Die Kueche wird zur Wertanlage
Während südeuropäische Märkte wegbrechen, geht im Inland der Trend zum Luxus
Als Statussymbol gilt zunehmend die Küche. Das freut die Hersteller, die sich im niedersächsisch-westfälischen Raum konzentrieren. Foto: Archiv
dpa Köln. Sie soll gut aussehen, vorzeigbar sein, ihre Arbeit leise und sauber verrichten. Und dient immer mehr Verbrauchern in den unsicheren Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise als langlebige Wertanlage. Jeder dritte Deutsche bezeichnet die Küche als seinen Lieblingsraum in Haus oder Wohnung.
Die Küchenindustrie freut sich über erneute Rekordumsätze 2012. „In Deutschland ist die Küche gleich nach dem Auto das Statussymbol Nummer zwei“, sagt Frank Hüther, Geschäftsführer des Branchenverbands Arbeitsgemeinschaft Moderne Küche (AMK). Für eine Küche gaben die Deutschen im vergangenen Jahr im Schnitt 7100 Euro aus – erheblich mehr als noch ein paar Jahre zuvor.
Der Anteil teurer Küchen ist gestiegen. Schon jeder zweite Käufer hat Konsumforschern zufolge 2012 mindestens 8000 Euro investiert. 14 Prozent gaben sogar mehr als 16 000 Euro aus, wie die GfK errechnet hat – Tendenz stetig steigend. Profitieren dürfte die Branche sehr bald schon von der Tatsache, dass gut zehn Millionen Küchen schon 15 Jahre auf dem Buckel haben. „Das wird in der nahen Zukunft einen Ersatzbedarf auslösen“, weiß der Verbandschef.
Im vergangenen Jahr hat die deutsche Küchenindustrie ihren Umsatz um 3,4 Prozent auf den Rekordwert von 9,99 Milliarden Euro gesteigert. Dabei verlangsamte sich allerdings der Erlöszuwachs bei Küchenmöbeln, Elektroeinbaugeräten, Spülen und Zubehör. Wichtige Exportmärkte wie Spanien, Italien, Griechenland, Portugal, die Niederlande oder Großbritannien brachen ein.
Für viele Kunden im Inland sei der Küchenkauf indes eine „sinnvolle Alternative zur ertragsschwachen Geldanlage im Finanzsektor,“ sagte Hüther. Dazu passt: „Die Käufer einer teuren Küche sind nicht unbedingt die fleißigsten Köche.“ Da der Küchenbereich bei jedem fünften Bürger hierzulande nicht mehr vom Wohnbereich getrennt ist, sollen Küchenmöbel und -geräte optisch ordentlich was hermachen.
Etwa so wie in den TV-Studios. Egal, wann und durch welche Fernsehkanäle man zappt, immer wird irgendwo gebrutzelt und gekocht. Und das ist ganz nach dem Geschmack der Küchenindustrie: Davon geht laut AMK ein „wichtiger Erfolgsimpuls“ für die Hersteller aus.
Zwar schwächeln einige EU-Länder wirtschaftlich und haben zu einer „leichten Bewölkung“ im Export geführt. Aber dafür hat man in Fernost die Küche „Made in Germany“ ganz fest ins Visier genommen. Hüther: „Chinesen lieben deutsche Küchen.“ Die einkommensstärkere Kundschaft im Reich der Mitte schmücke sich gern mit einer modernen Ausstattung aus dem Westen.
----aus der NOZ Anfang Mai 2013














