Dieses Wort schlägt mir im Moment überall entgegen. Es heißt so was wie „die Weißen“ und als solche sind wir zweifelsfrei erkennbar. Man sticht einfach heraus! So rief unser Taxifahrer einen Kollegen an, der zwei meiner Mitbewohnerinnen an der Bushaltestelle abholen sollt, da wir nicht alle in ein Taxi passten. Ich verstand nichts von dem Gespräch, denn es wurde auf Bemba geführt, außer das Wort „Wazungu“, was hier tatsächlich schon ausreicht um zwei wildfremde Frauen an einer überfüllten Busstation zu identifizieren.
Im größten Marktgetümmel fielen wir so sehr auf, dass uns drei Schulkinder erkannten und uns begrüßten. Das eine Mädchen, der ich zwei Tage zuvor geholfen hatte ihren Namen zu schreiben, rief mich mit „Lala“. Das ist bei vielen der Sambier hier übrigens mein Name, da sie kein „r“ aussprechen können. Es gefällt mir besser als die französische Version meines Namens, von daher will ich mich nicht darüber beschweren... Und das coolste ist, „lala“ bedeutet auf Bemba schlafen und ist der Name eines Stammes. Je nachdem mit welchem*r Sambier*in ich spreche, bekomme ich die eine oder andere Aussage zu hören.
Als Wazungu gelten wir automatisch als reich. Das ist an sich kein Problem und stimmt zudem ja auch in den meisten Fällen, allerdings führt es dazu, dass wir die Waren öfters teurer angeboten bekommen als die Sambier. Irgendwo finde ich es ja sogar verständlich und trotzdem ärgert es mich ein wenig. Andererseits mache 2 Kwacha für mich keinen großen Unterschied, beträgt es sich dabei lediglich um eine Summe von etwa 20 Cent.
Nun wird man als Wazungu auch andauernd angesprochen. Das ist etwas mit dem ich als Deutsche nur schwer umgehen kann, denn wie soll ich darauf reagieren? Ich habe keine Lust mit den meisten zu sprechen, aber gleichzeitig kommt es mir unglaublich unhöflich vor nichts zu sagen und einfach weiterzugehen. Das sind definitiv noch Situationen mit denen ich lernen muss umzugehen… Doch wie soll man auf einen Spruch wie: „You are the one I gonna marry!“ (Du bist diejenige, ich mal heiraten werde!) auch reagieren?! (Und das habe ich noch nicht mal verstanden, weil ich mich an den sambischen Dialekt noch gewöhnen muss. Eine Mitbewohnerin wiederholte die Worte für mich.)
Trotzdem möchte ich mir von all diesen Gegebenheiten nicht die Marktbesuche verderben lassen, denn es macht schon viel Spaß von Stand zu Stand zu schlendern, den Wocheneinkauf an Gemüse und Obst zu erledigen. Auch dabei wird man von allen Seiten angesprochen und die Standbesitzerinnen versuchen dich davon zu überzeugen bei sich einzukaufen und scheinen fast schon traurig zu sein, wenn man sagt, dass man leider wirklich keine Zwiebeln gebrauchen kann! Interessanterweise werde ich hier als weiße Frau oft mit Angela oder May angesprochen, dabei habe ich auch schon viele Sambierinnen kennengelernt, die so heißen…
Mein durchschnittlicher Wocheneinkauf an Gemüse beträgt etwa 30 Kwacha, das sind umgerechnet etwa 2,90 €. Dafür vermisse ich Käse, der hier unendlich teuer und dazu noch nicht mal schmeckt, schrecklich! (Allerding gibt es morgen einen Osterbrunch, bei dem schon angekündigt wurde, dass es deutschen Käse geben wird. Ich freue mich riesig drauf!!!!!)
Heute war mein Einkauf allerdings etwas teurer, da ich mir Stoff kaufen musste, um daraus akzeptable Röcke und Kleider zu nähen. Das ist quasi die Aufgabe der nächsten Wochen. Ich hoffe mal, dass die was werden. Mein Plan war gewesen zwei Stück zu kaufen. Ich muss gestehen, schlussendlich bin ich mit vier rausgegangen, wobei der eine zu Gardinen für unsere Gemeinschaftsküche genutzt werden soll. Ihr seht also, ich habe Projekte über Projekte im Kopf!
Ansonsten wünsche ich euch (und mir natürlich auch) noch ein entspanntes Osterwochenende und viel Freude beim Treffen eurer Lieben. Ich muss zugeben meine Familie vermisse ich gerade schon etwas und ganz besonders den morgigen Osterbrunch…