tobias’ Seite verbringen würde, in der Hoffnung er würde seine Meinung ändern. Als würde er sich jede Sekunde umdrehen und mich küssen. Aber er würde am Ende nur dabei zusehen müssen wie er sich in eine Andere verliebte. Wie auch jetzt würde Vincent seine Hand drücken, ihn bitten mit ihm nach Hause zu gehen. Er wird sich für sie entscheiden. Nach einigen Wochen würde Tobi dann erklären, dass er nicht schwul war, dass die Nacht mit ihm nur ein Ausrutscher war und sie jetzt besser getrennte Wege gehen sollten. Und wieder würde sich er fragen warum er immer nur ein Ausrutscher war, nie etwas Echtes. Vincent kämpfte gegen die Tränen an. Er sah herunter auf seinen langen, dürren Körper. Niemand würde ihn als seinen kleinen Löffel wollen. Aus seinem linken Auge kullerte eine Träne. Was wenn ich wirklich nie etwas Echtes bin? Was wenn mich niemand je in den Arm nimmt und mich offen als seinen Freund bezeichnet? Was dann? Zu Vincents Überraschung blieb Tobias wirklich die ganze Nacht bei ihm. Sie redeten kaum miteinander, das einzige Geräusch, was zu hören war, war Vincents schluchzten, wenn er zu Tobi herübersah und merkte wie unangenehm es ihm war hier zu sein. Nach einer knappen Stunde wurde Vincent jedoch völlig still. Tobi dachte er hatte sich endlich beruhigt, aber Vincent hatte sich nur in seine kleine Fantasiewelt zurückgezogen. Wo Tobi noch immer seine Hand drückte, ihm noch immer lange Küsse gab und für immer bei ihm bleiben würde. Über die nächsten Monate hinweg wurde der Wind harscher. Die vielen bunten Blätter wehten leblos auf die Straßen und tauchten die Welt in ein warmes orange. (Das orange, das auch von Tobis Lichterkette ausging.) Vincent atmete tief durch und hoffte, dass sich sein innerlicher Tumult nicht auf seinem Gesicht abzeichnete. Tobi hatte ihn nicht verlassen. Er liebt mich. (Er hat mich nicht mal umarmt, vergiss das nicht.) Seine Lippen verzogen sich zu einem Lächeln, während er an Tobi dachte. Er liebt mich. Die Bäume am Wegrand raschelten und Vincents Herz schlug immer schneller. Er ist bestimmt wieder in unserem Haus. Grinsend knibbelte er an seinen Fingern. Das verwahrloste Haus war der erste Ort, den Vincent aufsuchte, wenn er von der Uni kam, manchmal schwänzte er seine Seminare nur um früher nach Hause zu kommen und vielleicht Tobi zu sehen, wobei er jeden Tag überzeugt davon war, dass er dort auf ihn wartete. Tatsächlich hatte Tobias in den letzten Wochen sogar häufig auf ihn gewartet. Vincent beschleunigte seinen Schritt, als er überlegte was sie diesmal gemeinsam machen würden. Meist lagen sie nur auf den zusammengewürfelten Couchteilen vom Sperrmüll herum und erzählten sich gegenseitig Geschichten, wobei Vincent meist nur Tobis Erzählungen lauschte. Vielleicht rauchen wir auch einen, oder wir gehen in den Park … oder er nimmt mich in die Arme. Vincents Wangen erröteten bei dem Gedanken. Vielleicht kann ich ihm dann ja eins meiner Lieblingsgedichte vorlesen. In der Distanz sah er das eingefallene, kleine Häuschen zwischen ein paar Tannen stehen und meinte seinen Freund schon durch die zerbrochene Fensterscheibe entdecken zu können. Vincent öffnete die Türe und blickte in den Raum. Licht fiel durch das zerbrochene Fenster direkt auf den roten Couchteil. Auf der durchgesessenen Couch lag Tobi, wie immer in einer losen Jogginghose und wie immer lünkerte das kleine Bäuchlein aus ihr heraus. Vincent lächelte und schloss die Türe hinter sich. » Tobi! « Tobias blickte von seinem Handy zu Vincent, der wie ein loyales Hündchen auf ihn zuwackelte. Ein wenig ungeschickt beugte er sich über Tobi und versuchte ihm eine Umarmung zu geben, während Tobi weiterhin unbewegt auf der Couch lag. » Ist was? « Vincent löste sich von ihm und sah ihn besorgt an. Dieses gekniffene Lächeln. » Ich glaube ich… Vincent ich… « Ängstlich weiteten sich Vincents Augen und er spürte, wie sich seine Brust zusammenzog. Bitte nicht. Nein. » W-Was ist es? «, seine Stimme bebte und eigentlich wollte er gar nicht wissen was los war. Eigentlich wollte er nur, dass zwischen ihnen alles so war wie an dem einen Abend. Ja. Er hat meine Hand gedrückt. » Ich glaube ich muss mich bei dir entschuldigen. Sorry, dass ich so ein Arsch war. « Vincents Mund formte sich zu einem erstaunten ‚O‘ und er seufzte hörbar. Er liebt mich. Er liebt mich! Tobi lächelte. Echt, er lächelt echt, wenn er mich sieht. Tobi. » Du bist mein Freund, Vincent. « Für einen kurzen Moment setzte Vincents Herz aus bevor es wieder anfing aufgeregt gegen seine Brust zu hämmern und seine Wangen rot anliefen. » Darf ich mich auf d-deinen Bauch legen? « Scheinbar überrascht und peinlich berührt von der Frage drehte Tobi den Kopf weg. » Okay, aber das ich schon ein wenig schwul. « Vincent legte seinen Kopf auf Tobis Brust und schmiegte sich an ihn, er war schwul. Über ihm hörte er das verlegene Brummen seines Freundes, der ihm ab und an mit seiner fettigen Hand durch die Haare strich. Trotz des unsagbaren Glücks, was Vincent umgab bildete sich erneut eine besorgte Falte auf seiner Stirn. Was wenn Tobi irgendwann nicht mehr hier liegt wenn er von der Uni kam? Was wenn ihm jemand anderes wichtiger werden würde? Panisch drückte er sich noch ein wenig fester an Tobi. » Tobi, bleibst du bei mir? « Tobi seufzte, woraufhin Vincent einen leichten Stich im Herzen verspürte. Ich bin nervig. Aber er streichelte ihm nur bestimmt über seinen Kopf. » Ja. « Vincent schloss die Augen. » Danke. « Seine Wangen leuchteten, als er sich an seinen Freund schmuste. „Gedichte“ 1. ‘ Der Kuss im Träume‘ – Karoline von Günderode 2. ‚Sehnsucht‘ – Joseph von Eichendorff







