Interview mit Danilo Brandt
Hallo Danilo Brandt,
erst einmal wollen wir uns ganz herzlich bei Dir bedanken für die Möglichkeit dich zu interviewen!
Stell Dich doch bitte kurz vor! (was man unbedingt über dich wissen sollte)
Ja was kann ich erzählen… Danilo Brandt mein Name, 33 Jahre alt, ehemals Online Redakteur bei „Hand aufs Herz“ und finde es grad witzig, mal selber interviewt zu werden, da ich sonst eher der „Fragensteller“ bin ;-)
Wie einige der „Hand aufs Herz“-Fans vielleicht wissen, warst Du der Online-Redakteur. Dein Büro hattest Du in der Kaserne in Straußberg, in der die Dreharbeiten stattfanden. Warst Du der einzige Online-Redakteur für die Serie oder hast Du in einem Team gearbeitet? Und wie hast Du das knappe Jahr erlebt?
Korrekt, ich hatte mein Büro quasi mitten im Set von „HaH“. Wenn draußen vor meiner Tür Dreharbeiten waren, musste ich extra leise sein. Das Kasernengebäude war also eine multifunktionale Mischung als Drehort und gleichzeitig Bürogebäude für alle Mitarbeiter. Als Onlineredakteur war ich alleine am Set. Gleichzeitig gab es aber noch die Onlineredaktion in München, mit denen ich eng zusammengearbeitet habe. Mein Büro durfte ich vor Ort mit unserer Set-PR-Betreuerin teilen. Das knappe Jahr war insgesamt eine echt tolle Erfahrung gewesen, gerade weil man mitten im Geschehen war.
Was kann man sich unter der Berufsbezeichnung „Online-Redakteur“ überhaupt vorstellen?
Der Beruf eines Onlineredakteurs unterscheidet sich sehr stark, je nachdem wo man arbeitet. Bei „HaH“ war ich quasi das Bindeglied zwischen dem gesamten Seriengeschehen (fiktional aber auch real vor Ort) und den Online-Fans. Ich habe sowohl die Wochenvorschauen erstellt, aber auch Backstage-Berichte vom Set geschrieben, Fotos gemacht, Live-Chats durchgeführt usw. Also sehr vielseitig. In einer Nachrichtenredaktion sieht der Job eines Onlineredakteurs dann wieder ganz anders aus usw.
... und welche Anforderungen (Fertigkeiten und Kenntnisse, u.a. technischen Grundlagen) werden an einen Online-Redakteur gestellt?
Als Onlineredakteur ist es unabdingbar sich mit dem PC, dessen Software und Handhabung auszukennen. Dann eignet man sich entsprechendes Wissen über das jeweilige Content Management System (quasi der „Baukasten“ einer Webseite) an. Was braucht man sonst noch: natürlich sollte man sich selber im Web auskennen, aktuelle Entwicklungen im Bereich Social Media, Web usw. verfolgen. Und natürlich sollte man sich außerdem schriftlich „verständlich“ ausdrücken können, das schadet aber eh nie ;-)
Du warst täglich am Set, hattest Du einen festen Tagesablauf und welche Aufgaben und Tätigkeiten standen an?
Der Tag begann eigentlich in der Regel mit dem Gang zum Kaffeeautomaten ;-) Mit einem leckeren Latte Macchiato gerüstet, stürzte man sich dann in die E-Mail-Flut, schaute was aktuell erledigt werden musste, was noch vorbereitet werden musste usw. Der Tagesablauf richtete sich dann je nachdem was am Set los war. Ein weiterer fester Tagespunkt war dann natürlich die Mittagspause, wo man mit dem Team quatschen und Neuigkeiten austauschen konnte ;-) Richtung Ende der Woche war es dann immer eine feste Aufgabe, die Folgen der kommenden Woche zu sichten, die Highlights auszuwählen und die Vorschauclips zu schneiden, so dass die hungrigen Fans am Freitag nach Ende der letzten Wochenfolge auch online schauen konnten, was in der nächsten Woche bei „HaH“ los ist. Und nebenbei war es natürlich meine tägliche Aufgabe, die Geschehnisse auf der HaH-Facebook-Fanpage zu beobachten und selber zu posten.
Hattest Du viel Kontakt zum Team und den Schauspielern?
Das ergab sich zwangsläufig, dass man mit einem Teil des Teams und der Schauspieler Kontakt hatte. Mit manchen mehr, mit anderen weniger. Das hing auch davon ab, wie z.B. der jeweilige Schauspieler Lust und Laune hatte, für Online extra Sachen zu machen.
Gab es etwas, was dir am meisten Freude bei der Arbeit bereitet hat z.B. Fotos schießen beim Beachvolleyball oder Fantag?
In der Tat waren die Sachen, wo man weg vom Schreibtisch kam, am spannendsten. Fotos machen, den Gastbands im Chulo’s zuhören, selber als Komparse bei Dreharbeiten dabei zu sein usw. Nebenbei hat es aber auch sehr viel Spaß gemacht, über Facebook das direkte Feedback der Fans mitzubekommen. Das ist der Vorteil, eines Onlineredakteurs gegenüber Print- oder TV-Redakteuren: du musst nicht warten bis dein Artikel in der Zeitung erscheint oder im TV – du bekommst sofort Feedback auf deine Arbeit. Das ist absolut motivierend!
Apropo Fantag, wie hast Du den HaH- und AudL-Fantag erlebt?
Der Fantag war für mich, wie für die Schauspieler ein absolutes Highlight der gesamten HaH-Arbeit! Wir waren den ganzen Tag mit der Kamera unterwegs, haben Fotos gemacht, Interviews geführt usw. Am Ende des Tages war man ganz schön erledigt, aber man wusste, dass man Teil einer echt tollen Organisation war!
Der Fantag war ein voller Erfolg, es gab auch immer wieder Meet-and-Greets zu gewinnen, welche Erfahrungen hast du am Set mit den Fans gemacht (auch allgemein mit Fans)?
Ich weiß noch, wie aufgeregt unsere (zumeist jüngeren) Schauspieler waren, als die ersten Fans am Kasernengelände auf sie warteten. Hatten sie doch nach all der Arbeit im Verborgenen endlich die Möglichkeit Feedback zu bekommen und zu schauen, wie sie draußen ankommen. Und so blieb es eigentlich die meiste Zeit: wenn Fans am Set waren, wurden sie immer positiv empfangen. Ich fand es auch sehr spannend unsere Meet & Greet-Gewinner unser Set zu zeigen und rumzuführen und dabei die gespannten Gesichter zu sehen. Es war immer wieder erstaunlich, wie gut sie auch das Set und unsere Drehorte kannten.
Die Meet-and-Greets fanden meist mit Gastdarstellern/-bands etc. statt, welche Erfahrungen hast du sammeln können?
Es war interessant zu sehen, wie zunächst unbekannte Bands oder Künstler wie Tim Bendzko, Frida Gold, Jupiter Jones etc. bei uns aufgetreten sind und danach echt Karriere machten und erfolgreich wurden. Und natürlich war es auch spannend, bereits bekannte Bands wie Culcha Candela oder Schauspieler wie Bürger Lars Dietrich kennenzulernen. Viel Zeit hatte man allerdings kaum, da die jeweiligen Manager schon auf die straffen Zeitabläufe achteten und sie danach meistens weiter mussten.
Viele HaH-Schauspieler fanden den Fantag als prägendes Erlebnis, welcher Moment war während der HaH-Zeit am schönsten für dich?
Dito, da kann ich mich nur anschließen: der Fantag und der Flashmob im Alexa Berlin
... und welches Ereignis hat dir während der HaH-Zeit nicht gefallen?
Der ständige Kampf mit der Berliner S-Bahn. ;-) Wir mussten fast alle nach Strausberg mit der S-Bahn rausfahren. Vor allem im Winter erinnere ich mich an längere Warte-Sessions bei Minusgraden oder Laufsprints, wenn man zu spät aus dem Büro gekommen ist und unbedingt noch die nächste Bahn erwischen wollte. Ich glaube 1:30 Minuten war mein Rekord. :-D
Aufgrund der Quoten wurde HaH überraschend schnell eingestellt, obwohl es zwischendrin hieß, dass eine zweite Staffel in Sicht ist, bist du der Meinung, dass die Quotenmessung revolutioniert werden sollte (Umstellung der Messung)?
Ja, die Betrachtung der Quoten und die zum Ende hin zunehmenden Zweifel, wie lange es noch so weitergehen könnte, haben so ziemlich alle mürbe gemacht. Zumal wir entgegen der TV-Quoten in den Online-Abrufen ziemlich erfolgreich waren. Nun zur Frage: Zum einen muss sich die Quotenmessung zwangsläufig auf die neuen Seh- und Nutzungsgewohnheiten einstellen, sprich die Abrufe über Online, zeitversetztes Fernsehen via Festplattenrekorder etc. muss Einfluss auf die Beurteilung einer Sendung nehmen. Zum anderen muss man allerdings neutral betrachtet sagen: es mag zwar eine mutmaßlich „schlechte“ Methode der Quotenmessung geben, aber es werden im Vergleich alle Sender und Sendungen nach der gleichen „schlechte“ Methode gemessen. Also wenn im Vergleich GZSZ mit dieser Messmethode 20% erreicht und HaH „nur“ 7%, dann kann man schon von einem signifikantem Unterschied sprechen und dann beim Sender nach Gründen suchen.
An einem Freitag hat das Team erfahren, dass am darauffolgenden Montag der letzte Drehtag sei, wie hast Du das ganze erlebt und welche Konsequenzen zog diese Entscheidung nach sich?
In der Tat habe ich per Mail davon erfahren und ich weiß noch wie heute, dass ich auf der Couch gesessen habe, eigentlich vorhatte Abendbrot zu essen, nochmal meine Mails checken wollte und mir dann erstmal der Appetit vergangen ist. Klar hatte man damit rechnen können, aber so endgültig mit der Absetzung konfrontiert zu sein, wirft dann doch Fragen auf, wie es jobtechnisch weitergeht usw. Ich fand es gut, dass man das Wochenende zum „Sacken lassen“ hatte und dann montags quasi zur finalen „Klappe“ gehen konnte. Am Montag ist dann jeder anders mit dem Aus umgegangen: mit Humor, mit offener Trauer oder auch Wut. Aber ich persönlich fand die letzte Szene auf dem Schulhof, wo sich das gesamte Team als Komparsen auf den Schulhof gestellt hatte und beim Schulfest mitspielte sehr emotional. Irgendwie hat man erst da, wo es fast vorbei war, so richtig mitbekommen, von was Besonderem man ein Teil war.
Alle standen von einem auf den anderen Tag ohne regelmäßiges Einkommen dar, inzwischen hast Du einen neue Arbeitsstelle, wo arbeitest Du im Moment und für welche Sendung?
Ich hatte das Glück, dass zwar die Produktion in Strausberg vorbei war, die Serie aber noch im TV fast 2 Monate weiterlief, weswegen natürlich auch die HaH-Webseite von mir weiter betreut und gepflegt werden musste. Ich hatte also ein wenig mehr „Schonfrist“ als die Anderen und konnte mich in der Zeit nach neuen Jobs umschauen. Ich hab dann tatsächlich nahtlos einen neuen Job bei META productions als Online Content Manager gefunden, die die akte-Sendung in Sat.1 produziert.
Wie hat sich dein Aufgabenfeld von HaH zu Akte geändert?
Man kann sagen: die Werkzeuge sind die gleichen geblieben, nur die Inhalte haben sich geändert ;-) Sprich ich mach immer noch meine Online-Aktivitäten, bestücke jetzt allerdings die Webseite einer wöchentlichen Magazinsendung, die natürlich eine ganz andere Zielgruppe mit ganz anderen Inhalten anspricht. Salopp gesagt: anstelle von lustigen Videoclips, wie uns die HaH-Darsteller Tanz-Choreografien beibringen, stelle ich jetzt Experteninterviews zum Thema Internetabzocke, Mietrecht oder Facebook-Mobbing online.
Wie erlebst du die Entwicklung der Fernsehsendungen/-serien?
Ich glaub der unglaubliche Boom von „Berlin – Tag & Nacht“ setzte einen Trend los, weg von kostenintensiveren Telenovela- und Soap-Produktionen, hin zu kostengünstigeren Scripted-Reality-Formaten, die mit Laien-Darstellern besetzt werden. Das sieht man sowohl an den neuem RTL2-„Köln 50667“-Format, als auch bei Sat.1 mit der „Patchwork-Family“. Am Ende sind es mal wieder Kostenfaktoren, die da eine Rolle spielen. Klar, dass etablierte und gutlaufende Serien wie GZSZ etc. weiterlaufen, aber neue Serienstarts dieser Machart werden wir im Privatfernsehen wohl sobald nicht erwarten können. Und wenn das Publikum diese Scripted-Reality-Erzähl- und Produktionsweise akzeptiert und gut findet, warum sollte ich als Sender mehr Geld für weniger Quote ausgeben. Ist leider so :-/ Ich persönlich kann damit allerdings gar nichts anfangen und man fängt manchmal echt an, am „Geschmack des Publikums“ zu zweifeln ;-)
Auch vor deiner Zeit als HaH-Online-Redakteur warst Du schon aktiv, was waren deine bisherigen Stationen deiner beruflichen Laufbahn?
Ich bin von der Uni quasi direkt bei der sat.de-Onlineredaktion eingestiegen. Habe dort die Channels „Comedy & Show“ & „Filme & Serien“ betreut, mich insbesondere um die damaligen Telenovela-Formate „Verliebt in Berlin“ und „Schmetterlinge im Bauch“ gekümmert. Die „Anna & die Liebe“-Webseite aufgebaut. Habe dann ein Multimedia-Volontariat bei Sat1.de angefangen und das zweite Teil des Volos bei N24.de in der Nachrichtenredaktion absolviert. Tja dann kam schon HaH und jetzt akte :-)
Zumindest die letzen beiden Stationen, HaH und Akte gehören zur Branche „Fernsehen“. Wie kam es, dass Du dich nicht für Internet-Agenturen, Radio, Public Relations, Werbung, Magazine und Zeitschriften bzw. Museen, Ämter und kulturelle Einrichtungen entschieden/interessiert hast?
Tja, das ist im Nachhinein schwer zu beantworten. Ich sag mal so: es war keine bewusste Entscheidung für Fernsehen und gegen die anderen Branchen. Es kam eher durch bereits bestehende Kontakte halt in der TV-Branche zu den darauffolgenden Jobs. Wer weiß, wo es mich noch hin verschlägt ;-) Allgemein kann ich mich aber gerade gut für die Mischung aus TV- und Online begeistern.
Um Online-Redakteur werden zu können muss man heutzutage ein Hochschulstudium absolvieren, war das bei Dir auch so?
Ich sag mal so: ein Studium ist denke ich von Vorteil, aber man kann theoretisch auch als Quereinsteiger in diesem Job arbeiten. Ich persönlich hab ein Studium absolviert und habe es nicht bereut.
Findest Du, dass sich der Beruf des Online-Redakteurs gut mit deinem Privatleben vereinbaren lässt?
Joa, ich kann mich momentan nicht beklagen. Klar hängt das auch wiederum viel von der direkten Arbeitsstelle und deren Arbeitszeiten etc. ab. Aber ich finde die Balance aus festen Arbeitszeiten, aber auch einer gewissen zeitlichen Flexibilität nicht verkehrt.
Wenn Du an die vergangenen Jahre zurückdenkst, gab es ein einprägendes Erlebnis (während der Arbeit) von dem Du uns berichten möchtest?
Am prägendsten waren sicherlich meine Anfangsjahre in der sat1.de-Onlineredaktion, mit einem super Team, wo meine Begeisterung für das TV/Online-Metier geweckt wurde. Ein bestimmtes Ereignis kann ich da gar nicht ausmachen.
… und ein bewegendstes Erlebnis?
Da kann ich auf die Beantwortung einer früheren Frage zurückkommen: emotional am bewegendsten war tatsächlich der Dreh der letzten Szene von HaH, der bei brütender Hitze stattfand. Wie sich nahezu das gesamte Team auf den Schulhof versammelte, unsere STAG das Abschiedslied für Jennys Eltern gesungen hat und wie zum Abschied jeder Luftballons in den Strausberger Himmel fliegen ließ. Draußen standen die traurigen Fans, die schon vom Aus mitbekommen hatten und man selber packte danach seine Bürosachen zusammen. Das war schon bitter… Aber wie sagt man so schön: jedes Ende bringt auch die Chance auf Neues. Und so sehe ich jetzt die HaH-Zeit als eine echt spannende und erlebnisreiche Zeit! Ich hoffe, so geht es euch mittlerweile auch :-)
Wir Danken Dir für die vielen offenen und ehrlichen Antworten und freuen uns, dass Berufsfeld und Dich näher kennengelernt haben zu dürfen! Alles Liebe und Gute für die Zukunft! (-:
Ich bedanke mich für das Interesse, freue mich wenn es interessant war und wünsche euch ebenfalls alles Gute für die Zukunft!
Und als Schmankerl setzt Danilo noch einen oben drauf - er hat uns ein HaH-Teamfoto und exklusive Fotos vom letzten Drehtag zur Verfügung gestellt - ein dreifaches D-a-n-k-e!
Fotos: © Danilo Brandt - Die Weiterverbreitung der Fotos ist ohne eine Rücksprache und Einwilligung mit/durch Danilo Brandt nicht erlaubt.