Kräftig schütteln und aus der Flaschen trinken - klingt zunächst so gar nicht nach Wein. Ist es aber - 100 Prozent fränkischer Wein, feinfruchtig, spritzig, naturtrüb und vegan. Versprechen die Macher. Mit ihrem Big Bang Wine werden die vier Freunde aus Franken vielleicht nicht die gesamte Weinwelt revolutionieren. Wollen sie auch gar nicht. Aber die drei Winzer Julia Dürr und Lukas Schmidt aus Bullenheim, Markus Meier aus Ulsenheim sowie Sommelier Sayed Barsim aus Burgoberbach beweisen zumindest, dass Wein auch wirklich unkompliziert geht. Und selbst auf der weltgrößten Weinfachmesse ProWein haben sie mit ihren Rettungskapseln, wie sie die kleinen robusten Destillatflaschen nennen, für Aufmerksamkeit gesorgt - 13,8 Milliarden Jahre nach dem Urknall.
Inszenierung gehört zum Handwerk: Und die Big Bang - Macher haben alle Register gezogen.
Die vier Weinfachleute würden nie behaupten, sie hätten entdeckt, dass Trauben nach dem Zerquetschen zu gären beginnen und einen ziemlich lustigen (Reben-)Saft ergeben. Allerdings haben sie beobachtet, dass sich herkömmlicher Wein eigentlich nur recht aufwendig im passenden Ambiente genießen lässt. Big Bang ist richtiger Wein, lässt sich aber völlig easy im Stadtbad oder auf einer Party konsumieren. Lukas Schmidt meint, in angesagten Clubs bleiben Weinfreunde bisher auf der Strecke: Bier gibt es, künstlich aromatisierte Cocktails und - wenn überhaupt - namenlose Billigweine aus dem Großhandel. Das wollte er mit seinen Freunden ändern.
Entstanden ist Big Bang aus einem Projekt von 20 Meister-und Technikerschülern für Weinbau und Oenologie an der Bayerischen Landesanstalt für Wein-und Gartenbau in Veitshöchheim. Nun führen die vier Freunde das einstige Experiment weiter. In die kleinen Flaschen kommen nur Weine aus ihren etablierten Weingütern. Allerdings werden die Weine von Anfang an speziell für Big Bang ausgebaut, betont Lukas Schmidt. Mit 10,5 vol% Alkohol ist der Wein bewusst leicht gehalten. Natürlich verdienen die Winzer und der Sommelier ihr Geld weiterhin mit ihren ganz klassischen Weinen. Big Bang ist ein Projekt, dass sie quasi nebenher stemmen.
Der erste Jahrgang von Big Bang White ist eine Cuvée aus Sauvignon Blanc, Riesling und Scheurebe, Big Bang Pink ist ein Rotling aus Spätburgunder und Riesling. Zunächst soll der Big Bang Wine in den Trendmetropolen Berlin, Hamburg und München einschlagen. Motto: "Take it! Shake it! Drink it!".
Lukas Schmidt liefert gleich noch die Anleitung mit, falls der eine oder andere Weinfreund doch etwas ratlos Big Bang in der Hand halten sollte: Man nimmt sich einfach eine eisgekühlte Flasche aus dem Kühlschrank, schüttelt die Hefe und genießt unkompliziert die Weine. Es darf bzw. soll einfach direkt aus den kleinen 250-Millimeter-Rettungskapseln getrunken werden, ohne umständliche Gläser - in Bars, Discotheken, auf Partys oder einfach mit Freunden zu Hause, am See, im Garten, am Balkon oder am Pool, zum chilligen Barbecue oder einfach mal so. Und keiner muss das “Viertele” auf ex kippen. Die kleinen Flaschen haben einen praktischen Schraubverschluss.
Dresden gibt sich übrigens wieder gewohnt konservativ. Bei Tests haben Weinhändler und Gastronomen zurückhaltend reagiert: Einem war der Wein zu einfach, einem anderen waren die Flächschen zu teuer und ein dritter Kneiper war der Meinung: Gute Idee, aber im Szeneviertel Neustadt werde der große Knall ausbleiben, weil sich Big Bang einfach nicht in den Clubs behaupten könne.
Wer es trotzdem probieren will, kann die Weine im ungewöhnlichen Outfit online ordern.
Text: Lars Müller
Fotos: Big Bang Winemaking GmbH