Flashback-Friday
Hier landen wir bei einem dieser "vergessenen" Konzerte. Nicht wirklich vergessen natürlich, aber eben auch nicht mehr wirklich präsent. Mag auch daran liegen, dass ich aus irgendwelchen Gründen keine Fotos davon habe. Ich gebe da mal den Wohnraumhelden die Schuld, für die ist in der Zeit ein großer Teil meines Fotobudgets drauf gegangen - analoge Kamera, hohe Kosten. (Und glatt gelogen, aber lest den Bericht. *fg* ) Irgendwie "lustig" finde ich, das es sich hierbei um das Konzert mit dem Fußkrampf handelt. Wo ich doch erst letzte Woche wieder die Taktik "nur schneller als der Schmerz laufen" angewandt habe.
Good Vibrations oder wenn da nix anderes mehr ist… (18.06.2005) Samstagmorgens gegen 9 Uhr weckte mich mein Handy etwas unsanft und als ich mich dann aus meinem kuscheligen Bett aufstand, protestierten meine Füße. Kein Wunder nach einer Woche Confederations Cup und diversen Stunden auf den Beinen ohne Sitzmöglichkeiten. Ach, ich liebe die FIFA! (Achtung: Ironie!) Aber ich konnte mich fast schmerzfrei durch die Wohnung bewegen und nach einer Dusche war ich mir sicher, dass das mit dem Konzert doch gut laufen könnte. Meine symptomatische To-Do-Liste ließ ich zugunsten eines langen Kaffees auf dem Sofa links liegen und schnappte mir fast zu spät mein Säckel, um langsam Richtung Hauptbahnhof zu schleichen, wo ich mich mit Heike traf. Auf dem Weg war ich mir dann aber nicht mehr so sicher, dass ich das Konzert genießen würde, denn auf der Hälfte des Weges war der Krampf in der Sohle doch wieder da. Ich redete mir fortan ein, dass wenn ich nur schnell genug unterwegs wäre, ich damit auch schneller als der Schmerz wäre. Und das klappte auch. Am Bahnhof wartete Heike schon auf mich und nachdem wir uns ein Ticket gelöst hatten, gingen wir auf einen Kaffee zum Burgerbrater, klönten, sortierten uns, ich cremte mich erstmals am Tag mit Sonnencreme ein und dann begaben wir uns zum Bahnsteig, um das Spiel mit den Fury-Fans auf Tour zu praktizieren. Am Osnabrücker Bahnhof wurden wir von Jules empfangen, die schon den Freitag auf der mobilEmotion verbracht und nun wieder mal den Plan hatte. Da Heike bei Kerstin übernachtete, verließ sie uns, um erstmal zu ihrem Quartier zu gelangen. Jules und ich sondierten daraufhin das Gelände, bis mir nach Kaffee war (und nach Sitzen). So biss ich noch einmal die Zähne zusammen, versuchte schneller als der Schmerz zu sein und wir suchten ein Café, wo wir gemütlich eine Runde sitzen, klönen, trinken und was essen konnten. Nachdem Monika mich angerufen hatte, da sie kurz davor war, eine Vermisstenmeldung aufzugeben und ich mir den Weg wieder zutraute, gingen wir wieder Richtung Schloss. Dort saßen Monika und Ralf gemütlich im Schatten auf einer Bank in der Nähe der Bühne. Tja, die Bühne, man könnte sie winzig nennen, war auf einer Kreuzung aufgebaut und links und rechts waren die Boxentürme versetzt (mit Abschluss der vorderen Bühnenkante) aufgebaut worden. Die Absperrgitter standen direkt dazwischen. Unter den Bühnebrettern befanden sich die Bassboxen. (Eine Konstruktion, die ich nie wirklich zu schätzen lernen werde.) Jules erzählte, dass sich am Abend vorher die Absperrung noch wesentlich weiter hinten befunden hatte. Nun ja, für Fotos machen und nahe dran sein, ist ein schmaler Graben natürlich schon schöner… Wir nahmen erstmal unsere Plätze in der ersten Reihe ein und begrüßten direkt mal Olli und Ralf, die noch mit dem Soundcheck beschäftigt waren. Dann setzten wir uns hin und harrten der Dinge, die da kommen mochten. Irgendwann kamen dann Heike und Kerstin und auch die ersten Vergleiche mit Festivals aus dem letzten Jahr. Holzminden lag weit vorne. Auch dort war sehr lange gar nichts passiert, Publikum tauchte nur zögerlich auf, die Toilettenhäuschen waren aus der gleichen Baureihe und die Feuerwehr hatte auch Übungen veranstaltet. Wir hofften nur, dass es keinen nervigen „Crazy Olli“ -Verschnitt geben würde. Irgendwann ließen sich die ersten Furies blicken und wir wurden kurzfristig blind. Die Frage war, was blendete mehr, die Sonne oder Geros quietschbuntes Outfit? Wir entschieden uns nach der ersten Schrecksekunde und einem kleinen Austausch mit Gero einstimmig für Dr. Neks Garderobe. Etwas später begann der Soundcheck der Band „Paula“. Und uns kleiner Sitzgruppe wurde die Luft aus den Lungen gepumpt. Aua, die Bassboxen direkt in unseren Rücken waren schmerzhaft. Und in Mitten dieses Gewummers merkte ich den Vibrationsalarm meines Handys. Kaum realisierte ich, dass da Petra anrief, legte ich einen Sprint hin, da weder sie noch ich ein Wort voneinander verstehen konnten. Um 2 Ecken und 100 Meter seitlich weg von der Bühne ging es dann und ich verstand, dass sie nun bald zu uns stoßen würde. Kaum war ich wieder an meinem Platz und hatte die anderen informiert, stand sie auch schon vor uns. Und so warteten wir dann zu Siebt und rätselten um die Auftrittszeiten, da wir mittlerweile 5 verschiedene Versionen von 5 berufenen Stellen hatten. Sicher war auf jeden Fall, dass um 18 Uhr gar nichts losgehen würde, da wir es schon fast halb Sieben hatten. Irgendwann jedoch begann es. Relativ unmotiviert machten die Mitglieder von „Paula“ ihre letzten Vorbereitungen (z.B. Festkleben von Texten an Mikroständern) und der Moderator des Abends kam, versuchte Begeisterung zu erwecken und es ging los. „Paula“ – Was soll ich über „Paula“ sagen? Normalerweise bin ich sehr tolerant gegenüber den Bands, die auf Festivals mit Fury auftreten oder Vorband sind. Aber das ging ja wohl gar nicht!!! Diese Band gehört so was von dem MfsM (Anm. d. A.: Ministerium für saubere Musik) gemeldet. Die Sängerin war scheinbar von einem Bier so besoffen, dass sie sich wirklich für gut hielt. Der Drummer beherrschte nur einen einzigen Rhythmus. Die Gitarristen zusammen nur 3 Akkorde. Und der Bassist hatte wohl bislang nur Unterricht auf einem 2-saitigen Bass gehabt. Dafür waren sie so laut, dass sie ein Mörder-Festival wie Rock am Ring locker bis zum Zeltplatz beschallt hätten. Und wir standen direkt vor den Bassboxen, hatte ich das schon erwähnt. AUA!!! Außerdem war die Musik so abwechslungsreich, dass ich vor Begeisterung wieder Krämpfe in den Füßen bekam. Dafür waren meine Fingernägel definitiv sauber, als der Moderator wieder auf die Bühne kam. Dieser Typ lobte die Furies und versuchte noch mehr Begeisterung zu erwecken, aber leider griff er sehr tief in die Zitatenkiste: „Die beste irische Band seit U2!“ Nee, ist klar, diesen Vergleich haben wir natürlich noch nie gehört… Aber dann war die Zeit des Wartens und der gähnenden Langeweile vorbei. Gero schlich geduckt über die Bühne, machte „Psst!“ in Richtung des Publikums und nahm sein Instrument in Empfang. Die anderen Herren kamen ihm langsam nach und präsentierten sich direkt grinsend. Und dann wurde es laut, der Boden bebte. „Waiting for paradise“ als Opener rockte die Straße. Leider war uns sehr schnell klar, dass wir weiter mit der reinen Bassbeschallung leben mussten. Alle anderen Frequenzen bekamen wir nur im leisen Bühnensound mit. „Dead & Gone“ funktionierte auch in Osnabrück mit Wedeln, wobei das abrupte Ende mir immer noch nicht wieder schmecken will. Der obligatorische Ausflug von Kai bei „Radio Orchid“ wurde von zwei (!!!) Secs bewacht und endete direkt neben Jules. Dort fand der Herr dann noch die Zeit zwischen zwei Songteilen eine richtige Feststellung zu treffen: „Was für ein Bass!“ (Ohne Worte…) Nach seiner Rückkehr auf die Bühne und nach dem Ende des Stücks, fühlte sich der Wingenfelder dazu veranlasst, den FOH um die Verringerung der Bassboxenlautstärke zu bitten und trotzdem noch einen Spruch zu reißen. Wirklich verstanden habe ich den zwar nicht (blieb trotzdem noch viel zu bassig), aber irgendwie sinngemäß war da was mit „Eierschaukel, wenn Christian spielt“. Dieser meinte nun, das mal demonstrieren zu müssen und zupfte mal heftig an einer Seite. BOIIIIIIIIIING, und wenn der Ton nur eine Zehntelsekunde länger gewesen wäre, hätte ich über die Absperrung gekotzt. War aber dann doch nur eine heftige Übelkeitswelle. (Ich habe seitdem definitiv ein etwas anderes Verhältnis zu diesem Bassisten….) Nach dem ich mich etwas erholt hatte, konnte ich mich auch wieder auf das mittlerweile weiterlaufende Konzert konzentrieren. Die Setlist war ja identisch mit der vom Kirchentag, doch jedes Fury-Konzert ist anders und irgendwie ist alles möglich. Und so konnte ich mir das Grinsen nicht verkneifen, als die Herren sich auf der Bühne umformierten, um in der Mitte Platz für Thorsten zu machen. Alles sehr launig. Und doch immer wieder typisch Fury. Bei „Haunted head and heart“ stellte sich die Gänsehaut automatisch ein, auch wenn wegen dem bratzigen Sound kaum etwas wirklich zu verstehen war. Thorsten hatte offensichtlich gute Laune und einen Clown gefrühstückt, außerdem hatte er dem Moderator besser zugehört, als man vermutet hätte. Jedenfalls sang er plötzlich nicht mehr den eigentlich Text, sondern machte aus „Haunted“ einfach „With or without you“. Und das ist ja bekanntlich von U2. Tja, Vergleiche können komische Auswirkungen haben. Und wir wissen jetzt, dass der gute Mann den Weg zurück nicht wirklich findet. (Und diese Aktion war nicht abgesprochen, denn Kai stand plötzlich ziemlich erstaunt neben dem Mikro und wartete auf seinen Einsatz, der dann aber irgendwie einfach nicht kommen wollte.) Irgendwann kassierten wir den ersten Eimer, aber nur weil Kai Rainer versprochen hatte, diese für ihn zu entleeren. ;-> Rainer saß für „When God goes home“ und „Won´t forget” direkt vor meiner Nase und schaute sich mal wieder den Takt ab. ;-> (Und endlich hätte ich mal richtig gute Bilder von ihm machen können, aber die Batterien meines Fotoapparates hatten leider vor dem Konzert schlapp gemacht. *grummel*) „Won´t forget“ war auch der Song, bei dem Kai den auffälligsten Textdreher hinlegte. Aber er hatte dem Publikum ja schon relativ früh erklärt gehabt, dass er vor dem Konzert in Braunschweig am Tag vorher heftige Zahnschmerzen gehabt und dort einen der Tennisdoktoren aufgesucht hatte. Dieser hatte dem älteren Wingenfelder wohl ein Schmerzmittel für Elefanten verpasst, jedenfalls wäre er das ganze Konzert über sehr, sehr benebelt gewesen. (Unsere Vermutung am Ende des Tages: Das Ding hat ganz schöne Nachwirkungen, anders ließ sich so manches nicht erklären.) Auch gab es ein spontanes, wenn auch ziemlich unkoordiniertes Reprise. Aber das Osnabrücker Publikum weiß wohl noch nicht, dass immer weiter gesungen werden muss, egal was Kai da für Texte ins Mikro singt. War aber trotzdem schööön! Mein persönliches Armageddon bei „Rainy April Day“ blieb diesmal ein Innerliches. Aber dafür mit sehr vielen schwermütigen, schmerzhaften Gedanken. Doch ich konnte mich auf „Fly, sadness, fly“ verlassen und schrie mir dabei meinen Schmerz von der Seele. „Every generation“ kam gewohnt fett daher, doch leider war die Beleuchtung ein Störfaktor. Denn blaues Strobo-artiges Licht während des gesamten Songs machte es komplett unmöglich die Augen auch nur einen Moment zu öffnen. Doch vor der Setpause kam noch „Cry it out“ und ließ uns rocken und die Punkte vor den Augen konnten dabei in Ruhe verschwinden. Aber was heißt schon Ruhe, wenn Kai aus dem Hinterhalt mit dem Eimer kommt, uns anvisiert, keiner was mitbekommt und wir hinterher alle nass sind (inklusive des ein oder anderen empfindlichen technischen Geräts). Bei den Zugaben gab es endlich wieder, die mittlerweile doch lang vermisste Christof-typische Ansage: „Seid Ihr gut drauf? Damit ist jetzt Schluss!“ Und nach einem langen Intro klagte der einsame Junge uns sein Leid. Bei „Trapped today, trapped tomorrow“ gestaltet sich der Gitarrenwechsel bei Thorsten etwas schwierig. Erst bekam er sie etwas zu spät und kaum nahm er sie entgegen, fiel der Gurt ab. Gut, irgendwann war der jüngere Wingenfelder mit wieder dranfummeln fertig, aber da war dann auch schon Zeit für den Refrain. ;-> Und wie immer war dann leider der Schluss zu schnell näher gerückt. Gero, Christof und Kai formierten sich und mit „Seconds to fall“ wurden wir sanft wieder in die Wirklichkeit zurückgeleitet. Wir sortierten uns, zündeten die ersten Zigaretten danach an und begannen direkt das gerade erlebte zu verarbeiten. Ich merkte nun das erste Mal seit 2 Stunden meine Füße wieder und mein Bauch fühlte sich dank der Beschallung auch nicht gerade normal an. Um vielleicht noch mit dem ein oder anderen Herren zu reden und die Chance zu sitzen zu haben, begaben wir uns um die Bühne herum, nur um Gero und Rainer von je 2 Secs zu einem nahe gelegenen Gebäude eskortiert zu sehen. Sind halt doch Popstars…. *g* Wir nahmen auf dem Bordstein Platz. Etwas Ruhe tanken, noch eine rauchen, bevor wir uns zum Aufbruch sortieren wollten. Doch da lief Kai an uns vorbei und Petra fragte ihn, ob sie ihm die Rechnung für ihre Digitalkamera schicken dürfe. (Wobei wir alle hoffen, dass das Ding die Wasserattacke doch überstanden hat!) Daraufhin erklärte dieser uns noch einmal die Sache mit dem SWR3 und der Kamera und das das nicht billig gewesen sein und Boykott zur Folge gehabt hätte. Kai düste aber schnell ab, weil er noch seinen Bruder zur gemeinsamen Abreise gen Norden suchte, war aber dann genauso schnell wieder bei uns, hockte sich hin und verklönte mit uns die Zeit bis Thorsten von selbst auftauchte. Nachdem die beiden dann weg waren und wir noch Christof vorbeistratzen sahen, mit ca. 6 Mädels und 2 Secs im Schlepptau (Ich sag´s ja – Popstars!), machten wir uns dann auch weg. Heike ging mit ihrer „Gastmutter“ Kerstin. Petra düste direkt wieder gen Düren, um endlich mal wieder an ihrem Umzug zu arbeiten. Und Ralf chauffierte Monika, Jules und mich Richtung Gütersloh, nicht ohne noch der Tradition folgend einen großen Burgerbrater zu beehren, denn dem Hungerloch musste dann doch wieder Beachtung gezollt werden. Nach einem gewohnt fröhlichen Weckdienst und einem hervorragenden Frühstück in strahlendem Sonnenschein auf dem Balkon, vielen Gesprächen und Anekdoten, wurden Jules und ich vom hauseigenen Shuttleservice noch zum Zug gebracht. (Danke, Monika & Ralf!!!) Ein merkwürdiges Fury-Wochenende vorbei, aber komischer Weise habe ich nun schon seit 24 Stunden keine Fußschmerzen mehr. Dafür hat sich ein Scherz auf der Bühne zum Thema viel Bass bei mir nun leider bewahrheitet. Aber welcher und in welche Richtung, verrate ich nicht! *fg* Bis demnächst vor einer Bühne irgendwo in der Republik!














