Wenn ich mal groß bin...
Jetzt, wo sich die Bauarbeiten im/am & um das Center herum dem Ende entgegen neigen, muss ich sagen: das war ein Brachialjahr am Neutorplatz in Dinslaken (und das ist wohl das erste Mal in der Menschheitsgeschichte, dass jemand ‘brachial’ und ‘Dinslaken’ in einem zusammenhängenden Satz verwendet hat). Ich arbeite am Neutorplatz, treffe Leute am Neutorplatz, kaufe Zigaretten am Kiosk am Neutorplatz, halluziniere träume am Neutorplatz. Was aber viel wichtiger ist: Ich mache Pause am Neutorplatz.
Und:
ICH HABE DIESES JAHR GANZ VIELE BAUARBEITER GESEHEN.
Bauarbeiter sind nämlich die coolsten Typen im ganzen Universum. Echt. Dagegen sind James Bond, Superman, die Blues Brothers und all diese anderen Pseudo-Action- und Superhelden reine Witzfiguren. Die wahren Helden dieser Zeit sind Bauarbeiter. Bauarbeiter sind grundsätzlich braungebrannt, haben entweder kurze oder gar keine Haare und einen coolen Gesichtsausdruck, sie tragen supercoole Schuhe mit Stahlkappen und haben derbe coole Radios dabei, über die sie coole Schlager Rockmusik hören. Die coolen Mundwinkel werden nur beim Grinsen verzogen. Bauarbeiter sprechen nämlich nicht. Vor sich haben sie, wenn sie gerade auf einem Radlader sitzen ein großes Lenkrad, mit denen sie dieses Ding gekonnt über die Straße lenken, dass einem Hören und Sehen vergeht (mit ganzen 20km/h!).
Baupläne werden cool auf Schutthaufen gelegt und betrachtet, auch wenn gerade ein Orkan losgeht. Ganz in Wahrheit brauchen sie Baupläne aber nie, weil sie die alle auswendig können, in ihrem Bauarbeiterkopf. Bauarbeiter sehen außerdem die Welt ganz oft von oben (im Bagger, auf dem Radlader, auf dem Gerüst, oder sonst wo) und den ganzen Tag coole Sachen, weil sie dann eben berufsbedingt über den Dingen stehen.
Aber nichts von diesen coolen Sachen ist so cool wie sie. Außerdem können Bauarbeiter Straßen sperren. Straßensperren sind auch cool.
Während sie die Straße entlang gehen, müssen sie auf den Boden gucken. (natürlich tun sie nur so. Wohin sie wirklich gucken, wird für immer ein Bauarbeitergeheimnis bleiben). Sie heben den Kopf, drehen sich um, zeigen kurz ein Sunnyboy-Lächeln und grüßen (das ist auch der einzige Moment im Jahr, in dem Bauarbeiter lächeln). Sofern man zurück lächelt und/oder grüßt, nicken sie und gehen weiter (natürlich sind sie auch während des Umdrehens und so weitergegangen, Bauarbeiter wissen nämlich schon Monate im Voraus, wann es gefährlich wird). Bauarbeiter schlafen auch niemals, höchstens einmal im Jahr, wenn die Geräte neu betankt werden.
Inzwischen bin ich mir auch ziemlich sicher, dass es die ganze Welt nur deshalb gibt, damit Bauarbeiter sie umgestalten können.
Wenn ich groß bin, werde ich auch Bauarbeiter.
Es gibt da im Moment eigentlich nur ein großes Hinderniss: Wer nicht cool ist, wird erst gar nicht eingestellt.
Aber, wie gesagt, ich lerne ja noch.
An dieser Stelle einen netten Dank an die Jungs am Thyssenplatz, die den roten Teppich für mich ausgerollt haben. (Und zwar nur für mich. ;))
An die Jungs von Loock, die zwar nur einen grünen Teppich ausgerollt haben (nicht nur für mich), immer für einen kurzen Wortwechsel zur Verfügung standen & immer freundlich lächeln (manche auch nicht, die sind aber auch ober-ober-ober-unkool)
An die Männer von Licht & Laden, die mich im Frühjahr mit nach oben genommen haben, damit ich auch mal über den Dingen stehen konnte & im Herbst kurz aus dem Center kamen, um unsere Außenbeleuchtung zu reparieren & einen neuen Transformator zu bestellen.
An den netten jungen Bauarbeiter bei Backwerk, dessen Firma ich nicht kenne, der mir aber trotzdem die heiße Schokolade ausgegeben hat, weil mir vor dem Automaten auffiel, dass ich mein Portemonnaie vergessen habe (Gentleman at its best <3)













