Von Bänken und Nüssen, die die Welt verändern
Nach etlichen Besuchen im Flüchtlingsheim lernte ich einen besonderen Menschen kennen. Nennen wir in mal Ali. Ali ist aus dem Irak. Was mich sehr überrascht war, dass er so gut Deutsch spricht. Bemerkenswert. Meine Neugier wurde geweckt. So fragte ich Ali, warum er so gut Deutsch spricht. Er lächelte und antwortete, er spricht doch nicht gut Deutsch. So musste ich ihn fast anbetteln, sein Geheimnis zu lüften. Ali, groß an Barmherzigkeit, wollte mich nicht länger auf die Folter spannen. So erzählte er seine Geschichte. Eine wunderschöne Geschichte über die Bänke am Neckar. Als Ali seine Heimat verlassen musste, war es sehr schwierig für ihn in Deutschland. Ohne die Großfamilie, ohne Sprache, ohne Freunde. Er wollte unbedingt Arbeiten. Das ging leider nicht. So ging Ali regelmäßig spazieren in Heidelberg, der schönsten Stadt Deutschlands. Erschöpft von den Spaziergängen setzte er sich auf die Bank. Kurze Zeit später kam eine entzückte alt deutsche Dame. Sie setzte sich zu ihm. Eine fruchtbare und lehrreiche Zeit begann. Die nette Oma entpuppte sich als die beste Lehrerin überhaupt. Nachdem sie sich kurz kennenlernten, nahm sie einen Stein und sagte: “Stein”, oder eine Blume und sagte: “Blume”. So ging das weiter. Regelmäßig trafen sie sich auf der Bank. So wie die Knospen im Frühling sprießen, so explodierte Alis Deutschkenntnis. Mit der Zeit konnten die zwei sich unterhalten. Welch segensreiche Zeit für beide. Eine andere Begebenheit zeigt, das auch Immigranten für Deutsche eine Hilfe sein können. Vor paar Wochen, als wir noch von der Weltliga träumten und uns regelmäßig zum Training trafen., da ereignete sich eine nette Begebenheit, die mich sehr erstaunte. Wir saßen auf der Bank und feuerten die Jungs an. Eine nette junge Frau - nennen wir sie mal Kerstin - packte aus ihrem Rucksack eine grüne Tupperdose aus. Nachdem sie diese öffnete, nahm sie allerdings nicht selbst von den Nüssen, sondern fragte und reichte die Nüsse an alle weiter. Mein erster Gedanke war: Armes Mädchen, hoffentlich verhungerst du nicht. Meine zweiter Gedanke war: Hut ab vor dieser Geste. Als ich Kerstin fragte, ob sie das schon immer so mache, schüttelte sie ihren Kopf. Nein sagte sie. Aus meinen Lippen schoss gleich die Frage: Seit wann dann? Ach, sagte sie seit ein paar Monaten besuche ich eine Familie aus dem Flüchtlingsheim. Da war ich immer bei einer Familie aus Afghanistan zu Besuch. Diese Familie bot mir immer Essen an. Egal, was sie aßen, immer fragten sie die Gäste, ob sie auch essen wollen. Mir gefiel diese Eigenschaft so sehr, dass ich es übernahm. Egal wo ich bin, wenn ich esse, so teile ich es mit dem Nächsten. Diese beiden wahren Begebenheiten zeigen deutlich, dass wir voneinander lernen sollten. Dass wir aufeinander eingehen sollten. Das Neugier ein guter Ratgeber ist. Das uns Interesse an dem Nächsten bereichern kann. Wie wunderbar wäre es, wenn jeder Heidelberger von seinen Bänken und Nüssen erzählen würde. Wie schön wäre es, wenn unsere Flüchtlinge ihrer Familie mit leuchtenden Augen beim Abendessen von ihren Nüssen und Bänken erzählen würden. So würde abends nicht nur unser Schloss leuchten, sondern auch die Herzen von den Heidelbergern und Flüchtlingen.









