Bah, böse Chemie! Teil III
Ewig Nichts mehr geschrieben und es wird höchste Zeit. Ich wollte eigentlich anfangen Videos zu machen, war da aber sehr unzufrieden mit dem Ergebnis und weil es mich dann so sehr genervt hat, hab ich irgendwie mein kleines Nebenprojekt komplett von mir geschoben. Bis jetzt…
Es ist dringend Zeit für: Bah, böse Chemie! Teil III
Zum nochmal Nachlesen:
Teil I: https://marksanatomy.tumblr.com/post/147550007643/b%C3%A4h-b%C3%B6se-chemie-teil-i
Teil II: https://marksanatomy.tumblr.com/post/147648405538/b%C3%A4h-b%C3%B6se-chemie-teil-ii
Bisher ging es darum: Was ist Chemie, was sind Gifte, was Steckt so im Essen drin? Und, dass eine gute Gesundheit nicht an geringen Mengen an Zusatzstoffen scheitert sondern an der Ernährung im Gesamten und an der groben Zusammensetzung der Nahrungsmittel. Leider oft: Zu viel Fett und Zucker.
Kommen wir jetzt zu Teil III:
Medikamente und Chemie
Ich habe eine Schilddrüsenunterfunktion und muss Hormone nehmen, um das was meine Schilddrüse nicht selber produziert, auszugleichen. Diese werden synthetisch hergestellt. Meinem Körper ist das egal, er reagiert darauf, wie auf selbst hergestelltes Hormon.
Jetzt gibt es aber Leute, die haben dieselbe Erkrankung wie ich, nehmen die Medikamente aber nicht. Wieso ist mir leider häufig ein Rätsel. Aber eine Begründung habe ich nun schon mehrfach gehört: “Das ist Chemie und ich will nicht so viel zu mir nehmen”
Besonders blöd dabei: In diesem Fall ist L-Thyroxin noch nicht mal ein Medikament was irgendwo besonders reinpfuscht. Es ersetzt etwas wovon ich zu wenig habe. Die einzigen Dinge die problematisch sein könnten, wären eine falsche Dosierung und, dass ich eventuell Begleitstoffe (Konservierungsstoffe, Lösungsmittel, Bindemittel) nicht vertrage. Diese sind leider notwendig um Medikamente zum Beispiel in Tablettenform zu produzieren. Aber davon abgesehen, handelt es sich hierbei leider - wie so oft - um Wissenslücken oder Fehlinformationen in unserer Gesellschaft, die die behandelnden Ärzte eigentlich stopfen müssten, aber es aus diversen Gründen zu selten tun.
Selbst ist der Patient und so hört man immer wieder: “Ich nehme da lieber etwas Sanftes…” oder sieht in der Apotheke oder im Fernsehen Werbung für irgendwelche Medikamente, die man einfach so kaufen kann. Meist sind es pflanzliche Extrakte in Pillen- oder Tröpfchenform. Sie versprechen Linderung bei allen möglichen Wehwehchen. Aber, diese Phytotherapeutika sind Medikamente und wirken meistens sogar. Mit allem drum und dran. Sie können eben auch Nebenwirkungen erzeugen oder wechselwirken mit anderen Medikamenten. Ein Klassiker: Johanniskraut, soll “natürlich” Antidepressiv wirken, ist aber auch ein potenter CYP3A4 Enzyminduktor. Das heißt es verstärkt den Abbau von verschiedenen Stoffen in der Leber. Blöd nur, wenn man jetzt die “Pille” oder “Blutverdünner” wie Marcumar nimmt. Diese werden dadurch in ihrer Wirkung verringert, eventuell mit schwerwiegenden, gar lebensverändernden Folgen.
Auch können die vermeintlich sanften Alternativen direkt giftig sein. Fernöstliche Heil-Tees kann man zum Beispiel einfach im Internet bestellen. Wenn man Pech hat, landet man ein paar Tage später mit einem Leberversagen auf der Intensivstation. Es wurden auch schon Phytotherapeutika in Deutschland verboten, da sie nachweislich schädigende Effekte haben und zum Beispiel die Krebsentstehung fördern. Diese kann man aber nicht selten immer noch im Internet über ausländische Websites finden und beziehen. Die “alternative Heilmethoden”-Szene im Web ist groß, die Versprechungen noch größer und leider werden dort sogar Dinge wie Chlorbleiche (Natriumchlorit, ja mit “T” am Ende, perfider Weise auf den einschlägigen Websites “Magical Mineral Supplement” genannt) als wirksame Therapie zum Beispiel gegen Autismus angepriesen.
Aber zurück zu den apothekenpflichtigen Phytotherapeutika. Auch diese Tabletten wachsen nicht einfach so fertig am Baum, man muss die Stoffe aus den Pflanzen extrahieren und dafür braucht man allerlei “Chemie”. Und damit daraus Tabletten werden, genauso Begleitstoffe wie für meine Schilddrüsentabletten.
Die Dosis ist bei Pflanzenextrakten auch ein Problem. Je nach Sorte, Anbaugebiet und Wetter (kennt man ja beim Wein als Jahrgang) und Verarbeitungsmethode ist die Dosierung der wirksamen Stoffe im Endprodukt schwierig.
Ich werde hier mal nicht anfangen, näher auf Homöopathika eingehen. Das machen aber die Kollegen vom Informationsnetzwerk-Homöopathie sehr gut. Schaut mal vorbei: https://www.netzwerk-homoeopathie.eu/
Sehr oft basieren normale Medikamente auf ehemaligen Naturstoffen; Insulin wurde früher aus der Bauchspeicheldrüse von Tieren gewonnen und hatte dadurch unter anderem ungeschickte Eigenschaften um sie als Injektion zu verabreichen (Man muss Insulin spritzen, da es sonst verdaut wird und nicht mehr wirkt). Mit der Zeit fanden sich dann Methoden, um das Hormon chemisch zu verändern um diese Eigenschaften zu verbessern. Mittlerweile lässt man gentechnisch veränderte Bakterien und Zellkulturen Medikamente herstellen. Dadurch ist es auch möglich, super praktisches Insulin zu produzieren, welches sich genauso verhält, wie man es möchte. Dadurch lässt sich ein insulinpflichtiger Diabetes immer besser behandeln. In diesem Fall - wie in sehr vielen - hat die “Unnatürliche”, menschgemachte Variante einen deutlichen Vorteil gegenüber der “Natürlichen”, aus dem Tierreich geernteten Quelle.
Ich frage mich sowieso aus welchem Grund generell etwas “Natürliches” dem vermeintlich “Unnatürlichen”, vom Menschen veränderten, gar verbesserten Dingen überlegen sein soll. Bisher hat mir noch Niemand einen sinnvollen Grund nennen können.
Zum Schluss: Wenn ihr ernsthaft denkt ihr könntet krank sein oder z.B. eine Vergiftung haben, geht zum Arzt und lasst euch richtig Therapieren. Nach bestem Wissen und Gewissen und nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft. Wenn es sich nur um kleine Wehwehchen handelt, helfen oft schon die richtige gesunde Ernährung und mehr Bewegung. Selbst Hausmittelchen sind meist wirksamer als die meisten Werbeversprechen. Lasst euch nicht das Geld von skrupellosen und verblendeten Pillendrehern, Zuckerkügelchenverkäufern und Quacksalbern aus der Tasche ziehen!
Bleibt Gesund und Grüßle,
Mark
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