Muyan Lindena
Muyan Lindena (1977) ist mit Arbeiten aus den letzten drei Jahren seit dem Ende seines Studiums an der Akademie 2007 vertreten. Seinen plastischen Arbeiten stehen Objektkästen gegenüber, in denen sich von ihm gesammelte und manipulierte Fundstücke wie in ihrer Bewegung eingefrorene Schmetterlinge als Pretiosen präsentieren. Das vorgefundene Ausgangsmaterial liefert die Materialität seiner Werke: Kunstoffe, Naturmaterialien wie Holz und Papier oder elektronische Komponenten.
Ein Großteil des Ausgangsmaterials der ausgestellten Kunstwerke basiert auf computergesteuerten Konstruktions- und Produktionsprozessen. Der Schnitt durch das virtuelle Modell ist hierbei bezüglich der Stabilität (Wandstärken oder Versteifungen) von wesentlicher Bedeutung für die Alltagstauglichkeit des Endproduktes, aber in der Regel nicht mehr sichtbar - da im Inneren verborgen. Der Vorgang des Kopierens und Einfügens findet hier in der Übernahme von einzelnen sich wiederholenden Elementen bis hin zu ganzen Bauteilen statt. Dies dient der Ökonomisierung des Arbeitsprozesses und damit auch der Optimierung von Kosten: Ein wesentliches Kennzeichen des industriellen Zeitalters. Dies macht sich Muyan Lindena zu Nutzen, indem er dieses wohlkonstruierte Gefüge von Hand mit der gleichen industriellen Präzision wie eine Maschine zerschneidet und als Kunstobjekt neu entstehen lässt. Seine Assemblagen sind in ihrer Komposition rhythmisch angelegt, was Ihren konstruktivistischen Ursprung unterstreicht und um eine musikalische Komponente bereichert. Wie bei Gene Davis - einem Vertreter des color field painting, der zum Kreis der in der letzten Ausstellung vorgestellten Künstler gehörte - folgen seine Arbeiten einem intuitiven Ordnunsprinzip.
Er verweist hierbei auf seine weitere künstlerische Begabung als Perkussionist. In der Auswahl des Ausgangsmaterials beschränkt er sich nicht und nutzt die Pluralität der gefundenen Objekte für seine analytische Untersuchung und Umformung. Die mit naturwissenschaftlicher Neugier versehene Vorgehensweise in seinen Werken schafft für den Betrachter eine neue Sichtweise auf die Dinge, die ihn umgeben. Wie auch Eduardo Paolozzi fordert Muyan Lindena einen neuen Blick auf eine von Menschenhand geschaffene „Natur“. Auch wenn Muyan Lindena nicht ausdrücklich darauf verweist, so ist doch in seiner Arbeit Begeisterung bei einem gleichzeitigen Unbehagen über die moderne Zivilisation zu spüren. Die Analogien der Natur und des vom Menschen geschaffenen sind für ihn kein Hindernis, sondern vielmehr eine Möglichkeit sich in der modernen Welt zurechtzufinden. Im Werk Muyan Lindenas erfährt das abgelegte Produkt einer globalisierten Welt und Wegwerfgesellschaft die gleiche Aufmerksamkeit wie ein von der Natur geschaffenes Artefakt. (AG)
_Biografie:1977 geboren in Henstedt-Ulzburg (D) I 1999 Fachhochschule Hamburg (Grafik/Gestaltung) I 2003 Alanus Hochschule Bonn (Bildhauerei) I 2005/06 Karin Halft -Stipendium I 2007 Alanus Hochschule Bonn (Diplom) I seit 2009 Atelierstipendium, Kunstverein Bonn _Ausstellungen (Auszug): “Auf weiter Ruhr”, Witten (2005 D); “Over troubled water”, Technologiepark, Bergisch Gladbach (2006 D); “Dialoge” (Arbeitsstipendium), Kunsthaus, Kloster Gravenhorst (2007 D); “Förderstand, Muyan Ole Lindena ,Kunst Zürich 09”, Chelsea Galerie, Zürich (2009 CH); “Artist in Residence”, European Art Project, Amsterdam (2010 NL); “Das Ding” G.A.S-station, Berlin (2010/11 D)










