Ansichtskarte
Rauschenbach (Kr. Brand-Erbisdorf) FDGB-Erholungsheim “Paul Gruner” Nichtraucherzimmer
VEB Bild und Heimat Reichenbach i.V.
Foto: Bild und Heimat ([Heribert] Darr)
1969
Annotation zur Karte in der FG Ostmodern:
#Philokartie am Sonntag: Ein Klubraum in #Rauschenbach. Als man zu Beginn der 1960er Jahre in einem abgelegenen Winkel der DDR begann, das Flöhatal abzuriegeln und die Talsperre Rauschenbach zu errichten, traf man eine smarte Entscheidung. Statt die Arbeiter in einer der üblichen temporären Barackensiedlungen unterzubringen, errichtete man einen dauerhaften Neubau und plante das Wohnheim gleich so, dass es nach Abzug der Arbeiter als FDGB-Heim nutzbar war. Im Sommer 1968 erfolgte die Übergabe der nun an den Kommunisten und späteren, sehr kurzzeitigen FDGB-Funktionär Paul Gruner erinnernden Einrichtung an die Urlauber. Aber eigentlich zur Belohnung zunächst ein weiteres Mal an die der Bauarbeiter der Talsperre, die nochmals zwei Wochen Ferien im Haus verbringen durften. Ihnen bot “sich ein Luxus, der [ihre] kühnsten Erwartungen übersteigt: schalldämpfender Spannstoff auf den Korridoren, ein moderner Empfang, in farblicher Harmonie ausgestattete Zimmer mit Liege, modernen Leuchten, Bad und eigener Toilette, mit Wandschränken und Polsterstühlen. Zwanzig der 109 Dreibettzimmer wurden mit Doppelstockbetten ausgestattet.” (Neue Zeit, 22. März 1969, S.6) Dazu kamen Tischtennis- und Billardraum sowie, wie die Karte zeigt, für die Heribert Darr eröffnungsnah ein Foto anfertigte, auch ein ansichtskartentaugliches Nichtraucherzimmer mit zeittypischen Inneneinrichtung und eindrucksvoller Kunst im Raum (VEB Bild und Heimat Reichenbach i.V., 1969). Möglicherweise war dies sogar der Vollzugsort eines zurecht besonders herausgehobenen Abendprogramms: “Neue Wege erprobt das Heim auch in der kulturellen Gestaltung der Urlaubstage. Kulturleiter Willy Steyer veranstaltet wöchentlich einmal einen Bastelabend, an dem die Urlauber unter Anleitung Ketten aus Kupferdraht, Untersetzer aus Bast und Schalen aus Furnierholzresten anfertigen” (ebd.) Ach ja. Es war schon eine sehr andere Zeit. Das Gebäude steht immer noch. Es dient heute als Pflegezentrum. (Berlin, 08.09.2019)











