Kein Bildschirm, kein Internet, man muss keine Tasten und Knöpfe drücken und trotzdem wollen es Kinder spielen?! Dank Kendama – ein traditionelles japanisches Spielzeug, bestehend aus einem hölzernen Griff mit Strick daran und Ball. So einfach, so klein und so vielfältig. Es passt leicht in die Hosentasche und die Bandbreite an Tricks scheint unendlich. Und nicht nur das. Kendama stimuliert die Hand-Auge-Koordination und die generelle Konzentration. Dabei macht es auch noch eine Menge Spaß damit zu spielen. So auch den Kindern im Kendama Club an der Berlin Cosmopolitan School (BCS).
Seit diesem Schuljahr bietet Lehrer, Martin Denecke, den „Kendama Klub“ als Teil des vielseitigen Nachmittagsprogramms der BCS an. Dort lernen die Schüler die reichlichen Funktionsweisen beziehungsweise Trick-Variationen diese Holzspielzeugs kennen. Mithilfe von Mitschülern und erfahrenen Spielern, die öfters zu Gast sind, entwickeln sie ihre Fertigkeiten weiter. Niemand muss dafür Vorkenntnisse haben, aber Neugier und Geduld sind notwendig!
Wie gesagt, Kendama sieht täuschend einfach aus. Mit ken ist der Korpus des Spielzeugs gemeint, der aus Holz oder Plastik besteht. Der Korpus hat eine große und eine kleine Schale sowie eine extra Einbuchtung am unteren Teil, das auch base genannt wird. Ein Ball (tama) ist mit einem Seil verbunden. Ziel ist es, den Ball in eine Schale zu befördern oder auf die Spitze des ken. Was ziemlich einfach klingt, bedarf allerdings viel Übung und jede Menge Geduld.
Die Ursprünge des Kendama sind unklar, aber das Spielzeug ähnelt dem französischen Bilboquet aus dem 15. Jahrhundert. Die moderne Version mit mehr als einer Schale entstand in Japan zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Im Jahr 1975 wurde die Japanische Kendama Gesellschaft gegründet, die Regeln und die Standardisierung der Kendama-Größen festlegte.
Der Kendama Klub an der Berlin Cosmopolitan School fand großen Anklang und immer noch, nach etwa 2 Monaten, versuchen viele SchülerInnen ihre Fertigkeiten damit zu verbessern. Martin Denecke wirkt ansteckend begeistert, als er vom Klub und von seinen Mitgliedern erzählt, die immer besser werden. „Kendama ist in der Skaterszene sehr populär“, sagt er. So fing er vor etwa zwei Jahren selbst an, damit rumzuspielen. Dann brachte er es an die Schule und „einige Schüler zeigten großes Interesse daran“, meint er weiter. „Jetzt sind einige schon viel besser als ich“, sagt Herr Denecke enthusiastisch. „Man hört nie auf damit neue Tricks zu lernen.“
Zur Frage, was er an Kendama selbst so gut finde, antwortet Herr Denecke: „Für eine Weile sind die Schüler mal mit etwas anderem beschäftigt, als mit Computern, Handys oder dem Internet“, was er sehr begrüße. „Es geht nur um Spaß, um´s Üben nach eigenem Tempo und dem Lernen von Mitmenschen. Und es gibt wenig Konkurrenzkampf untereinander“, was „eine gute Sache“ sei, betont er. Und all die SchülerInnen, die in jeder Schulpause mit dem kleinen Holzspielzeug üben, scheinen ihm da recht zu geben.