Man kann dieses Bedürfnis nach einem magischen Helfer in psychoanalytischen Verfahren unter experimentähnlichen Bedingungen studieren. Oft entwickelt die analysierte Person eine tiefe Bindung an den Psychoanalytiker und bringt ihr gesamtes Leben, ihr ganzes Tun, Denken und Fühlen mit ihm in Beziehung. Bewusst oder unbewusst fragt sie sich ständig: Wäre er (der Analytiker) damit einverstanden oder nicht, wäre es ihm recht oder würde er mich dafür tadeln? In Liebesbeziehungen dient die Tatsache, dass man sich diese oder jene Person zum Partner erwählt, als Beweis dafür, dass man sie liebt, weil sie gerade so ist, wie sie ist. Diese Illusion ist freilich in der psychoanalytischen Situation nicht aufrechtzuerhalten. Die unterschiedlichsten Personen entwickeln da dieselben Gefühle gegenüber den unterschiedlichsten Psychotherapeuten. Die Beziehung nimmt sich wie Liebe aus, und oft ist sie auch von sexuellen Wünschen begleitet. Ihrem Wesen nach handelt es sich dabei jedoch um eine Beziehung zum personifizierten magischen Helfer...
Erich Fromm: Die Furcht vor der Freiheit. München, 2001. S. 130/131.







