Island 2021 - Tag 19 Teil 3
Herrschaften!
Weiter geht es mit unserer Kulturtour durch Reykjavik. Zwischenzeitlich dachten wir, wir hätten uns verlaufen und wären in der falschen Hauptstadt gelandet:
Nochmal kurz umgedreht und uns orientiert:
Nein, stimmt. Alles richtig! Wir sehen isländische Fahnen.
Wir sind auf der Suche nach dem “Pimmelmuseum” .... äh, ich wollte sagen/schreiben: dem Icelandic Phallological Museum oder auch Penis Museum.
Das Ding ist schon mehrfach umgezogen und wir haben jetzt 3 verschiedene Standorte zur Auswahl.
Und dann gibt es die Laugavegur, Reykjavíks Haupteinkaufsstraße, gesäumt von gemütlichen Cafés, Street-Art und adrett dekorierten Souvenirgeschäften voller Touristenkrempel.
Fündig werden wir hinter dem H&M! Da geht es eine Treppe runter: unter den H&M. Wer ahnt denn sowas!
Doch dann stehen wir plötzlich in einem Raum voller Penisse… Wir besuchen heute nämlich das „The Icelandic Phallological Museum“, das weltweit einzigartige Penismuseum.
Aufmerksam geworden auf diese Kuriosität sind wir durch einen TV-Reisebericht von Ina Müller, der norddeutschen Quasselstrippe, Sängerin, Musik-Kabarettistin, Buchautorin, Fernsehmoderatorin und was-weiß-ich-nicht-noch-alles.
Was für den Gründer Sigurður Hjartarson 1974 aus Spaß begann, hat sich bis heute zu einem Museum von internationalem Ruf entwickelt.
Von einem Kollegen bekam der heute 77-jährige pensionierte Lehrer damals das beste Stück eines Wals geschenkt und begann damit eine Sammlung von – genau – Penissen.
Das hat sich erst auf der Insel, später über Ländergrenzen hinweg herumgesprochen. 1980 waren es noch 13, zur Museumseröffnung 1997 schon 62 gespendete Exemplare.
2012 übernahm der Sohn des Gründers, Hjörtur Sigurðsson. Er holte das Museum, das zwischenzeitlich im nordisländischen Husavik beheimatet war, zurück nach Reykjavík und modernisierte es.
Das isländische Phallologische Museum beherbergt heute die weltweit größte Sammlung von Penissen, mehr als 320 Penisse von 115 Säugetierarten.
Das Museum enthält eine sehr spezielle Sammlung von Penissen und Penisteilen und alles andere, das Thema betreffende.
Besucher des Museums werden 56 Exemplare von siebzehn verschiedenen Walarten finden, ein Exemplar von einem abtrünnigen Eisbären, 36 Exemplare von sieben verschiedenen Robben- und Walrossarten und einhundertfünfzehn Exemplare von zwanzig verschiedenen Arten von Landsäugetieren.
Anzumerken ist, dass das Museum auch das Glück hatte, für vier Exemplare des Homo Sapiens rechtlich beglaubigte Geschenkgutscheine zu erhalten. Diese werden nach und nach der Sammlung hinzugefügt.
Gräuliche, getrocknete Geschlechtsteile von Meeressäugern ragen starr und spitz in den Raum hinein, zu Lampenschirmen verarbeitete Stierhoden baumeln von der Decke, und rund herum in den Regalen verteilen sich Exponate in fünfprozentigem Formalin.
Wie etwa der fleischige Penis eines Kleinen Tümmlers, der samt Hoden gerade eben in ein großes Einweckglas passt. Oder das beste Stück einer Giraffe, welches das Dromedar prompt in den Schatten stellt. Doch konkurrenzloser Gigant des Museums ist der Pottwalpenis.
Mit stolzen 75 Kilogramm und 1,70 Meter Länge präsentiert er sich baumstammgleich in einem Riesenzylinder. Der Penisknochen eines Hamsters hingegen ist das kleinste Museumsstück – und nur mit einer Lupe zu erkennen.
Wie es sich für ein wissenschaftliches Museum gehört, ist jedes Exponat genauestens etikettiert und in mehreren Sprachen, inklusive lateinischer Bezeichnung, beschriftet.
Wobei man es bei den ausländischen Tierarten nicht ganz so genau nimmt. Das könnten wir bei den Arten des südlichen Afrikas entschieden besser. Da kennen wir uns nämlich aus!
Daneben gibt es auch Abdrücke menschlicher Exemplare – eine Sammlung ist dem isländischen Handball-Nationalteam gewidmet, als Dank für die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen.
Neben der folkloristischen Abteilung, in der unter anderem das unsichtbare Geschlechtsteil eines Elfen die Besucher amüsiert, ist natürlich auch das des Menschen von besonderem Interesse.
Es gibt einen Souvenir-Shop in dem es allerlei interessantes Penis-Merchandise für die Lieben daheim zu erstehen gibt:
Ob man sich zu Hause wohl über einen Penis-Lolli freut? Wir sind unsicher...
Micha findet, es ist an der Zeit für eine neue Beleuchtung für das Wohnzimmer:
Ich bin dagegen, finde die Lampe zu dunkel und kann mich mehr für die Kerzen”Ständer” (Achtung Wortwitz!) erwärmen:
Ein Wandbarometer vielleicht?
Oder doch eher etwas für den Schreibtisch im Büro?
Für die Eingangstür eine geschmackvolle Blumenampel? Das verschreckt zumindest die Zeugen Jehovas.
Ich könnte mir auch für das nächste Gäste Dinner eine Penis-Nudel-Suppe (mit Einlage) vorstellen:
In den Flur kommen dann diese Garderobenhaken, an denen wir die Jacken der Gäste hängen:
Unsere Phantasie geht mit uns durch! Mit so einem gelungenen Abend wären wir im Dorf über Jahre das Gesprächsthema.
In dem phallischen Themen-Bistro werden exklusive Craft-Biere mit so kreativen Namen wie: Islandic Penis Ale, Moby Dick und Phallic Pilsener, angeboten.
Auch als 3er Tasting erhältlich - und so manch ein Besucher schlendert, sich Mut antrinkend, mit dem Glas in der Hand durch die Ausstellung.
Dazu werden kleinere Gerichte gereicht, die überraschenderweise recht preiswert sind (für isländische Verhältnisse).
Das Bistro (und der Souvenir-Shop) kann übrigens auch ohne den “schlanken” Eintrittspreis von 2.500 Kronen besucht werden. Die werden erst fällig, wenn man durch die Schranke geht.
Auch die Toilette kann kostenlos von “Nicht-Museums-Besuchern” aufgesucht werden - und so kommen gelegentlich Leute nur zu diesem Zweck in die Räumlichkeiten (oder sie geben es vor, weil sie so die Gelegenheit dazu nutzen schnell mal einen Blick zu werfen).
Morgen geht es übrigens zum Whisky-Tasting. Sind wir wohl mit diesem Kilt dazu richtig gekleidet? Ich finde es ja etwas overdressed!
Gute Nacht
Angie, Micha und der Hasenbär













