Back on Track! - Althaus gewinnt erste Qualifikation
Zunächst einmal eine Bemerkung in eigener Sache: da bin ich also wieder - nach 522 Tagen Blog-Pause... Es war und ist immer noch viel los bei mir. Zu viel, als dass ich in der Zwischenzeit bloggen konnte beziehungsweise wollte. An sich hat sich auch nicht viel verändert bei mir. Doch die derzeitige Situation im Damen-Skispringen motiviert mich einfah wieder loszulegen. Der Sport ist besser denn je, die Medienberichterstattung, insbesondere im TV, droht wieder sehr stiefmütterlich auszufallen, und deshalb möchte zumindest ich wieder regelmäßig “senden”. Weil ich Bock drauf habe und die Mädels es sich verdienen, Punkt!
Heute stand in Lillehammer, auf einer der coolsten Normalschanzen dieser Erde, die erste Qualifikation an. Wie die fünf Saisons zuvor beginnt der Weltcup also im Olympia-Ort von 1994. Und er begann heute schon überaus erwähnenswert: nicht nur, dass wir erstmals zwei Einzelspringen verfolgen (können), sondern die Damen machen auch erstmals alleine im wunderschönen Norwegen Station. Grund ist die neu geschaffene RAW AIR-Tournee der Herren, die sie erst im März nach Lillehammmer lotst. Zwar finden am nächsten Wochenende hier ebenfalls zwei zusätzliche Weltcups statt, jedoch kamen die durch die aus monetären Gründen gekommene Absage Nizhniy Tagils so kurzfristig ins Programm, dass der Kalender nicht mehr ummodelliert werden konnte.
Zum Geschehen auf der Schanze:
64 Starterinnen aus 17 Nationen und damit einer Nation mehr als noch beim Weltcup-Auftakt der Herren am vergangenen Wochenende in Ruka (Finnland) fanden sich im Olympiastadion ein - so viele wie sonst nur bei Springen in Deutschland. Bis heute sind die 72 in Hinterzarten kurz vor Weihnachten 2013 Rekord. Übrig blieben nicht etwa wie geplant und vorgesehen 40, sondern sogar 41 Springerinnen, denn mit den beiden Österreicherinnen Eva Pinkelnig und Elisabeth Raudaschl und der Südtirolerin Lara Malsiner erzielten gleich drei Springerinnen 76,5 Punkte und erreichten somit den 29. Platz.
Erst mit der letzten Springerin wurde diese Qualifikation entschieden: verhältnismäßig lange führte die Russin Anastassiya Barannikova mit ihren 91,5 Metern. Und als man schon glaubte, die Russin würde, wie schon in Chaikovskiy beim Sommer Grand-Prix-Finale erneut die Quali-Königin werden, schlugen ihr erst Elena Runggaldier und dann Katharina Althaus ein Schnippchen. Die Oberstdorferin lag am Schluss drei Punkte vor der Grödnerin. Ohnehin war es eine geschlossen starke Mannschaftsleistung der sechs DSV-Athletinnen. Allesamt waren sie nicht vorqualifiziert, jedoch kamen allesamt unter die Top 20. Dabei feierte Ramona Straub mit Platz zwölf eine gelungene Rückkehr nach verletzungsbedingter Pause in das Weltcup-Team.
Tag der Comebacks und der Neulinge
Ohnehin gaben sich die Rückkehrerinnen auf dem Lysgårdbakken sich die Klinke in die Hand. Als Erste dieser Gruppe meldete sich Sarah Hendrickson zurück. Über ein Jahr hatte auch sie ausgesetzt und sprang gleich mal unter die Top 10 im ersten Trainingsdurchgang. Den zweiten ließ sie zwecks Kräfteersparnis und qua gutem Gefühl aus. Die Quali wiederum bereitete ihr mit Platz 14 keinerlei Probleme. Sie hat dem Damen-Skispringen gefehlt und das Damen-Skispringen ihr und es ist einfach nur wunderbar die 22-Jährige wieder im Circuit zu sehen. Und kommt sie wieder in die Form, die sie auszeichnet, ist sie auch wieder eine Anwärterin für Podestplätze, Medaillen und Siege. Doch: Geduld mit die jungen Pferde - es gibt ein Knie, auf das aufgepasst werden muss. Der erste Eindruck machte Mut und ein Platz in den Top 10 wäre ein schöner und teilweise überraschender Auftakt.
Vor geraumer Zeit hatte ich an dieser Stelle mal die mittlerweile wieder zurückgetretene Helena Olsson Smeby vorgestellt, eine Mutter. Nun haben wir wieder eine solche im Zirkus: Roberta d’Agostina aus Tarvisio (Italien). Mit Baujahr 1991 (also sie) sicherlich im besten Alter (also sportlich gesehen...) gab sie schon beim FIS-Cup-Finale Mitte März in Harrachov, Tschechei, ihr Comeback und meldete sich jetzt auch wieder auf höhestem Niveau an. Als 38. schied sie heute jedoch aus. Prognose für morgen: ein Platz an der Sonne - aber als Passiv-Sportlerin.
Die Nächste im Bunde war Anniken Mork aus Norwegen. Erst ein Bänderiss und dann ein Knöchelbruch beendeten zunächst ihre letzte Winter- und dann die Sommersaison. Doch auch Mork ist hart im Nehmen und nutzte auch ihren Heimvorteil zu einem 19. Rang und darf durchaus Hoffnungen hegen, morgen beim Auftaktspringen in die Punkte zu kommen - sei es drum, ob nun eine Konkurrentin mehr als gewohnt mitmachen darf. Comeback Nummer drei war das der Ema Klinec. Die letztjährige Neunte im Gesamtweltcup war im Sommer abgetaucht und steig erst wieder zum Schluss bei den Meisterschaften ihres Landes Slowenien ein. 80 Meter in der Quali, die für sie, dank ihres Status, keine war, waren nicht berauschend, aber auch nicht schlecht. Zumal der zweite Trainingssprung mit 87 Metern ganz ordentlich lief; Tendenz Top 15-20 für morgen.
Daniela Iraschko-Stolz, nach Pause im Sommer wegen einer Armverletzung groovte sich auf ihre Art und Weise wieder ein: den ersten Trainingssprung ließ sie, nicht ganz untypisch für sie, aus. Im zweiten Sprung wurden es dann aus dem Stand 85 Meter und in der Quali-Nicht-Quali waren es sogar 89,5 Meter. Hält sie dieses Level morgen, kann für sie ein Podest herausspringen.
Und dann waren da noch eine ganze Reihe neuer Gesichter. Marta Křepelková, zum Beispiel. Deren Nachnamen spricht man “Kschepelkowa” aus - nicht einfach für sprachlich unbewanderte Menschen. Doch es bleibt genug Zeit ihn zu lernen, sie überstand die Quali erwartungsgemäß nicht. Schon zwei Springerinnen nach ihr kam dann eine junge, vöölig unbekümmerte Französin daher: Lucile Morat, die schon im Sommer unglaublich viel Spaß hatte und gemacht hat. 84,5 Meter zimmerte sie zusammen und wurde Achte. Damit half sie ihrem Team zu etwas Historischem: vier Französinnen waren noch nie für ein und denselben Weltcup qualifiziert. Wird sie nicht durch ein Wunder nervös, holt sie morgen auf Anhieb Weltcuppunkte und das nicht zu knapp.
Und dann wäre da noch eine ganze Nation, die “god dag!” gesagt hat: Südkorea. Die einen mögen sagen “wird aber auch sagen, in 15 Monaten ist Olympia dort”, die Anderen, die Realisten sagen: “schön, alles Gute!” Guy-Lim Park heißt die erste südkoreanische Skispringerin und ist 17 Jahre jung. Und ambitioniert und fleißig noch obendrein. Sie trainiert vornehmlich in Planica, im schönen Slowenien und ist sich nicht zu schade, auch zu ungewöhnlichen Uhrzeiten die Beine in die Hände zu nehmen und eine Runde Joggen zu gehen. Das imponierte auch Sarah Hendrickson, die sich gleich mal zur Koreanerin gesellte. Das gemeinsame Selfie lasse ich an diesem wunderschönen Tag als Closer stehen, ohne dabei nicht zu vergessen zu erwähnen, dass auch Park morgen zuschauen muss - sie wurde 49.
Zu finden auf Sarah Hendricksons Facebook-Seite :)
Ergebnis Quali: http://medias1.fis-ski.com/pdf/2017/JP/3961/2017JP3961RLQ.pdf
Startliste: http://medias1.fis-ski.com/pdf/2017/JP/3807/2017JP3807SLR1.pdf