Tess habe ich im Schaffen Roman Polankis immer ignoriert, ohne überhaupt recht darüber nachzudenken, warum. Aufgrund einer völlig ungerechtfertigten Indifferenz gegenüber Nastassja Kinski möglicherweise, sie taucht in meinem Leben eigentlich ausschließlich als Susie, der Bär im Hotel New Hampshire auf, oder der noch ungerechtfertigteren Annahme, es handle sich um so etwas wie Polanskis Barry Lyndon. Mit dem hat es lang, ruhig, gemächlich und Kostümfilm gemein, aber es ist dann doch wesentlich interessanter. Polanski behauptet, es sei sein einziger romantischer Film, aber soo romantisch ist es dann auch wieder nicht. Tess wächst in einer armen Familie im Thomas-Hardyschen Wessex auf, als Unschuld vom Lande. Bis die Familie erfährt, daß sie dem altehrwürdigen Geschlecht der d’Urbervilles angehört, übermütig wird, und Tess zu einem vorgeblich wohlmeinenden vorgeblichen Verwandten schickt. Der vergewaltigt sie, sie bekommt ein Kind, Unschuld dahin, Ruf dahin, Kind stirbt. Richtig schlimm wird es aber erst, als sie sich ernsthaft in einen richtig netten Mann verliebt. Sharon, der der Film gewidmet ist, hatte sich wohl, so geht die Geschichte, noch kurz vor ihrer Ermordung von ihrem Gatten gewünscht, dieses Buch zu verfilmen, ehrlichkeitshalber drängt sich aber (soviel zur Indifferenz) der Gedanke auf, daß es mit ihr wahrscheinlich nicht so gut geworden wäre.












