Zu beinahe jedem Anlass gehört Alkohol, was an sich nicht verwerflich ist. Die meisten Leute bewegen sich innerhalb bestimmter Grenzen und gerade bei Familienfeiern wird aufgepasst was und wie viel man trinkt. Bei Sommerfesten oder ähnlichen Feiern sieht das Ganze allerdings etwas anders aus. Da steigt schon mal der Pegel etwas höher mit steigender Zeit. An sich hat keiner damit ein Problem, da dadurch die Stimmung in der Regel steigt. Blöd ist es leider nur, wenn unter den Feiernden Menschen, wie ich sind, die keinen Tropfen Alkohol zu sich nehmen. Ich möchte hiermit einfach mal ein Beispiel zur Schau stellen, wie es ist, wenn man sich nicht durch den Konsum von Alkohol in eine Gruppe integrieren kann. Oft ist es so, dass solch ein Abend wie folgt abläuft.
Ganz am Anfang steht die Begrüßungsphase. Die Gäste trudeln langsam ein, man Begrüßt sich und tauscht die ersten Wörter miteinander aus. Einige kennt man nur oberflächlich, andere besser, danach richten sich dann auch die Themen und alles läuft vorerst seinen gewohnten Gang, so wie an dem Ort, an dem man sonst Kontakt hat.
Der Anfang des Festes schreibt ein wenig den Verlauf des weiteren Abends vor. In meinem Beispiel ist es eine “Grill-Party”. Also wird das Fleisch auf das Rost gelegt, der Fressalientisch mit diversen Beilagen aufgebaut samt Besteck, Teller usw. Während das Essen zubereitet wird, gesellen sich die letzten Gäste zur Gemeinschaft und es entstehen Gruppen an den Tischen. Je nachdem, wie gut und lange man sich kennt, variieren dann die Gesprächsthemen, trotzdem hat man die Möglichkeit in der kurzen Zeit vom Essen näher kennen zu lernen. Sobald das Essen fertig ist und die ersten vollen Teller auf den Tischen stehen kommt hier schon der Alkohol, meist in Form von Bier, mit ins Spiel. Bis hier ist noch alles normal, man isst, man lacht, man ist in guter Gesellschaft und unterhält sich.
Sobald die Teller leer und die Bäuche gefüllt sind, lösen sich die besagten Gruppen auf und es bilden sich kleinere, die sich zum einen Teil ständig verändern und zum Anderen vorerst gleich bleiben. Es vergeht ein bisschen Zeit bis die nächsten Getränke nachgefüllt werden, allerdings bleibt schon ein gewisser Fluss erhalten. Kurz danach verschwinden auch schon wieder die Ersten, weil sie Kinder haben, auf die sie aufpassen müssen oder die wieder nach Hause gebracht werden wollen.
Langsam beginnt dann die Phase, in der angefangen wird zu spielen. Egal ob Fußball, Wikingerschach oder etwas anderes. Auch hier sind immer wieder die berühmten Plastikbecher mit dem Bier zu sehen, wenn es nicht gleich die Flaschen sind. Auch, wenn man mitspielt und sich noch normal unterhalten kann, merkt man, wie sich schleichend die Stimmung verändert.
Einige Zeit vergeht, die Spiele werden nach und nach eingestellt, mehr Gäste verabschieden sich und die Reste vom Grill werden noch verspeist. Die Sonne geht langsam unter und das bunte Treiben der Gesellschaft stellt sich durch den Mangel an Personen ein. Aus der Erfahrung heraus, ist es ab hier angesagt sich nach Hause zu bewegen, da jetzt dauerhaft ausgeschenkt und ausgetrunken wird. Noch kann man sich normal unterhalten, allerdings werden die Themen schon etwas ernster, aber nicht melancholisch. Trotzdem kann man sich noch einbringen.
Doch je später der Abend, desto höher der Pegel. Noch während im Sommer die Sonne untergeht, haben sich fast alle verabschiedet, bis auf eine kleine Gruppe, die sich gerne mal als “der harte Kern” bezeichnet, ungeachtet dessen, ob Neulinge dabei sind oder nicht. Ab hier finden die Gespräche meist nur noch zwischen zwei oder drei Personen statt, deren Wesen sich schon merklich verändert hat.
Ab hier gibt es für Nichttrinker das große Problem, dass man sich nicht mehr einbringen kann. Ich selbst merke es, dass selbst wenn ich in einer Gruppe sitze, mit der ich mich vorher noch unterhalten habe, irgendwann zwischen den ganzen Leuten sitze und irgendwie aus den Gesprächen ausgeschlossen bin. Sobald Menschen angetrunken sind, entsteht da eine Art Anziehung, die sich komplett aufeinander bezieht. Bei einigen riecht man schon beim sprechen die Fahne, anderen wiederum sieht man den Pegel schon an und wenn man, mittlerweile von außen, zuhört merkt man, dass ein gewisser Punkt erreicht ist, an dem man wirklich gehen sollte.
Denn jetzt wird der Ton lauter, einige Aussagen leicht aggressiver, die Gemüter unruhiger/ungeduldiger und einige fangen an ihren Willen durchzusetzen, zum Beispiel bei der Wahr der Musik, bei der man auch anfängt zu tanzen.
Die Sonne ist schon eine Weile untergegangen und es beginnt stockdunkel zu werden und ab hier taucht, zumindest bei mir, ein Phänomen auf, was ich mir nicht erklären kann. Alle haben etwas intus, man ist ausgeschlossen, kann nicht mehr mitreden. Ich habe die Eigenschaft an mir, mir ein ruhiges Plätzchen zu suchen und mich zurückzuziehen. Wenn schon alleine, dann wenigstens an einem guten Ort. Hier saß ich an einem See und habe der Natur gelauscht, bis ich die Frage von meiner Mitfahrgelegenheit hörte: “Wollen wir langsam los?” Ich freute mich schon endlich nach Hause zu können und ging zu den Verbleibenden. Und es kommen immer wieder die selben Sätze. “Wo warst Du denn?” “Von wo kommst Du?” “Ach Du warst weg?” Das heißt, nicht nur, dass man, ich sag jetzt mal, ungewollte ausgeschlossen wird, man bekommt noch nicht mal mit, wenn man verschwindet. Teilweise war ich schon zwei Stunden weg und es hat niemand mitbekommen. Natürlich wurde die Idee zum Aufbruch längst vergessen.
Diejenigen, die nicht fahren müssen, sind betrunken und selbst die Fahrer haben manchmal auch gut was drin. Zu meinem Pech waren die beiden, die mich eigentlich wieder nach Hause bringen wollten auch betrunken. Gerade in solch einem Zustand kommt dann noch jemand auf die Idee, ein Gruppenfoto zu machen, auf dem alle eine sichtliche Freude dran haben und man selbst nur noch falsch lächelt, weil seit Stunden keine richtige Freude mehr aufgekommen ist.
Ein weiteres Phänomen ist es auch, dass immer mindestens einer kommt und tiefgründig wird. Man bekommt manchmal Komplimente oder gibt noch einen Ratschlag. Schade ist nur, dass man scheinbar nicht in der Lage ist, solche Sachen nüchtern anzusprechen.
Doch letztendlich kommt es dann doch zum Aufbruch der Verbleibenden und ich konnte doch noch jemand halbwegs nüchternen finden, der mich nach Hause gebracht hat.
Versteht mich nicht falsch. Ich möchte hiermit nicht sagen, dass man Feiern ohne Alkohol organisieren oder es verbieten sollte. Es ist persönlich verdammt anstrengend sich im nüchternen Zustand stundenlang angetrunkene Menschen anzutun. Zugegeben, in diesem Fall hatte ich Pech, wegen den Fahrern usw. Aber selbst wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte, selbst nach Hause zu gehen, wäre die Feier für mich nach einem viertel oder drittel der Zeit vorbei gewesen, weil ich ab da dann kaum noch Bezug zu jemanden habe. Entweder sind diese Leute schon gegangen oder betrinken sich gerade. Für mich ist es praktisch nicht möglich, mich in eine Gruppe einzubringen, wenn getrunken wird, da ich früher oder später eigentlich auch gar nichts mehr mit den Menschen zu tun habe. Und was bleibt einem da? Die Wahl zwischen einem frühzeitigen Abgang oder einem nervenaufreibenden Abend. Oder kurz gesagt.
Trinkst Du nichts, brauchst Du eigentlich gar nicht erst auftauchen.