Monat #1
Heute vor genau 37 Tagen bin ich um 4 Uhr morgens aufgestanden und habe mich zum Flughafen Schwechat begeben, um meine große Reise nach Neuseeland anzutreten. 37 Tage im Ausland, weg von daheim, weg von seinen Freunden, mag sich zwar lange anhören, aber die Zeit verging bis jetzt meiner Meinung nach viel zu schnell und ich kann es kaum fassen, dass schon ein Monat um ist.
Die Familie & der Alltag
Mit meiner Gastfamilie habe ich es wirklich gut erwischt, nicht nur weil sie alle supernett und lustig drauf sind, sondern auch, weil es jeden Abend wahnsinnig gutes Abendessen gibt. Die Familie besteht aus Mutter, Vater, einer älteren Schwester und einen jüngeren Bruder. Alle in diesem Haus sind stets rund um beschäftigt, sodass wir zum Abendessen eigentlich erst alle wieder zusammenkommen. Mit der Familie unternehme ich relativ wenig, aber was ich von anderen Internationals (Austauschschülern) höre, ist das anscheindend auch gar nicht ungewöhnlich. Man ist hier sozusagen auf sich alleingestellt und daher selbst verantwortlich, wenn man sich nachmittags mal langweilt. Aber bis jetzt war ich sowieso immer verplant und hatte auch sonst nicht sehr viel Zeit für mich selbst.
Einen routinierten Alltag habe ich nicht wirklich, aber wenn alles normal abläuft, dann sieht ein Tag bei mir so aus. Nämlich stehe ich morgens um halb acht auf, um um 8 Uhr den Bus an der 5 Minuten entfernten Bushaltestelle zu erwischen. Die Schule beginnt hier um dreiviertel 9 und endet täglich um 3. Nach der Schule gehe ich entweder mit Freunden in die Stadt oder in die Mall, ins Fitnessstudio oder einfach direkt nachhause. Seit Neuestem habe ich mich auch ins Ruderteam eingetragen und hatte letzte Woche mein erstes Training. Da ich Anfänger bin und in meinem Alter normalerweise niemand neu zum Team hinzukommt, hatte ich die bisherigen Trainings mit 14- & 15-Jährigen verbracht. Mich stört das nicht besonders, aber die Trainerin meinte, dass sie mich bald mit den etwas älteren Ruderern trainieren lässt. Abends gehe ich dann vielleicht noch mit Freunden ein bisschen raus oder gucke mit der Familie fern, bis ich dann um circa zehn Uhr schlafen gehe.
Freunde & Erlebnisse
Dadurch, dass ich an meinem ersten Schultag hauptsächlich mit Deutschsprachigen und Italienern in eine Gruppe gesteckt wurde, fand ich gleich Anschluss an anderen Austauschschülern. Gemeinsam mit Julius, Friederike, Leïla & Niko habe ich gleich am ersten Wochenende den Stadtkern Aucklands erkundet. Nach einem kurzen Besuch bei Starbucks habe ich an diesem Tag auch zum ersten Mal Sushi probiert. Leider war das Lokal etwas heruntergekommen, und ich glaube, das war auch der Grund, warum mich das Sushi nicht sehr begeistert hat und ich es so schnell nicht wieder essen werde. Die Stadt unterscheidet sich kaum von anderen Großstädten, jedoch gibt es, wie es für ehemalige britische Kolonialstaaten üblich ist, im Stadtkern kaum eine Altstadt sondern fast nur modernere Gebäude. Wir gingen an diesem Abend noch Bowlen und sahen sich den neuen Jason Bourne Film im Kino an. Danach wollten wir eigentlich noch auf den “berühmten” Mt Vic (ein inaktiver Vulkan in Devonport gehen), um dort Party zu machen, da der Hügel bei anderen Austauschschülern sehr beliebt dafür ist, aber als wir aber oben angekommen waren, ging uns die letzte Partie an Leuten entgegen und somit waren wir am Gipfel mit einer atemberaubenden Aussicht allein gelassen. Zwei Wochen später fuhren (fast) alle Deutschsprechenden auf einen Ski-Trip ins Zentrum der neuseeländischen Nordinsel, auf Mt Ruapehu. Am ersten Skitag war das Wetter nicht so optimal, da es durchgehend schneite und die Sicht dadurch eingeschränkt war, aber am zweiten Tag hatten wir wirklich Glück. Es gab strahlenden Sonnenschein am Gipfel mit einem Blick auf eine mystische Nebeldecke über dem Tal. Auch die Landschaft sah ganz anders & ungewohnt aus, da es, nicht wie man es in Österreich gewohnt ist, rundherum Berge gibt. Es gibt einfach nur diesen einen Berg, der übrigens auch ein (aktiver!) Vulkan ist, und rundherum nur Flachland beziehungsweise Hügellandschaft. Bei der Heimfahrt haben wir auch noch Halt gemacht, um ein Panoramabild vom berühmten Berg von Herr der Ringe, dem Schicksalsberg in Mordor, machen zu können. Ende September, in den Frühlingsferien, plane die meisten Internationals und ich eine Südinseltour zu machen.
Letzte Woche Samstag war ich (wieder mit der deutschen Clique) auf der Insel Rangitoto unterwegs, die, ihr habt es erraten, auch ein Vulkan ist. Wir sind bis zum Gipfel gewandert und genossen während eines Picknicks die Aussicht auf Auckland und fuhren später mit der Fähre wieder zurück aufs Festland, um später in einen Trampolinpark zu gehen.
Schule
Die Schule beginnt, wie vorhin schon erwähnt, täglich um 8.45 und endet um 3 am Nachmittag. Ich habe jeden Tag 5 Unterrichtstunden zu je 60 Minuten. Zwischen zweiter & dritter und vierter & fünfter Stunde gibt es jeweils eine circa halbstündige Pause, in der wir meistens Kartenspielen oder raus in die Stadt zu McDonalds oder anderswo hingehen. Für die nächsten Monate musste ich sechs Unterrichtsfächer wählen, welche Art History (Kunstgeschichte), Drama (Theater), Business Studies (Betriebswirtschaft), Media Studies (Medienwissenschaften), Fotografie und Englisch sind. Am besten gefällt mir zurzeit Art History, da die Lehrerin wahnsinnig gut unterrichtet und dennoch den Unterricht spaßig und lustig gestaltet. Zum Beispiel ist jeden Freitag Fun-Friday, wo sie Selbstgebackenes wie Stritzel oder andere Mehlspeisen mitbringt. Dann veranstaltet sie Blitz-Quizs oder Challenges, damit wir uns den gelernten Stoff besser merken.
Generell wird hier eher nicht viel Wert auf Leistung während des Unterrichts gelegt, vielmehr ist es wichtig, Projekte & Prüfungen erfolgreich zuhause zu erledigen. Für uns Österreicher gewohnte Sachen wie Schulbücher, findet man hier eher selten bis gar nicht. Der Lehrer erarbeitet den Stoff mit Zetteln und Kopien und meistens muss dann Google als Quelle herhalten, wenn mal etwas unklar ist. In zwei Wochen finden die Mock Exams (Probeklausuren) statt, welche ich auch mitschreiben werde. Diese Probeklausuren dienen hauptsächlich dazu, um zu sehen, auf welchem Niveau man liegt, und wie viel man sich noch für die richtigen Prüfungen am Ende des Jahres verbessern muss.
Ich bin jetzt schon 37 Tage am anderen Ende der Welt und ich genieße jeden Moment. Mein erster Monat ist vorüber und ich bin gespannt, was ich im zweiten alles erleben werde.




