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Winter Wonderland
“Du wolltest doch Schnee.” - “Aber doch nicht im Kragen!”
- Ein Reisebericht von unserem Winterurlaub in Porjus (Jokkmokk, Schweden)
Wer einen Husky zu Hause hat, überdenkt früher oder später fast automatisch seine Einstellung zum Thema Schnee und Kälte. Man freut sich mit seinem Hund, wenn die ersten Schneeflocken über den Himmel tanzen und würde sich am liebsten dazu gesellen, wenn er sich selig im Schnee wälzt. Leider (ja! Leider! Ich hätte früher auch nie gedacht, dass mal zu schreiben) ein in Berlin selten gewordener Anblick. Deswegen willigte ich sofort ein, als mein Freund vorschlug, unserem Place-to-be (Lappland) dieses Jahr einen Besuch im Winter abzustatten.
Es zog uns also Ende Februar, Anfang März für zwei Wochen nach Porjus, eine Ortschaft in der schwedischen Gemeinde Jokkmokk, die oberhalb des Polarkreises liegt. Da wir Nuuk für die kurze Zeit keinen Flug zumuten wollten begann unser Urlaub erst einmal mit einer kleinen Odyssee, denn mit Bussen, Fähre und Zügen von Berlin bis dort zu kommen, dauerte geschlagene 2,5 Tage. Wobei wir unsere Route natürlich so Hundetauglich wie möglich geplant haben und zwischen den einzelnen Etappen (Berlin Rostock, Rostock Trelleborg, Trelleborg Malmö, Malmö Stockholm, Stockholm Gällivare, Gällivare Porjus) immer wieder ein paar Stunden Aufenthalt hatten. Ein bisschen Sorge bereitete uns die lange Fahrt im Nachtzug von Stockholm hoch in den Norden, da die gesamte Fahrzeit immerhin 16 Stunden dauern sollte (im Nachhinein dank kaputten Oberleitungen plus 3 Stunden). Zum Glück gab es an einigen Zwischenstationen immer mal wieder einen etwas längeren Halt, an denen alle Hundehalter sich ihre Tiere schnappten und wie die Irren auf dem Bahnhof auf und ab rannten – immer mit einem Auge auf den Schaffner. Hat aber alles super geklappt und ich muss wirklich sagen, dass es so viel entspannter in schwedischen Zügen vor sich geht als in den deutschen. Da wir mit Hund kein Abteil buchen konnten, schliefen wir im Großraumabteil – hieß, Hund lag irgendwann nachts auch quer im Gang, was aber wirklich niemanden störte – man machte halt einfach einen großen Schritt über Nuuk. Kann man sicherlich nicht mit jedem Hund machen – unser erwies sich jedenfalls als totaler, gechillter Zugprofi (und damit meine ich nicht, dass er ein Profi im Ziehen ist. Das wäre eine glatte Lüge ;) )
Da dies mein erster Urlaub in der arktischen Kälte war hatten wir beschlossen, diesmal aufs Zelt zu verzichten und uns stattdessen in den „Porjus Northern Lights Apartments“ einquartiert. Die Apartments kann ich aus vollem Herzen weiterempfehlen, Patricia Cowern ist eine wirklich engagierte und warmherzige Frau, die für alle Fragen ein offenes Ohr hat. Die Unterkunft selbst war für unsere Zwecke vollkommen ausreichend. Der Blick durch die großen Fenster auf den zugefrorenen See konnte einem schnell das Gefühl vermitteln, sich irgendwo am Nordpol zu befinden. Das wir das natürlich nicht taten, merkten wir spätestens am Wetter - denn leider war es für diese Jahreszeit hier mit -5/-1 Grad viel zu warm. Und bewölkt. Womit wir eigentlich gut leben könnten (Schneefall ist nämlich noch immer deutlich angenehmer als ein Regenguss), wenn es uns nicht jegliche Hoffnungen geraubt hätte, vielleicht doch noch das ein oder andere Polarlicht sehen zu können.
Mit Schneeschuhen, Wanderstöcken und Rucksack bewaffnet machten wir uns auf in den Schnee. Da es sich leider im Vorfeld als unmöglich erwiesen hatte eine ordentliche Wanderkarte für diese Region zu bekommen waren wir auf eine Übersichtskarte mit größerem Maßstab angewiesen. Die Tagestouren, die wir unternahmen waren sehr schön, auch wenn wir uns erst einmal an die ungewohnte Anstrengung, auf Schneeschuhe durch oder besser über (meistens) teils meterhohen Schnee zu kämpfen gewöhnen mussten. Und nicht nur wir - Nuuk sank beim "Beinheben" (By the way: Ganz Porjus ist jetzt Nuuk-Gebiet) regelmäßig ein und strafte uns arme, unschuldige Menschlein mit vorwurfsvollen Blicken. Aber bis auf diese kleinen Fauxpas' war unser Hund ganz in seinem Element und fiel zurück in unser Unterkunft fast augenblicklich in einen komatösen Schlaf. Wir allerdings auch.
Die Landschaft um Porjus ist durchaus sehenswert, auch wenn es im näheren Umkreis fast unmöglich ist, ein Panoramabild zu machen ohne Oberleitungen auf dem Foto zu sehen. Dafür haben wir unterwegs erstaunlich wenige Schneescooter getroffen - gut so, irgendwie stören die ja doch das Landschaftsbild. Andererseits waren wir auch dankbar für die Fahrbahnmarkierungen und geplätteten Wege, die uns das Vorankommen deutlich erleichterten. Nebenbei sei erwähnt, dass es in Porjus sogar einen "richtigen" Wanderweg gibt - den Rallarstigen, doch ab einem gewissen Punkt kamen wir nicht weiter - die Markierungen waren wohl unter dem Schnee begraben - und eine eingezäunte Rentierherde im Weg. Machte aber nichts, dank den eigenen Spuren im Schnee konnte man ganz gut improvisieren. Porjus selbst ist eine typisch nordschwedische Ortschaft – falls ihr dort einmal vorbeikommen solltet – unbedingt in Thunborg’s Viltaffär vorbeischauen, ein kleiner Geheimtipp für original schwedische und samische Erinnerungsstücke. Der wird übrigens von einer Deutschen und ihrem Sohn betrieben, wenn ihr ihn trefft – schöne Grüße!
Es war ohnehin überraschend, wieviele Deutsche wir auf dieser Tour kennenlernen durften. Die liebe Johanna, eine Medizinstudentin aus Rostock, die für ein paar Wochen auf einem norwegischen Bauernhof ausgeholfen hat, einen schwedischen Busfahrer, der uns in perfektem Deutsch sprechend gleich mehrfach über den Weg gelaufen ist (man wird als Tourist mit großem Hund schnell zum Gespräch) und uns erzählte, dass er einst in Heidelberg Germanistik studiert hatte und dem sympathischen Rainer, mit dem wir eine Weile über das Leben und Arbeiten in Schweden gesprochen haben. An dieser Stelle ganz liebe Grüße, wenn ihr das lesen solltet ;-)
So schön die Wanderungen im Schnee auch waren, so sehr muss ich mich wohl doch noch an die Pausen gewöhnen. Oder besser gesagt, die Pausenlogistik noch etwas optimieren. Einfach stehen bleiben und hinsetzen ist nämlich nicht - zuerst muss entweder der Schnee platt getrampelt oder zur Seite geschaufelt werden, damit das geplante Lagerfeuer zum Wärmen und Teekochen später nicht komplett im Schnee versinkt (So wie man selbst, wenn man auf die verrückte Idee kommt, die Schneeschuhe ausziehen zu wollen). Aber auch mit Feuer bekommt man mit der Zeit und der fehlenden Bewegung zwangsläufig kalte Füße. Und nasse Handschuhe, allerdings waren wir da so vorausschauend und hatten Ersatz dabei. Nuuk und ich waren uns jedenfalls einig - lieber laufen, laufen, laufen. Versinken. Und weiter laufen. In der letzten Nacht vor unserer Abfahrt meinte es dann auch endlich das Wetter gut mit uns. Polarlichter! Nur sehr schwach, aber da ich dieses mystische Phänomen bisher noch nie live gesehen hatte, reichte es locker aus um mich zu beeindrucken. Happy, zufrieden, aber auch ein bisschen traurig traten wir am nächsten Tag den Rückweg an. Den laaaangen Rückweg mit Bus, Nachtzug, Zug, Bus, Fähre und Zug.
Das Fazit: Schnee ist super, hätte kälter sein können (Bis -15 Grad. Darunter streikt der Hund wie er uns an dem einzigen, kalten Morgen bewiesen hatte), es gab Polarlichter, nette neue Bekanntschaften – aber zum Wandern ist Porjus vielleicht doch nicht gerade der beste Ausgangsort.