Die geballte Erfahrung: damals Anführer, heute Leader
Heute wagen wir mal einen etwas anderen Blick zurück. Unter dem Motto: “wer war zu den ersten Tagen des Damen-Skispringens aktiv und ist heute vorn in der Bewegung?” stelle ich euch ein paar Damen vor, die bei den allerersten FIS-Wettbewerben dabei waren und heute schon als Pioniere des Damen-Skispringens gelten (dürfen). Und das schon während der aktiven Laufbahn.
Fangen wir ganz von vorne an. Erste inoffizielle Wettbewerbe der Damen gab es Anfang der 2000er-Jahre. Zu dieser Zeit betrieben rund 300 Sportlerinnen diesen Sport, so in etwa fing das Damen-Biathlon auch an. Ganz klein, familiär und anfangs kaum akzeptiert. Doch dann geriet der Stein ganz langsam ins Rollen: im Rahmen der Junioren-WM 2004 richtete die FIS zum ersten Mal einen offiziellen Wettkampf im Damen-Skispringen aus.
Und dann in der nächsten Saison gab es die erste Wettkampf-Serie der Damen: den Continental-Cup mit 15 Wettbewerben (Sommer und Winter). Siegerin der gesamten Serie - damals wurde noch nicht getrennt zwischen Sommer und Winter - wurde Anette Sagen. Jene Anette Sagen, die ich euch im Blog schon einmal vorgestellt habe. Auf Rang 2 landete letztendlich Lindsey Van, die allererste Weltmeisterin in dieser Disziplin (2009 in Liberec). Und Dritte wurde eine gewisse Daniela Iraschko, heute als Iraschko-Stolz bekannt. Man sieht schon an diesen Namen, dass wir es mit einer sehr jungen Sportart zu tun haben. Man braucht sich nur das Alter der Damen ansehen: Sagen 29, Van 29, Iraschko 31.
Und es geht noch weiter: auf dem vierten Gesamt-Rang landete eine gewisse Line Jahr. Sie ist ebenso immer noch in der Weltspitze wie die Fünfte im Bunde, die 27-Jährige Jessica Jerome. Dasselbe gilt (auch das Alter!) für eine Dame namens Ulrike Gräßler. Erst auf dem siebten Platz taucht der erste Name auf, der heute niemandem mehr so wirklich geläufig ist: Monika Pogladič. Sie beendete ihre Karriere nach dem Heimspringen 2007 in Ljubno. Sie konnte aber immerhin einen COC gewinnen und stand bei ihrem Debüt sofort als Dritte auf dem Podium. Mit 27 ist sie immer noch im besten Leistungssportler-Alter, hätte aber heute vermutlich Mühe mitzuhalten.
Sie ist aber die Ausnahme in den Top 10, denn: Maja Vtič, Alissa Johnson und Juliane Seyfarth sind heute immer noch Teil der Weltspitze und haben noch nicht das “Alter” von Sagen, Gräßler und Co. Und die Liste ist noch nicht zu Ende, auch wenn es in den folgenden 10 Plätzen weniger heute noch Aktive sind: Jacqueline Seifriedsberger (11.), Lisa Demetz (13.), mit Abstrichen auch noch Petra Benedik (14.) und Elena Runggaldier (19.) gehören auch zur Clique der Pionierinnen.
Je weiter man die Liste ausklappt, desto weniger sind einem die Namen geläufig, gerade wenn man die Sportart (neu) für sich entdeckt. Ayumi Watase ist der nächste bekannte Name. Sie wurde 24. in der ersten COC-Saison. Somit sind es 14 von den damaligen Top 30, die heute immer noch etwas in der Weltspitze zu melden haben - eine beachtliche Quote. Es folgen dahinter noch: Anja Tepeš (31.), Eva Logar (32.), Atsuko Tanaka und Seiko Koasa auf 33, Helena Olsson (damals noch für Schweden und nicht Olsson Smeby, aber das zählt) auf 35, Abby Hughes (36.), Anna Häfele (38., u.a. gemeinsam mit Melanie Faißt), Roberta D’Agostina (43.), Katja Požun auf 47 und Vladěna Pustková auf 52 in der Liste der 54 Damen mit Punkten in der gesamten COC-Saison.
Als Ergebnis kommt heraus: 23 von 54, also eine Quote von 42,5 Prozent. Und jetzt die Frage: hättet ihr das gedacht? Ich muss ehrlich sagen, dass ich überrascht bin. Aber es ist natürlich auch etwas tolles, Anführerinnen der Bewegung zu sehen und auch zu kennen. Damen, die jahrelang für ihren Sport gekämpft haben und jetzt die Lorbeeren dieser mühseligen Arbeit ernten dürfen. Klar kriegen die jungen Weltklasse-Athletinnen auch ein Stück von dem Kuchen ab, sie sind schließlich durch diese Pionierinnen zu diesem Sport gekommen. Aber hätte es Iraschko, Sagen, Van und Co. nicht gegeben, wäre das Damen-Skispringen niemals dahin gekommen, wo es jetzt ist.