Applaus für rohe Energie und erotische Aura, für aufrichtiges Suhlen und Wühlen im Fruchtmark dieses universellen Stoffes um Schuld, Macht und Lust und für die abgründige Schauspielkunst dieses Dreier-Ensembles. Am 23. Februar Applaus für das Rottstr 5 Theater in Bochum.
Bis nach Düsseldorf dringt die Kunde von diesem kleinen Bochumer Theaterwunder mit seiner durchaus konventionellen, aber etwas rougheren Ästhetik, das seine 99 Plätze unter dem abgerockten Brückenbogen regelmäßig an ein popkulturaffines Publikum ausverkauft.
Mit einem Bierchen in der Hand und hohen Erwartungen werde ich Zeuge eines konzentrierten und - man soll es kaum glauben - kurzweiligen Macbeth, der beweist, wie wenig man braucht um einem Klassiker neues Leben einzuhauchen: Vorzügliche Schauspieler, eine sparsame und textbewusste Regie und als Requisiten nur ein Beil, drei Papphütchen und ein Buffet exotischer Früchte. Im Gegensatz zu anderen Klassikerinterpretationen an Off-Bühnen wird der Text weder seines hohen Tons beraubt noch deklamierend abgespult. Stattdessen entsteht eine Spannung zwischen der historischen Sprache und der Abgerissenheit des Bühnenraums. Shakespeare ist in der Rottstr 5 wieder zeitgemäßes Volkstheater: Intelligent, ein wenig derb und von ungezügelter Spielfreude geprägt.
Lady Macbeth (Karin Moog) überragt mit ihrem destruktiv-sexuellen Ausdruck das Ensemble: Wie sie den zwischen Wahnsinn, Ohnmacht und Aktion rasenden Macbeth in seine Macht zwingt, wie sie in das körperliche Ringen zwischen Erotik und Aggression tritt ist herausragend. Bernhard Glose spielt eindrucksvoll und nicht ohne Witz den getriebenen Macbeth und auch der zusammengelegte Bote-Hexe-Geist-Macduff (Jörg Schulze-Neuhoff) füllt mit abgründiger Erhabenheit und etwas undefinierbarem zwischen Grusel und Ekel würdevoll seine Rollen aus.
Unter allem der schwarze Erdengrund, in dem die Stöckel von Macbeth versinken wie die Instrumente des Mordes, der den Schweiß auffängt und nackte Körper beschmutzt. Die Inszenierung ist direkt, und - obwohl kein Spritzer Kunstblut fließt - fruchtfleischblutig und barock. In dieser Konzentration gehen selbst das Zerdrücken von Früchten und eine veritable Essensschlacht als drastische, aber angemessene Illustrationen durch. Das Publikum ist zu Recht begeistert von diesem Regie-Debut von Nina de la Parra.