Flensburg – eine Reise in meine Vergangenheit
Ich wurde in Flensburg geboren und habe die ersten sechs Jahre meines Lebens dort verbracht. Dann bin ich nach Hamburg gezogen. Dann verspürte ich den Wunsch, mich auf die Suche meiner Wurzeln zu machen. Da ich ein halber Däne bin, ging meine Reise Richtung Norden und die erste Station war meine Geburtsstadt Flensburg.
Flensburg verbinden die meisten Menschen mit dem gleichnamigen Bier, dem KBA, Beate Uhse und der SG Flensburg-Handewitt, aber die schöne Stadt an der Förde hat noch viel mehr zu bieten. Die Altstadt ist bis heute sehr gut erhalten. Als Wahrzeichen der Stadt gilt das Nordertor, welches zum Ende des 16. Jahrhunderts gebaut wurde. Es ist ein Rest der alten Stadtbefestigung am Ende der Norderstraße. Leider ist auch das Nordertor vom Wandel der Zeit betroffen. Früher sah man schon von weitem das Tor mit einem Teil der alten Stadtmauer links und rechts. Heute befindet sich das Gebäude der Phänomenta direkt am Nordertor. Meiner Meinung nach geht dadurch ein großer Teil seiner Imposanten Erscheinung verloren.
Nach dieser Ernüchterung zieht es mich in Richtung Hafen. Der Weg dahin führt mich durch die Altstadt von Flensburg. Von den alten Gebäuden erkenne ich eigentlich nur das Eckener Haus wieder. Hier wurde der Luftfahrtpionier Hugo Eckener geboren, der 1924 den Atlantik mit einem Zeppelin überquerte. Früher waren dort ein Restaurant und eine Ausstellung über Eckener untergebracht. Heute steht das alte Patrizierhaus aus dem 18. Jahrhundert leer.
Wer seinen Wurzeln nachjagt, muss sich auch etwas stärken. Daher gehe ich links die Neue Straße runter in Richtung Hafen. An der Ecke Schriffbrücke und Neue Straße befindet sich die Hansen´s Brauerei. Hier kann man frischgebrautes, ungefiltertes Pils bekommen. Für die kleine Stärkung oder dem großen Hunger ist auch gesorgt. Bei Bier und Spare Rip´s genieße ich den Blick auf den Flensburger Hafen und freue mich, einen Platz auf der Terrasse ergattert zu haben.
Nach der Stärkung begebe ich mich direkt zum historischen Hafen. Hier liegen viele Segelboote, darunter auch der letzte, noch mit Kohlen befeuerte und seegehende Salondampfer Alexandra, die von den Einheimischen liebevoll Alex genannt wird. Wer etwas Zeit mitbringt, kann eine Runde mitfahren. Ich suche ein weiteres Segelschiff, das einen gewissen Ruf erlangt hat. Es handelt sich um die Dagmar Aaen, dem Haikutter des Polarforschers Arved Fuchs. Es ist das einzige Segelboot, das mit den Fahrten durch die Nord-Ost Passage und die Nord-West Passage den Nordpol umrundet hat.
Nun mache ich mich auf in Richtung Hafenspitze und bin angenehm überrascht, als ich dort ankomme. In meiner Kindheit war ich oft an der Hafenspitze, aber die war öde und verlassen. Das einzige Highlight war der Imbiss um die Ecke gewesen, wo es meiner bescheidenen Meinung nach die besten Pommes gab. Heute gilt die Hafenspitze als Naherholungsgebiet und das zu Recht. Hier kann man prima entspannen und auch die Füße an heißen Sommertagen im Wasser baumeln lassen.
Viel Zeit habe ich damals als Kind im Volkspark verbracht. Im Winter dienten seine vielen Abhänge als willkommene Rodelpisten. Einige waren eher für Anfänger und andere für erfahrene Rodler geeignet. Im Sommer konnten Kinder sich wunderbar auf dem großen Spielplatz austoben, während viele Erwachsene die Wege entlang joggten oder radelten. Ein Highlight für mich als Kind war die Besteigung des Wasserturms. Man konnte über ganz Flensburg gucken, während man sein Eis aß. Aufgrund seiner trichterförmigen Bauweise, die für einen Wasserturm eher untypisch ist, wurde der Wasserturm von den Flensburgern liebevoll Blumenvase genannt. Ich muss schon sagen, dass der Volkspark sich nicht wirklich viel geändert hat und der Blick vom Wasserturm fasziniert mich auch heute noch.
Vieles hat sich seit damals in Flensburg geändert. Manches ist besser geworden und manches auch schlechter. Einiges ist aber noch genauso, wie ich es in Erinnerung hatte. Das ist halt so im Wandel der Zeit. Flensburg ist immer noch eine Perle der Ostsee und somit eine Reise wert. Mein Weg führt mich nun weiter in Richtung dänische Grenze.