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Pictures from a visit to the Pompejanum this year.
It's a replica of a roman villa from Pompeii, commissioned by King Ludwig I. from Bavaria.
It's far from historically accurate, but it's still beautiful.
Was ist ein tablinum?
1.
Das Tablinum ist eine Stelle/ Passage in einer römischen Villa oder einem Domus. Villa und Domus sind Bauten und Bilddinge, von denen noch Begriffe wie das Eigentum und die Ökonomie, aber auch noch Begriffe wie Person, Ding und Handlung zehren.
Im tablinum werden die Angelegenheiten 'gehändelt', dort wird erledigt, was man im gesellschaftlichen Verkehr erledigen muss. Man würde heute wohl vom Büro oder vom Home-Office sprechen. Alle wollen weniger Zettel, alle wollen weniger Bürokratie. Die ganze Welt? Nein! In der Polysophienstraße sitzt ein galliger Renitenter, der kann gar nicht genug davon bekommen, vielleicht liegt's daran, dass ihm das tablinum so am Herzen liegt.
Das tablinum ist der Ort der Tafeln: das sind Tische, Regale und Bilder, die hilfreich sein sollen, um tun zu können, was man tun muss. Dort finden sich die Unterlagen, die man braucht. Das tablinum ist ein kleines tabularium und ein tabularium ist ein großes tablinum. Beide sind auch das, was man heute ein Archiv nennt. Soweit man davon ausgeht, dass in juridischen Kulturtechniken die Referenz Rom eine Rolle spielt, weiter davon ausgeht, dass in juridischen Kulturtechniken die Antike nachlebt, dann würde ich auch annehmen, dass dort, wo Tische und Tafeln oder Archen (Prinzipien, Gründe, Tore, Bögen oder Schiffe) sind, auch das tablinum und das tabularium nachlebt. Die Gegegenwart geht in sich nicht auf, wir lesen sie und sie lässt sich lesen. Wir sehen sie und sie blickt uns an: Wir fassen sie durch ein Distanzschaffen, dessen Wahrnehmung mit Entfernung einhergeht. Die Welt ist nicht erst auf dem Papier symbolisch und nicht erst in gespielter Rolle imaginär. Man sitzt im Home-Office, erledigt was, bewirbt sich irgendwo, hängt seinen Lebenslauf mit den Zeugnissen an, beantwortet Geschäftspost: man ist vom tablinum begeistert. Man stellt sich manchmal die Tätigkeit als ein Tafeln vor, man würde dort verzehren und verschlingen. Verschlungen kann man dort sein. Die Vorstellung wäre selbst eine Passage, man würde wohl vorsorglich sagen, sie sei nur ein Bild.
2.
Man sagt, das tablinum sei dem pater familias vorbehalten, hier würde er seine Klienten empfangen. Dann ist der Ort ein Ort des Patrons/ das Patriarchen. Man wird in einer der Renaissancen von Patronatsrechten sprechen, wird dann damit meinen, das bestimmte Familien das Recht erwerben können, in den Messehallen (den Basiliken oder Kirchen) einen reservierten Ort gestalten zu dürfen. So kommt es unter anderem dazu, dass es mitten in St. Maria Novella, einem an sich öffentlichen Raum, eine Kapelle gibt, die den Namen von Wechslern, Geldgebern oder Bankiers trägt, nämlich den Tornabuonis. Das Patronatsrecht, das im Florenz der 15. Jahrunderts eine wichtige Rolle spielt, ist auch ein Bildrecht. Es existiert dank und durch Vertragspraxis, Architektur und bildgebende Verfahren. Das Patronatsrecht ist ein später und 'versierter' Effekt des tablinum.
Was man in Aschaffenburg sieht ist antike Architektur, rekonstruiert mit dem archäologischen Trieb des 19. Jahrhunderts. Das tablinum ist ein Ort des ius imaginum, dort lassen sich an einer Wand zum Beispiel, die Totenmasken der Ahnen anbringen, mit Girlanden verbinden, um einen Stammbaum, die Genealogie der Familie vorzeigen zu können. Es ist umstritten, inwieweit diese Möglichkeit Recht war und inwieweit das ein Norm war, die unterhalb der Schwelle des Rechts, sozusagen normativ, aber nicht normativ genug war. In der Moderne lautet ein Einwand, das sei eine bloß private Regel gewesen und man finde in den Quellen kein entsprechendes Gesetz. Das ist ein Phantasiekorridor der Moderne: dass etwas, um Recht zu sein, auch ein Gesetz sein und in schriftlichen Quellen stehen muss. Rom ist die Referenz für ein Recht, das mit der Stadt koextensiv ist. Da ist schon ein Stein eine Norm. Das Recht steht in der Stadt, es steht mit der Stadt und bewegt sich mit allem, was sich durch die Stadt bewegt.
3.
Im Aschaffenburger Modell einer römischen Villa, dem Pompejanium, ist das tablinum eine Passage und ein Durchgang, ein kurzer Korridor und ein Zugang. Es gleicht von der Raumsituation her ein wenig den den Stanzen, aus denen Aby Warburg das Bild der Messe von Bolsena für die Staatstafeln nimmt. Die Stanzen sind nämlich auch Passagen. Sie sind die Räume, die auf Räume folgen und denen Räume folgen. Gebaut sind sie das, was im Medium der Schrift machmal Referenzstruktur oder Kette genannt wird. Kafka erwähnt so etwas unter anderem in Der Prozess, dort besonders in der Parabel Vor dem Gesetz, wenn der Türhüter davon spricht, dass sich hinter der Tür weitere Türe befinden. Das tablinum nimmt in der Villa oder dem Domus also keine Ecke ein. es ist keine Sackgasse, kein endender Raum, das ist kein Salon, kein Ort, an dem man ankommt oder am Ziel ist. Ist man endlich da, dann geht es dahinter noch weiter, links etwa zur Küche und zu den Latrinen, rechts zu den eher dionysischen Orten in der Villa (oder den Räumen für's Symposium) und weiter die Treppen hoch zu jenen, die einem gerne traumhaft und immer wiederkehrend in Treppenszenen erscheinen. Das tablinum kann Türen oder Vorhänge haben, manchmal sind es Falttüren, die den Raum beschirmen, manchmal sind es hölzerne Raster und Schleier, die ihn beschirmen,
Die Aschaffenburger Villa stuft die Diskretionen und die Intimitäten modellhaft, sowohl nachbildend als auch vorbildlich, ab. Man kommt von Bereichen, die wirklich sehr, sehr offiziell erscheinen, in Bereiche, die sehr, sehr intim erscheinen. Das tablinum ist dort in der Mitte angesiedelt, nicht zu öffentlich und nicht zu abgesondert.
Heute steht dort eine Art Gnomon, sein selbstschreibender Apparat, der zeichnet Wellenlinien auf. Was sonst?
4.
Zwischen dem Atrium und dem Peristyl befindet sich das tablinum, so dem Aschaffenburger Modell nach, das sich wiederum archäologisch an einer Ausgrabung in Pompeji bezieht. Das Peristyl ist in der Villa der peripatetische Ort schlechthin und zugleich der Ort, an dem ein Stil entsteht, indem man geht. Das ist der Denkstil, dem Regen auch Recht ist.
a week ago we visited #aschaffenburg, which is situated in the region of #lowerfranconia, upper #bavaria. it's just a 45 minute drive from wiesbaden, and let's just say, it's a shame i haven't visited this city earlier. johannisburg castle with its adjacent park overlooks the main river dramatically, and the old city core of the city is very charming as well! we visited during a very stormy day, but that didn't stop us from enjoying this gorgeous city! it's probably even more breathtaking during warmer seasons! i did enjoy finding many sculptures of local sculptor helmut massenkeil, raw and whimsy in their execution! that might even warrant an extra post at some point. #pompejanum #stiftsbasilikastpeterundalexander #christianschadmuseum #stagathakirche #helmutmassenkeil #schöntalpark (hier: Aschaffenburg, Germany) https://www.instagram.com/p/CpIikUPNkwh/?igshid=NGJjMDIxMWI=
Pompejanum, Aschaffenburg - “Sehnsucht nach Arkadien”
Pompejanum by Tjoellewar
Pompejanum (Aschaffenburg), villa built by King Ludwig I of Bavaria, inspired by a roman villa found in Pompeii.