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I like swearing, but with non swearing words "This is a load of barnacles.." "What a load of bologna!!!!" "Frickity frack!" "Aaww, snap.." (note: must do the cartoony snapping) "Malarkey I tell you!" "Ohh sugar honey ice tea!" "Dangggnabbit!!" (note: use when old while raising cane to the air) "Aww phooey :(" "AW BISCUITS" *Dolphin noise*
Liste: 10 gute Gänge ins Archiv 2020
Die Konzerte des Jahres waren immer ein schön anekdotisch-unverbindlicher Einstieg in die Listenzeit. Dieses Mal lauert hier nicht nur direkt das Thema Corona; obendrein hat die Subjektivität, die diese Liste sonst immer so spaßig macht, eben jene Liste einfach aufgefressen, denn ich hab in diesem Jahr schlicht kein einziges Konzert besucht und auch Livestreams eher selten in Echtzeit gesichtet, so dass hier nun im Grunde nichts zu listen ist. Doch die Musik blieb ja nicht stehen, Bands koppelten Coverversionen aus, das Publikum vergrub sich in der eigenen Sammlung, und da auch Konzerte meist ja eine Art Gang ins Archiv sind, eröffnet nun eine Liste eben solcher eben die schönste Zeit des Jahres. Auch die zehn folgenden Plätze bleiben anekdotisch und subjektiv, sind chronologisch aufgefädelt und zeigen eben, was dieses Jahr so ging, wer sich welchen Schabernack einfallen ließ und am Ende ja auch einfach zehn Sampler, Streams und Songs, die frei von allen Kategorien empfehlenswert sind.
18.03.2020: Converge/Endless Arrow
Mein erster Konzertbesuch des Jahres war gerade gemeinsam mit den meisten Touren weltweit weggeklappt, als Converge ihren eigentlich brachialen Song “Aimless Arrow” ins Endlose zogen und uns in ein halbstündiges Wabern und Wobbeln stießen. Offiziell war es da “to keep people entertained”, eigentlich nahm es aber vor allem die zerdehnte Zeit vorweg, die fast allen ins Haus stand. Dies wiederum an einem unmittelbaren, pfeilschnellen Song vorgeführt zu sehen, zählte dann zusätzlich zur musikalischen Qualität auch zu den besten Pointen des Jahres.
20.03.2020: Torres/Wandering Star
Torres gehörte derweil zu jenen Künstler:innen, die ihre Tour kappen mussten, und reagierte unmittelbar mit einer pulsierend-sinistren Version des schon im Original ominösen “Wandering Star”. Portishead sind nun keine leicht zu covernde Band und Torres hatte mich auf Platte nie richtig überzeugt, diese Version traf aber mitten ins Schwarze, weil sie angesichts des Originals nicht erstarrte oder auswich, sondern sich zu den empfindlichen Stellen durchbohrte.
24.04.2020: Post Malone, Nirvana Tribute
Bisher habe ich vermieden, eine Meinung zu Post Malone zu entwickeln, und so rauschte auch der vielbesprochene Nirvana-Tribute-Stream zunächst an mir vorbei. Erst als ich im Zuge einer Auseinandersetzung mit Machine Gun Kellys Pop-Punk-Werdung nochmal grundsätzlich über Jahrtausendwende-Rock im Gegenwartsrap nachdachte, musste ich doch mal ein Ohr riskieren, allein schon wegen der Travis-Barker-Verbindung. Und plötzlich wurde aus semi-professioneller Recherche ein wonnevoller Nirvana-Fan-Moment, der eine gewisse Gemeinschaftlichkeit ausstrahlt, und überhaupt: Post Malone konkurriert zum Glück nicht mit Cobain, zeigte sich aber passioniert und brachte spätestens in “Heart Shaped Box” seinen trillernden Schmalz enorm gewinnbringend in das schmissige Spiel der Band ein.
30.04.2020: Ben Gibbard, Live From Home
Von all den Livestreams im Frühjahr war es vermutlich Gibbards, der mir das wohligste Gefühl gab. Womöglich lag es daran, dass er nach zunehmend behäbigen Death-Cab-Platten hier nun endlich einfach seine Rolle als Indie-Grandseigneur annehmen durfte und dabei alle Beteiligten gewannen. Neben dem herrlich schlichten "Life In Quarantine" blieb dieser spezielle Stream vor allem aufgrund der hervorragend melancholischen zweiten Hälfte in Erinnerung. Den persönlichen Favoriten "You've Haunted Me All My Life" gab es dort behutsam aufgedröselt, ebenso das unzerstörbare "I Will Follow You Into The Dark" und eine handfeste, großaäugige Version des eigentlich ja eher entrückt wirkenden Depeche-Mode-Klassikers "The Things You Said". Genau kann ich daraus noch keine Anweisung für kommendes Gibbard-Material ableiten, doch irgendwo hier steckt der Schlüssel zum Karriereherbst.
01.05.2020: V.A./What Is This That Stands Before Me?
Black Sabbath hat sich mir als erste Metal-Legende erschlossen, Sacred Bones haben mich in den vergangenen zehn Jahren verlässlich mit niederschmetternder Musik versorgt, und so ist bereits der Gedanke einer Aktualisierung Ersterer durch Letztere eine spannende Sache. Das Ergebnis ringt dem manchmal ja auch recht leicht zusammenfassbaren Sound der Band tatsächlich unendlich viele Facetten ab, die zugleich die Klasse des Ausgangsmaterials betonen: The Soft Moon zerrt den Opener des Debüts zum Jubiläum in den Industrial-Kerker, Thou poltern “Supernaut” in tiefste Tiefen, Hilary Woods murmelt “N.I.B.” zur sinistren Beschwörungsformel, Moon Duo delirieren “Planet Caravan” in höchste Höhen und Dean Hurley presst das endlose “Warning” in schwitzig-schwatzende Bar-Atmosphäre. Der Rest ist ebenso großartig, die Dramaturgie des Ganzen sowieso, und am Ende bleibt neben all der Versammlung von Talenten und der Huldigung einer Genre-Größe auch einfach ein seltener Sampler ohne Füllmaterial.
01.05.2020: Lingua Ignota/Jolene
Okay, ein bisschen getrickst ist diese Platzierung, aber nicht nur sauste die ursprüngliche Veröffentlichung dieses scheinbar unendlich coverbaren Dolly-Parton-Klassikers im vergangenen Jahr auf einer Split an mir vorbei, in diesem Jahr reihte er sich in einen Strom einzelner Veröffentlichungen ein, die allesamt unter Beweis stellten, was unter der Last des letztjährigen Brockens “Caligula” fast unterzugehen drohte: Lingua Ignota hat ein unfassbares Gespür für Zwischentöne, die unaushaltbar an den Nerven knabbern und doch süchtig machen. “Jolene” haut sie nämlich eben nicht zu Klump, sondern lässt im Hintergrund Feedback walzen und Streicher überspannen, während sie sich im Vordergrund voll in die Rolle der bittstellenden Protagonistin wirft. Das Drama, die Dissonanz, aber eben auch das kompositorische Geschick in verschiedensten Dimensionen treten hier formvollendet hervor.
27.05.2020: The Soft Pink Truth/Am I Free To Go?
Drew Daniel ist bei all den Grenzen, über die extreme Rockmusik in den vergangenen zehn Jahren gezerrt wurde und dabei auch häufiger als nötig einfach zum Gag degradiert wurde, ein Garant für Coverversionen, die über eine schlichte Pointe hinausgehen. Nach einem Black-Metal-Coveralbum lässt sich nun auch seiner Sammlung von Crust-Punk-Adaptionen eine Prise Humor nicht absprechen, “Am I Free To Go?” leistet aber weit mehr. Wüste Vocals schießen durch Jungle- und D’n’B-Anverwandlungen, Glitches kompensieren die wegfallende Gitarrenkruste, Samples verorten das Material obendrein in der Gegenwart und verleihen die nötige, dem Material sowieso innewohnt der Dringlichkeit.
05.09.2020: Digital Ist Besser Als Nichts #5: Messer + Conta, Gleis 22
Eingangs erwähntes Konzert-Fastenbrechen hätte übrigens Mitte März mit Münster im Gleis 22 stattfinden sollen, eine Woche später hätte ich die Band dann gleich nochmal in Saarbrücken gesehen - beides Shows, von denen ich mir viel versprach und die bis heute in der Luft hängen. Wobei es zumindest den Auftritt im Gleis 22 irgendwie dann doch gab, nämlich als Stream im Rahmen der löblich-schulterzuckenden Reihe “Digital ist besser als nichts”. Die Unmittelbarkeit einer Clubshow gab es dabei zwar nicht, immerhin aber eben auch nicht die durch diese eine Säule erstaunlich oft erschwerte Sicht auf eine Bühne, die nicht nur schicke Brillen und krud-gute Ansagen, sondern auch eine kompakte Tracklist voll frischer Lieblingsstücke fasste. Mehr zu denen dann womöglich an anderer Stelle.
22.09.2020: PC Music/Appleville (Golden Ticket)
Irgendwie haben wir uns bislang verpasst, PC Music und ich. Gelesen hatte ich freilich einiges über diese Bande und irgendwie war ich auch gespannt auf die Musik, ein bisschen reichte mir aber auch das theoretische Wissen darüber, dass sie überhaupt existierte. 2020 kamen wir aber endlich zusammen, obwohl ich den Livestream des Appleville-Festivals in gewisser Konsequenz trotz Golden Ticket Kauf doch verpasst habe. Im Internet puzzlete ich mir aber nicht nur ein paar flackernde Versatzstücke des Onlinekonzerts freudig zusammen, ich fing mir eben auch den Golden-Ticket-Sampler ein, der neben verfrühtem Zugang zum Festival in etlichen exquisiten Coverversionen totgespielte Klassiker zum digitalen Nachleben erweckte. Ein von den absurden Bandnamen bis zu den quakenden Synthesizern rundes Vergnügen.
19.12.2020: Casper, Bleib Zuhause
Dunkel kann ich mich daran erinnern, das 2012 noch unter dem Namen “Willkommen Zuhause Festival” firmierende Jahresabschlusskonzert Caspers ebenfalls aus der Distanz per Liveübertragung verfolgt zu haben. Zwischenzeitlich bin ich dann auch gerne mal mit der wackligsten Straßenbahn der Welt durch Bielefeld zum Ringlokschuppen gefahren, in den vergangenen Jahren dann eher zuhause geblieben, was uns nun zu einem launigen Samstagabend führt, an dem ich per Livestream in das Diffus-Studio blicken durfte, wo Casper und Drangal um das Berlin-Konzert der “Lang lebe der Tod” Tour herum ein paar Ankündigungen machten, mit Gelaber ihren Podcast schon vor der eigentlichen Wiederbelebung wiederbelebten und Merch verlosten. Ich auf der anderen Seite tippte die Antwort “Uckermark” zu spät in den abstürzenden Stream, freute mich über mäßige Pointen und dachte nochmal über alles nach: Caspers musikalische Entwicklung, seinen Superstarstatus, darüber, ob Ahzumjot nicht fast exemplarisch die Rap-Entwicklung in den 10ern abgeschritten ist, und wie sehr ich mich am Ende des Tages dann doch einfach auf ein neues Casper-Album freue, auch auf eine neue Clubtour und nicht zuletzt auf die Ergebnisse dieser kruden Hans-A-Plast-Beatsteaks-Drangsal-Supergroup, die da ganz nebenbei angekündigt wurde. Vermutlich nicht der beste Stream 2020, aber vielleicht der mit den besten Verheißungen.
Danny Miller and Ryan Hawley in the summer fate 2015 promo bts
Liste: Die 15 besten Musikvideos 2020
Mit den Musikvideos des Jahres hat es nur am Rande zu tun, aber ich habe 2020 viel MTV gesehen - "Pimp My Ride" Wiederholungen, das von Online-Casino-Werbung durchzogene Tagesprogramm, die mal mehr, mal weniger kruden Specials an den Wochenenden, auch die Phase, in der sich MTV fast in eine endlose 90s-Nostalgie-Maschine verwandelt hätte, und während all dessen habe ich gehofft, dass irgendwo noch ein paar andere Leute zuschauen. Denn der Ort, an dem das Musikvideo nicht nur als Teil des Marketing vollkommen neue Dimensionen angenommen hat, sondern mittlerweile auch ganz direkt Geld abwirft und damit zuhause ist, ist freilich das Internet, und dort habe auch ich einen Großteil der besten Musikvideos des Jahres entdeckt. Manche dieser Videos wären außerhalb des Internets ästhetisch kaum denkbar, und doch umgibt die Momente, in denen die Retroversion der Strokes plötzlich in dubiosen Alternative-Sendestrecken auftaucht oder eine grelle Lady-Gaga-Vision durch eine Chartshow flackert, eine Magie, die nur in der Linearität zu haben ist. Fernab von Fragen der Distribution, aber mit Blick auf die Geschichte des Formats und die folgende Liste lässt sich in jedem Fall festhalten, dass die besten Clips des Jahrgangs 2020 in der Tradition klassischer Musikvideotugenden stehen: Große Geschichten braucht es nicht, entscheidend ist das Spiel mit dem Song, das gute Auge, die richtige Pose, das passende Tempo und eine wirre Prämisse, die für drei, vier Minuten überzeugt.
Billie Eilish/Therefore I Am
Eine bessere Platzierung könnte auf dieses Intro kaum folgen: Eilishs Sturm auf eine pandemiebedingt unbesetzte Mall war trotz der kruden Kameraführung klares MTV-Material, der desinteressiert-selbstsichere Song zudem die passende Bühne, um die Musikerin genüsslich durch die Leere schreitend, eilend und snackend zu inszenieren. Zwischen müdem Bond-Song und trister Zukunfstvision auf jeden Fall der krönende Eilish-Moment 2020.
Charli XCX/Claws
“Claws” ist nicht das einzige Green-Screen-Lockdown-Musikvideo, aber es passt ganz hervorragend zur Charli-XCX-Lockdown-Platte und ist obendrein einfach sehr schön, auch, weil das Konzept zwischenzeitlich ausfransen darf. Klar sehen wir Charli in digitaler Umgebung, umzingelt von Wasserzeichen, als Avatar und vor dicht bevölkterten Zebrastreifen, sie saust aber eben auch mit einem Roller die Straße lang, führt den Green Screen an seine Grenzen und als es am Ende dann endlich zur Einlösung des Verlangens kommt, bricht einfach alles zusammen. Klassische Dramaturgie, die auch hier hinhaut.
Eminem/Godzilla
Eminem wird es vermutlich nie lernen (auch weil dieses ‘es’ mit den ins Land ziehenden Jahren der Kritik immer undefinierter wird), aber er gibt sich Mühe. Viele haben den Rapper längst verworfen, “Music To Be Murdered By” umweht dennoch eine gewisse Versöhnlichkeit, auch jenen Rap-Status-Quo betreffend, gegen den Eminem ja lange diffus geschossen hat. “Godzilla” fängt diese Haltung trotz Quadrupple-Time-Part am Ende nicht nur mit einem Juice-Wrld-Feature ein, sondern vor allem mittels einer Cole-Bennett-Videoproduktion. Die hält mit Eminems lyrischer Bilddichte Schritt, fängt die Ästhetik der Musik in surreal-schlechtem CGI hervorragend ein und aktualisiert zugleich den Wahnwitz, den Eminemvideos vor mehr als einer Dekade regelmäßig lieferten. Bei aller Versöhnlichtkeit wünscht man sich am Ende heimlich, Eminem hätte doch noch ein klangliches Äquivalent zu diesen Bildern auf Lager.
FKA Twigs/Sad Day
"Sad Day" war 2019 ein früher Höhepunkt auf "Magdalene", umso schöner, dass Hiro Murai den Song ein Jahr später einfach auflösen darf, um aus dessen vager Stimmung einen Wachtraum zu beschwören, in dem eine mögliche Trennung erst zu einem Tiger-and-Dragon-artigen Duell und schließlich einer tatsächlichen Trennung des eigenen Körpers führt. Es ist eine Pointe, die man gesehen haben muss, eben weill die Ästhetik des Abdriftens so sehr überzeugt in diesem vom Song gelösten Kurzfilm, der den Charakter des Quellmaterials doch nie hintergeht.
Fontaines D.C./A Hero's Death
Stets ein guter Musikvideokniff: Andeuten, nicht erzählen. “A Hero’s Death” spielt diese Tugend gnadenlos aus, mit GOTs Petyr Baelish als Late-Night-Host, dessen Begegnung mit Fontaines D.C. in Dauerschleife liegt und dort zunehmend alptraumhafter wird. Plastische Effekte, diffuse Nostalgie, ein Hauch Lynch, ein wenig Bergmann, mehr braucht es nicht, um dem tristen Post-Punk grauselig-nihilistische Bilder zur Seite zu stellen.
Ariana Grande/Positions
Frei von Rätseln ist das Video zu “Positions” nicht, gerade weil die Idee, einfach Ariana Grande zur ersten Präsidentin der USA zu machen, mit Hundeporträt, diversem Stab und großartigen Looks, so direkt einleuchtet. Wieso die geswitchten “Positions” dann neben Szenen zu Bett auch Negligee-Puderzucker-Eskapaden an der Kochzeile beinhalten müssen, erschließt sich nicht direkt, aber nun - wer Pop liebt, muss eben auch an die Existenz des Richtigen im Falschen glauben.
Joji/Gimme Love
Jojs “Gimme Love” zerfällt musikalisch in zwei Hälften, das Video nimmt diese Vorlage dankbar auf: Zuerst sieht man in schnell geschnittenen Szenenwechseln seinen Aufstieg innerhalb einer Technologiefirma, es wird geschrien, gefeiert, zwischendrin passiert der Alltag, irgendwann fließt Blut, und dann, als der Song in einen fließenden Zustand wechselt, sperrt Joji seine Kolleg:innen aus, rennt alleine zu einem Spaceshuttle und macht sich auf den Weg in die Unendlichkeit. Ob dies nun Flucht, Selbstmord, Opfer oder Selbstsucht ist, geht im Tempo dieser Erzählung verloren - dennoch ist da eine, vielleicht sogar viele in dieser schwindlig machenden Schichtung von Bildern.
Lady Gaga/911
“Artpop” ist nicht nicht als Zäsur in Lady Gagas Karriere zu begreifen, denn der verhältnismäßig mangelnde Erfolg des Albums läutete das Ende des rastlosen Hit-Skandal-Videospektakel-Laufs ein, das wiederum zu einer Suche nach nachhaltigeren Modellen der Transformation führte. Rollen wurden angenommen, Zusammenbrüche dokumentiert, Karrierekronen aufgesetzt und Para-Country-Balladen aufgenommen, und so sehr all das seine Richtigkeit hatte, tut es doch gut, Lady Gaga im “Chromatica”-Zyklus nicht nur nah an House, Disco und Pop, sondern auch in wirren und zunehmend hervorragenden Musikvideos sehen zu dürfen. Nach dem angemessen depperten Neon-iPhone-Mad-Max Stampfen in “Stupid Love” und der lila-schwarzen CGI-Cyborg-Märchen-Megacity-Vision “Rain On Me” war es nämlich Tarsem Singhs diffuser Pop-Surrealismus, der “911″ zum visuellen Gaga-Höhepunkt machte. Gerade weil es so wenig zu verstehen gibt, gibt es so viel zu sehen.
Dua Lipa/Break My Heart
Eine ähnlich gute, wenn auch etwas konstantere Musikvideo-Ausbeute bietet Dua Lipas “Future Nostalgia” - meist sind es kleine Ideen, aus denen hier mit Schmiss und inszenatorischem Geschick viel Energie gewonnen wird. “Break My Heart” hat dabei die Nase allein schon wegen des tollen Stolperns von Szene zu Szene vorne, hilfreich sind allerdings auch der Signature-Tanz und die besonders liebevolle Ausgestaltung der jeweiligen Szenenbilder.
Phoebe Bridgers/I Know The End
Und wo wir sowieso gerade dabei sind: Auch Phoebe Bridgers hatte ein visuell produktives Jahr, das mit “I Know The End” ein fraglos bestes Musikvideo des Jahres abwarf. Schon groß ist das Herumschleichen, bevor Bridgers ins Stadion geht. Dort wird es dann aber überlebensgroß, trotz Mindestabstand. Wie das Pauken-und-Trompeten-Finale das Album beflügelt, so ist es auch hier die wuchtige Performance in dunkler Kulisse, die, spätestens als Bridgers zu ihrem alten Alter Ego schreitet, die Intensität auf die Spitze treibt.
Poppy/Bloodmoney
Über Poppy wird in den folgenden Listen noch zu reden sein, nicht verkehrt scheint es mir aber, sich der Sache übers Audiovisuelle zu nähern, denn da hat Poppy ja wiederum ihren Ursprung als YouTube-Phänomen. Die Transformation von der unheimlichen, maschinenartigen Internetbrut hin zum tödlichen Nu-Metal-Starlet war nicht absehbar, überzeugt aber mit einer gewissen Konsequenz und schlägt sich freilich auch in der Optik nieder. Dort macht Poppy niemand etwas vor, etwa wenn sie sich in “Bloodmoney” durch eine nicht näher definierte Gegnerschaft prügelt, um am Ende in neonfarbener, christlicher Ikonografie aufzugehen. Gute Bilder hatte sie auch für ihren Partner Ghostemane übrig, am gefiel am Ende ihr eigenes, unerbittliches Geknüppel aber noch ein wenig besser.
Rico Nasty/Own It
Seit zwei Jahren lässt sich nun schon beobachten, wie Rico Nasty sich Schicht für Schicht häutet und immer gerade dann, wenn man sie verortet haben will, doch wieder abbiegt. 2020 ging es nach einem chronisch unterschätzten Boyz-Noize-Feature zwar schon zunehmend in Richtung Pop-Stardom, allerdings nicht, ohne sich die nötige eklektische, aber stets überzeugende visuelle Identiät stets zu bewahren. Zwischen Straßenkämpfen und iPhone-Geburt war das schlichte Bilderfest “Own It” am schönsten, mit saftiger Hook, schlagendem Beat und eben hervorragenden Outfits, Posen und Setpieces.
Rosalía & Travis Scott/TKN
In die Feinheiten der Geschichte um Waffengewalt und tote Kinder muss man gar nicht zwingend eintauchen, um von den Bildern dieses Musikvideos überzeugt zu werden. In schummriger L.A.-Atmosphäre scharen Rosalía und Travis Scott Kinder um sich, es wird in Designerklamotten gefeiert, und doch umweht alles einen Hauch von Verderben. Wo Scott eher stoisch als Ikone in der Mitte steht, da bringt Rosalía mal wieder eine Energie in diese sinistre Kinderschar, das man selbst gerne diesem morbiden Club beiträte.
Rina Sawayama/XS
Jedes Musikvideo zu Rina Sawayamas vielbeachtetem und fast selbstbetiteltem Album hatte gute Ideen, doch der Clip zu “XS”, einer formvollendeten Nu-Metal-Jahrtausendwende-Pop-Konfrontation, führte seine am konsequentesten zu Ende. Eine Homeshopping-Parodie bietet da nur die Rampe für Tanzeinlagen, die die Situation vom Blödeligen ins Gruselige kippen lassen, wo dann wiederum Body Horror, Robotik und kritische Töne zu Sucht und Rassismus lauern. Alles Aspekte überzeugen, auch ästhetisch, und liegen passgenau zwischen Kritik und Unterhaltung.
The Strokes/Bad Decisions
Fast zu kalkuliert wirkt nun meinerseits, wie gut “Bad Decisions” zwischen dem Bild des Stars als Maschine und nostalgischem Homeshopping-Setting an die vorherige Platzierung anknüpft, aber eigentlich könnten die Plätze unterschiedlicher kaum sein. Für die Strokes geht es mal wieder in ein altes Amerika und von Energie ist dabei nicht viel zu spüren. Viel eher präsentiert sich die Band, den Wünschen ihres Publikums wohl nicht ungemäß, als zusammenpuzzlebare Boyband, die nicht nur Spaß für die ganze Familie birgt, sondern sich nun auch endlich mal verhält, wie alle das wollen. Kräfte gibt es da nicht anzuzapfen, das macht ja auch schon der Song klar, der eine alte Billy-Idol-Hook nochmal mäßig motiviert aufträgt, und freilich ist genau das die Ästhetik, mit der die dutzendfach ausgezählten Strokes 2020 überzeugen konnten. Chronistenpflicht: Am Ende kollabiert auch hier alles. Ein guter Gag für das Setting, die Realität der Band sieht hoffentlich anders aus.
Amongst the quiet by @some-mad-lunge
↪ Sounds of silence // Shadows don't sleep // Smoke and splinters
"DCI Robert Sugden has spent the better part of a year chasing a serial killer he cannot identify. PI Aaron Dingle has just cracked a 15 year cold case and is fighting his instant fame. Thrown together, they form a partnership that leads them closer to finally solving the mystery. And to each other."
Ingram Braun
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