Alleinerziehend und sexy
Only Margo von Rufi Thorpe, 2025 bei Harper Audio, aus dem Englischen von Heike Reissig, gelesen von Chantal Busse. Im Original Margo's Got Money Troubles, 2024 bei William Morrow.
Margo braucht Geld. Seit sie ungewollt […] schwanger wurde, mehr denn je. Wie Margo es auch dreht und wendet, kein Job scheint passend zu sein, oder könnte auch nur ansatzweise ihr Leben mit einem Baby finanzieren. Durch einen Zufall wird sie auf die Plattform OnlyFans aufmerksam, und Margo ist fasziniert von dieser Welt, in der Frauen mit sich und ihrem Körper experimentieren, und offenbar gut dabei verdienen. Also beginnt auch sie, Inhalte zu produzieren. […] Könnte dies die Antwort auf all ihre Probleme sein, oder hat der Internet-Ruhm einen zu hohen Preis?
Only Margo zeigt klar und ehrlich, wie schwer es alleinerziehenden Frauen (in den USA, aber sicher nicht nur) gemacht wird, v. a. wenn sie sehr jung sind: Sie bekommen kaum Unterstützung, niemand nimmt Rücksicht, alle sind genervt und verurteilen sie, aber niemand bietet Hilfe an – nicht der Staat, nicht der Arbeitgeber, nicht die Person im Bus oder die eigenen Mitbewohner*innen. Und das Absurde: Wenn Margo abgetrieben hätte, wäre sie genauso verurteilt worden. Wenn sie arbeiten geht und ihr Baby vernachlässigt, macht sie es falsch und wenn sie sich einen Job sucht, der Geld bringt und gleichzeitig Kinderbetreuung erlaubt, wird sie ebenfalls abgewertet, weil es sich zufällig um Se.xarbeit handelt. Das alte Barbie-Monolog-Thema: frau kann es eh nie richtig machen.
Auch wenn nur der altbekannte Sexismus kritisiert wird, so doch wenigstens in einem sexy neuen Gewand – nämlich ungefiltert und ziemlich witzig. Manchmal wird’s dadurch auch etwas derber (Margo redet von ihren “Titten”, deren Nippel sich durch das Stillen verlängert haben oder davon, dass ihr keine Zeit mehr zum “Kacken” bleibt), aber es ist auch irre lustig, wie Margo die Welt von OnlyFans entdeckt und dort mit Pokémon dick ratings und Alien-Cosplays ihre Kreativität auslebt. Überhaupt fand ich ihre Beobachtungen zu OnlyFans, TikTok und den dazugehörigen Marketingmöglichkeiten und Parallelen zum Profi-Wrestling ziemlich spannend zu lesen. Auch die Personen, von denen Margo letztendlich doch Rückhalt erhält, wie ihr Vater Jinx, ein Ex-Wrestling-Profi, haben deutlich zum amüsanten Ton des Buches beigetragen.
Rufi Thorpe schafft es leicht und lebensfroh über ernste Themen zu schreiben, was eine willkommene Abwechslung und fabelhafte Unterhaltung ist, aber am Ende auch alles zu glatt laufen lässt. Das hätte ich mehr verschmerzen können, wenn wenigstens (Achtung, leichter Spoiler bis zum Ende des Absatzes:) zwischen Margos Mutter, die mich zur Weißglut (zur! Weiß! Glut!) getrieben hat, und ihr eine richtige Konfrontation oder Aussprache stattgefunden hätte. Stattdessen nimmt Margo ihre Mutter einfach so, wie sie ist, was von Größe zeugt, aber unrealistisch für eine 20-Jährige ist und wenig kathartisch für mich als Hörerin.
Apropos Hören: Chantal Busse liest das Hörbuch einfach wunderbar und hat keinen kleinen Anteil daran gehabt, dass ich eine Weiterhörsucht entwickelt habe. Cool fand ich auch den Wechsel zwischen erster und dritter Person (aber beide mit Margo als Fokalisator), der sich auf inhaltlicher Ebene erklärt (Margos Literaturseminar zum Thema Perspektive) und Margo emotionale Distanz zum Erzählten erlaubt.
Ab 15. April startet übrigens die Serienverfilmung des Romans mit Elle Fanning, also noch Zeit, um vorher mal reinzuhören/lesen.










