Südinsel
Vor einer Woche bin ich von dem wahrscheinlich besten Ausflug meines Lebens zurückgekehrt. Ich habe wahnsinnig schöne Erfahrungen gemacht und extrem Vieles erlebt.
Am Tag vor meiner Südinseltour habe ich meinen Klassenkollegen David vom Zentrum Aucklands abgeholt. Er flog mit dem Flugzeug nach Auckland, da er in Whakatane wohnt. Er hat auch dieselbe Tour wie ich gebucht, und da diese von Auckland wegging, dachte ich, es wäre eine gute Idee, ihm die größte Stadt Neuseelands für einen Tag näher zu bringen. Deshalb gingen wir am selben Tag noch auf den Sky Tower und gingen die berühmte Queen Street entlang. Später hatten wir Dinner bei BurgerFuel, eine Restaurantkette, die wahnsinnig gute Burger verkauft. Am Abend trafen wir uns noch mit Julius, Francesca, Federica und Alana bei Corelli’s, ein Lokal in Devonport, wo wir für gewöhnlich abhängen, um Karten zu spielen oder um uns nur so zu treffen. David blieb über Nacht bei meiner Gastfamilie, und von dort weg fuhren wir dann um die Mittagszeit Richtung Schule, wo der Tourbus schon auf uns wartete.
Die Tour: In den ersten zwei Tagen der zweiwöchigen Tour fuhren wir Richtung südliches Kap der Nordinsel, nach Wellington, die Hauptstadt Neuseelands. Die Hauptstadt hat zwar weniger Einwohner als Auckland, überzeugte aber mit ihren schönen Gebäuden und Landschaft. Dort sind wir mit dem bekannten Wahrzeichen, der roten Standseilbahn, in den Stadtteil Kelbum gefahren, wo es auch einen großen Botanischen Garten gab. Abends waren wir noch auf der berühmten Cuba Street, eine Einkaufsstraße, die voll mit Essensständen war, die Gerichte aus aller Welt anboten. Hier aßen wir auch eine Paella, die aber nicht so lecker schmeckte, und wir dann letztendlich doch noch einen Burger bei BurgerFuel aßen. Nachts lagen wir im Hostel noch einen Mitternachtssnack ein, wobei wir asiatische Nudeln aus der Packung gegessen haben und uns fast ein Toaster abgebrannt wäre.
Am nächsten Morgen haben David, Julius und ich verschlafen und mussten im Zeitraum von zwei Minuten zum Bus, der bereits eine viertel Stunde auf uns drei wartete. Ohne Frühstück begaben wir uns und unsere Gruppe von 40 Internationals auf die Fähre Richtung Picton. Die Fahrt dauerte circa drei Stunden, doch wir vertrieben uns die Zeit mit Schlafen und Kartenspielen. Angekommen in Picton machten wir uns auf den Weg nach Abel Tasman, wo wir am Golden Bay Kajak fuhren. Leider war das Wetter etwas schlecht, weshalb wir nicht das volle Erlebnis mit strahlendem Sonnenschein hatten, dennoch machte es irrsinnig Spaß und ich würde es gerne mal wieder machen.
Über Nacht blieben wir in einem Hostel in Motueka und am nächsten Tag fuhren wir mit dem Bus die Westküste Neuseelands entlang. Die Landschaft hier gefiel mir am besten von allen. Inkludiert im Tourpreis war hier auch eine Fahrt mit dem Flying Fox, wo ich mit David gemeinsam über eine 20 Meter hohe Schlucht „geflogen“ bin. Eine Art Unterkunft, wie jene, in der wir an diesem Tag übernachteten, hatte ich noch nie zuvor gesehen. Neben einer Landschaft, die aussah, als wäre sie Pandora aus dem Film Avatar, hatten wir kleine Baracken in denen wir zu fünft in drei Holzstockbetten schlafen mussten. Später am Abend fanden wir heraus, dass die deutschen Mädchen in unserer Gruppe im Gegensatz zu uns in einem beheizten Haus mit eigenen, internen Duschen und Doppelbetten schliefen. Wir planten deshalb jene Nacht dort zu schlafen, da unsere Baracke wirklich alles andere als gemütlich war, und deshalb schlichen wir spätnachts noch in deren Zimmer, jedoch mit einem mulmigen Gefühl, denn wenn die Chefin der Organisation, Catherine, uns erwischte, würden nicht nur wir Jungs sondern auch die Mädchen in großem Ärger stecken. Um circa ein Uhr morgens klopfte es dann aber doch an die Zimmertür, in welcher zum Glück nicht Catherine stand, sondern eine Work & Travel Tour-Begleiterin, die nur einige Jahre älter war als wir. Sie wusste, dass wir da waren, aber anstatt uns zu verpetzten, meinte sie einfach, wir sollten weiterhin leise sein und noch viel Spaß haben, und den hatten wir auch.
Morgens sind wir dann früher aufgestanden, um zurück in unser Zimmer zu schleichen, bevor jemand von den Begleitern kam, um uns aufzuwecken. Der frühe Sonnenaufgang mit dieser einzigartigen Landschaft war einfach nur wunderschön und ich konnte es kaum glauben, das wirklich erleben zu können. Tagsüber sind wir weiter nach Süden mit dem Bus gefahren und haben bei den bekannten „Pancake Rocks“ Halt gemacht. Den Namen haben sie von ihrer Form, die aussieht, als wären die Steine wie mehrere Pfannkuchen übereinander gestapelt. Später gingen wir dann noch in eine Greenstone Manufaktur und konnten live miterleben wie diese Art Jade zu Schmuck und Deko geschliffen wurde. David und ich haben sich beide einen ungeschliffenen Greenstone gekauft, da die günstigsten geschliffenen über hundert Dollar kosteten. Nach dem Museum statteten wir auch dem „Kiwi House“ einen Besuch ab. Darin waren nicht nur die für Neuseeland bekannten flugunfähigen Vögel sondern auch andere Tiere wie Aale und einige Reptilien in Gehegen und Aquarien gehalten. Spät am Nachmittag sind wir dann in unserer Unterkunft nahe dem Franz Joseph Gletscher angekommen. Der Gletscher wurde nach unserem ehemaligen Kaiser Franz Joseph I. benannt, da der Erste, der ihn erfolgreich bestieg, ein deutscher Entdecker war. Im gleichnamigen Ort, Franz Josef, gingen wir dann auch in ein Spa mit „Hot Pools“, das waren ein paar heiße Swimmingpools, die nach den kurzen Nächten und den langen Busfahrten etwas Entspannung brachten.
Früh am nächsten Morgen nach kurzem Snackshoppen sind wir dann auf den Franz Joseph Gletscher gewandert. Bis vor zum Schnee konnten wir leider nicht vorgehen, da diese Zone abgesperrt war, jedoch sah die Gletscherzunge im Sonnenlicht wunderschön aus. Vor dort gingen wir zurück in den Bus und begaben uns auf den Weg Richtung Queenstown. Einige Kilometer vor unserem Ziel machten wir noch einen Halt in der „Puzzle World“. Die „Puzzle World“ ist eine Art Illusionshaus und hat neben einigen coolen optischen Täuschungen auch ein Labyrinth zu bieten, das anfangs einfach zu durchqueren scheint, aber dann doch etwas kniffliger ist als gedacht. Abends kamen wir dann in Queenstown an und aßen im angeblich besten Burger-Restaurant in ganz Neuseeland, Fergburger, einen Burger. Der Burger war wirklich sehr gut, würde ihm aber jetzt nicht den Titel des besten Burgers geben. Wir lernten dann auch noch einige Australier und Franzosen kennen.
Die vorherige Nacht war ziemlich lang, was uns zum Verhängnis wurde, da wir früh am Morgen aufstehen mussten, um einen Ausflug nach Milford Sounds zu machen. David und ich dachten, dass die Fahrt zu Milford Sounds nur eine halbe Stunde von Queenstown entfernt wäre, es stellte sich aber heraus, dass wir nun vier Stunden Busfahrt vor uns hatten, deshalb hatten wir auch genug Zeit nochmal lange zu schlafen. Milford Sounds ist auf jeden Fall einer der schönsten Plätze Neuseelands, wenn nicht sogar der Welt. Jeder der die Chance hat, dorthin zu gehen, sollte sie nutzen. Wir sahen Robben, Wasserfälle und eine unglaublich schöne Landschaft.
Erledigt vom Vortag konnten wir zum ersten Mal auf dieser Tour ausschlafen. „Frühstücken“ waren David und ich dann zu Mittag bei KFC und ließen uns gleich darauf die Haare bei einem Frisör in Queenstown schneiden. Am Nachmittag waren wir Jetboaten mit Julius und Evelin. Bei dieser Aktivität fuhren wir mit einem großen Motorboot schnell durch die Flussengen von Queenstown und schrammten immer Knapp an den Felsen vorbei. Das hat wahnsinnig Spaß gemacht und will es unbedingt mal wieder machen, sobald ich die Chance habe. Am Abend gingen wir in eine Icebar, die angeblich sehr für Queenstown bekannt war. Dort haben wir im Tourpreis inkludierte gratis Drinks (ohne Alkohol) in Bechern gemacht aus Eis serviert bekommen. Auch alles andere in der Icebar war aus Eis gemacht. Es gab einen Schlitten, eine Fotobox, einen Air Hockey Tisch, und vieles Anderes, alles geschnitzt aus Eis. Später gingen wir noch in eine Pizzeria, wo wir auch auf Katharina, eine Klassenkollegin, getroffen sind. Sie war auch auf der Südinsel und machte hier eine Tour. Ganz zufällig waren wir am selben Tag in Queenstown und haben uns deshalb dann in der Pizzeria getroffen.
Am letzten Tag in Queenstown gingen fast alle, auch ich, Bungee Jumpen. Die meisten sprangen von der 42 Meter hohen Kawarau Brücke, dort wo das Bungee Jumpen selbst vor Jahrzehnten seinen Ursprung nahm. Einige trauten sich sogar vom 150 Meter hohen Nevis Bungee Jump zu springen, bei diesem hatte man einen Freifall von ganzen neun Sekunden. Das Bungee Jumpen war eines der befreiendsten Erlebnisse in meinem Leben. Ich habe generell eine etwas große Höhenangst und vor dem Sprung hatte ich schon etwas Angst und Panik, und umso erleichterter und euphorischer war ich dann, als ich es dann endlich getan hatte und es hinter mir hatte. Nachdem die Restlichen auch noch gesprungen waren, machten wir uns auf den Weg nach Dunedin. Die Stadt erinnerte mich vom Baustil der Gebäude stark an Wien. In Dunedin übernachteten wir in einem Hostel, das im Barock Stil gebaut wurde und auch ein Klavier im Speisesaal hatte.
Früh morgens am nächsten Tag besuchten wir die Cadbury Schokoladenfabrik bzw. das Schokoladenmuseum, das gleich nebenan war. Leider war es nicht so wie ich es von anderen Schokoladenfabriken wie Zotter gewohnt war, dass man sich auf einem großen Areal durchprobieren konnte. Hier konnte man eben nichts probieren und die Schokolade, die ich gekauft habe, fand ich auch nicht wirklich gut, deshalb freute ich mich schon umso mehr auf den nächsten Halt auf unserem Tourplan, die steilste Straße der Welt. Nach einer kurzen Autobusfahrt sind wir auch schon dort angekommen. Bis zum Gipfel zu gehen war anstrengend, aber für die Aussicht hat es sich gelohnt. Die Straße hat eine Steigung von 35 %, das sind circa 20°, und ist somit die steilste, bewohnte Straße der Welt nach dem Guinness Buch der Rekorde. An diesem Tag übernachteten wir in einem Hostel bei Lake Tekapo. Lake Tekapo ist ein See bestehend aus Schmelzwasser der Gletscher, was ihm seine hellblaue Farbe verleiht.
Von dort sind wir am nächsten Tag nach Christchurch gefahren und haben dort eine Mittagspause eingelegt. Christchurch wurde 2011 zum Opfer eines Erdbebens, was die vielen Bauarbeiten im Stadtinneren und die Teils zerstörte Kathedrale erklärt. Nach unserem Halt fuhren wir weiter in unser Hostel nach Kaikoura. Dieses Hostel war eines der besten Hostels der Tour, denn es hatte eine komfortable Einrichtung und einen großen Whirlpool, in den wir alle, sobald wir dort angekommen waren, hineingingen.
Dann am nächsten Morgen ging es zurück auf die Nordinsel. In Picton, wo wir auch am Anfang unserer Tour schon waren, hatten wir etwas Freizeit und haben diese dazu genutzt, im (ziemlich kalten) Meer schwimmen zu gehen. Auf der Fähre, anstatt uns auszuruhen, entschieden wir uns aus dem Nichts dazu, auf dem großen Schiff Verstecken zu spielen. Das letzte Mal, dass ich verstecken gespielt hatte, war Ewigkeiten her und es fühlte sich auch eigenartig an, als Teenager wieder einmal Verstecken zu spielen (P.S.: Im Aufzug finden sie dich nie!). Am Abend gingen David, Julius und ich in Wellington zum Mexikaner essen und holten uns danach noch leckere Pancakes.
Am Tag darauf wurde uns bis Mittag in Wellington Freizeit gegeben. In den wenigen Stunden haben wir uns Inline-Skates gemietet, haben Eis gegessen, sind die Promenade entlang gefahren, haben fast einen Verkehrsunfall verursacht und haben überteuerte Lamm-Kebabs gegessen. Mittags machten wir uns dann auf den Weg zu unserem letzten Halt und Hostel in Taupo. Dort haben wir uns abends gegenseitig unsere zuvor gekauften Flaggen unterschrieben, um uns so darauf zu verewigen.
Wir standen am nächsten Tag früh auf, da wir am Nachmittag zurück in Auckland sein wollten. In Taupo jedoch verabschiedeten wir uns schon von David, da es kürzer für ihn war, von hier als von Auckland nach Whakatane zurückzukehren.
Am Weg nachhause ließ ich nochmal die letzten zwei Wochen an mir vorbeiziehen und bin froh, dass ich meine Ferien in Neuseeland so verbracht habe, anstatt zwei Wochen in der Stadt zu bleiben.











