Südafrika 2021/22 - Tag 18
Seit dem 3. Januar, dem Tag als wir den Kruger Nationalpark verließen, befinden wir uns in Phalaborwa auf dem Hans Merensky Golf Estate.
Da der Golfplatz im Osten direkt an den Kruger National Park grenzt, kann man hier nicht nur Golf spielen, sondern auch viel Wild, bispielsweise verschiedene Antilopen, Giraffen, Elefanten, Büffel, Flußpferde und Krokodile sehen.
Auch Löwen sollen schon auf dem Golfplatz gesichtet worden sein. Nicht immer zur Freude der Golfer und Grundstückseigentümer.
Das Wild kommt vorwiegend am frühen Morgen und am späten Nachmittag zum Trinken an die Wasserlöcher. Golfer sollten sich ausschließlich mit einem Caddie über den Platz bewegen, um unliebsame Begegnungen mit Wildtieren zu umgehen.
Der hügelige Kurs wurde 1967 eröffnet und ist nach dem deutschstämmigen Hans Merensky benannt. Dr. Hans Merensky (1871-1952) war ein deutscher Geologe, Prospektor, Bergbauunternehmer und Mäzen in Südafrika.
Hans Merensky wurde am 16.03.1871 als viertes Kind des Missionars Alexander Merensky und seiner Frau Marie auf der Missonsstation der Berliner Mission, Botshabelo, im Transvaal geboren.
Bereits als Kind interessierte er sich für Mineralien und bewahrte sich das Interesse, als die Familie 1882 nach Deutschland zurückkehrte, wo sie in Berlin lebte.
Im Anschluß an ein bergmännisches Praktikum in Oberschlesien studierte er Geologie in Breslau und später Bergbau in Berlin. Nach dem Ersten Staatsexamen folgte ein dreijähriges Referendariat in der er zahlreiche der damaligen Bergbaureviere Deutschlands besuchte und kennenlernte.
Mit dem Ablegen des Zweiten Staatsexamens stieg er 1903 in den Rang eines Preußischen Bergassesors auf. Das darauf folgende übliche Freistellungsjahr, das der beruflichen Orientierung dienen sollte, nutzte Hans Merensky zu einem Studienaufenthalt in Südafrika, wo er sich 1904 als beratender Geologe in Johannesburg selbständig machte und für private und kommerzielle Auftraggeber tätig wurde.
Hans Merensky setzte seine freiberufliche Tätigkeit erfolgreich fort und war fast ständig in den damaligen Staaten des südlichen Afrika unterwegs um geologische und bergmännische Gutachten abzugeben. Seine Expertisen, die sich stets als richtig erwiesen, waren sehr gefragt.
Im Jahr 1908 prospektierte er in Deutsch-Südwestafrika und stellte Diamantenvorkommen an bislang unbeachteten Stellen der Atlantikküste und südlich des Grenzflusses Oranje in Aussischt. Fachkreise widersprachen seinen Folgerungen und erst nach zwei Jahrzehnten sollten sich seine Prognosen in reichlichem Maß als richtig erweisen.
1926 besuchte er seine Familie in Berlin, wo ihn die Nachricht von Diamantenfunden in Südwestafrika erreichte. Die Fundorte lagen in der Nähe der 1908 von ihm prognostizierten Gebiete und bewogen ihn nach persönlichen Untersuchungen, im Januar 1927 über die eigens gegründete H. M. Association, Schürfrechte im großen Umfang bei Alexanderbay zu sichern.
1928 verkaufte er seinen Anteil an der Gesellschaft für 1,15 Millionen Pfund an seinen Mitgesellschafter Ernest Oppenheimer. Im selben Jahr gründete Hans Merensky die German Estate and Investment Company und erwarb die Farm Westfalia im Nordost-Transvaal.
Hans Merensky, der seit 1930 seine Farm Westfalia als Lebensmittelpunkt auserwählt hatte und dort landwirtschaftliche Projekte verwirklichte, nahm noch lange am gesellschaftlichen und geschäftlichen Leben in Johannesburg teil, war mit zahlreichen namhaften Zeitgenossen befreundet und erfuhr zahlreiche Ehrungen für seine Lebensleistung.
1946 erschloß der inzwischen 75-jährige auf eigene Kosten ein gewaltiges Phosphatvorkommen und verkaufte die Rechte der Ausbeutung an den südafrikanischen Staat. Am 21.10.1952 verstarb Dr. Hans Merensky auf Westfalia. Wie der unverheiratete und kinderlose Unternehmer es gewünscht hatte, wurde seine Asche dort verstreut.
Sein Vermögen hatte er unter die Verwaltung des Hans Merensky Trust gestellt, der 1973 in die Hans Merensky Foundation überging. Der Name und die Bedeutung Hans Merenskys ist, vor allem in Namibia und Südafrika, noch sehr populär. Etliche Straßen, Bauwerke und öffentliche Einrichtungen sind nach ihm benannt, so auch dieses Golf Estate.
Leider ist von diesem einst so noblen Golfplatz und dem darum gegründeten Estate nicht mehr so viel übrig geblieben.
Passiert man das imposante Sicherheitsgate, denkt man noch “Donnerwetter”. Das vergeht dem Besucher aber nach wenigen weiteren hundert Metern.
Das Hans Merensky Hotel und Spa ist der Hauptkomplex auf dem Gelände. Leider ist dieses ein Opfer übler Immobilienspekulanten und diverser Heuschrecken geworden.
Die Wasserspiele und Springbrunnen vor dem Hauptgebäude sind zwar noch aktiv, aber das ist auch das Einzige, das noch funktioniert.
Das daneben liegende Konferenzcenter ist komplett abgebrannt. Man munkelt hinter vorgehaltener Hand von “warmen Abriss”.
Auf dem gesamten Hotelgelände ist niemand mehr. Kein Sicherheitspersonal, keine Mitarbeiter, kein gar nichts.
Die Hotel eigene Fahrzeugflotte, die mit dem Slogan “Golf in the wild” werben, ist nutzlos abgestellt.
Die Zimmer völlig herunter gekommen. Die Chalet teilweise dauervermietet an Arbeiter der diversen Minen von Phalaborwa.
Zu dem Golfclub und dem noblen Estate gehörte natürlich auch ein Reitstall. Das Gelände ist komplett verwahrlost und das Schild, das vor Pferden warnt, ebenso verblichen, wie der Glanz.
Leider hat das auch Auswirkungen auf die Hauseigentümer und Grundstückseigentümer des gesamten Estates.
Man sieht noch, dass die Häuser vor rund 40 Jahren mit viel Liebe zum Detail und allen erdenklichen Extravaganzen die damals erhältlich waren, für viel Geld erbaut wurden.
Davon ist leider nicht mehr viel übrig. Die Häuser befinden sich in den unterschiedlichsten Stadien des Zerfalls.
Ein paar Eigentümer halten sich noch wacker, beispielsweise Daniela & Alberto von der Matimba Lodge. Doch auch sie müssen sich eingestehen, dass die Anwesen im Grunde kaum noch etwas wert sind.
Wir wohnten zunächst 3 Tage im Anwesen Nummer 424. Das einmal ein Traum gewesen sein muss.
3 Schlafzimmer mit eigener Terrasse/Balkon, 3 Bäder, Gästetoilette, 1 Außenbad (Open-air), 1 repräsentative Küche, 1 riesengroßes Wohn/Esszimmer, 1 Arbeitsküche (Wirtschaftsraum) mit angrenzendem Außenbereich.
Die riesengroßen Terrasse mit Kamin und integriertem Gasgrill, überdachtem Esstisch, Pool, Braai und ein eigenes Wasserloch für die Tiere. Vor dem Anwesen eine Doppelgarage und noch 2 Gästeparkplätze.
Wie wir sofort Vermuteten gehört das Haus einem Herrn aus Kapstadt, der inzwischen in die Jahre gekommen ist. Seine Kinder haben kein großes Interesse und verwalten das Eigentum mehr schlecht als recht.
Es wird nur noch das Allernötigste daran gemacht, damit man es noch über diverse Buchungsplattformen zur Vermietung anbieten kann.
Da ist selbst schon ein Pott Farbe eine riesen Investition, die nicht mehr getätigt wird.
Der Master-Bedroom war quasi nicht nutzbar, da die Klimaanlage leckte und auf die Matratze tropfte.
Wir bezogen eines der anderen Schlafzimmer - und zwar das mit der Klimaanlage, die am funktionstüchtigsten war.
Ursprünglich wollten wir hier für 6 Nächte bleiben. Durch das ganze Buchungs-Chaos im Zuge der Falschmeldungen, die Ende November verbreitet wurden, konnten wir am Ende hier nur noch für 3 Tage buchen.
Aus diesem Grund entschieden wir uns für ein zweites Anwesen, der 315. Dieses Haus mieteten wir jetzt ebenfalls für 3 Tage.
Das Gebäude verfügt über 2 Schlafzimmer en-suite unten und einem weiteren Schlafzimmer oben.
Ein großer Wohn/Essraum mit großer Küchenzeile. Der Clou, der Esstisch ist in Wirklichkeit ein getarnter Billardtisch.
Leider ist dieses Anwesen noch sanierungsbedürftiger als das andere Haus. Der Pool sieht aus ....
Da macht man sich keine Vorstellung! Ich habe mir die Klobürste aus der Toilette geschnappt und kurz an einer Ecke etwas geschrubbt. Was kam da eine Dreckwolke durchs Wasser geschwebt!
Aber immerhin ist es mir gelungen ein kleines Stück auf der Stufe freizulegen.
Man könnte es auch als archäologische Ausgrabungen im Pool bezeichnen.
Diesem Eigentümer gehört noch ein weiteres Haus nebenan. Hier wohnt ein Langzeitmieter, ebenfalls ein Mitarbeiter der Foskor Mine.
Daniela und Alberto, von der Matimba Lodge, erzählten uns, dass angeblich die Protea-Marriott-Gruppe ihr Interesse an dem Hotelkomplex bekundet haben soll.
Wir halten das jedoch für einen “weißen Elefanten”. Das hat man den Eigentümern der Häuser auf dem Estate nur erzählt, damit es nicht sofort zu einem “Lost Place” wird.
Schaut man hier in den Immobilienmarkt, dann kann man so ein Anwesen für schmale 100.0000 Euro kaufen. Der Hotel & Spa Komplex ist für eine schlappe Million zu kriegen.
Es ist wirklich eine Schande, die Lage direkt am Kruger Nationalpark ist ein Traum.
Aber wer weiß das schon, ob da die Minenbetreiber eventuell nicht schon ihr Interesse bekundet haben? Die Bodenschätze hören ja nicht am Zaun auf!
Angie, Micha und der Hasenbär