Absolutheit der individuellen Subjektivität läßt sich in beliebige Negationen von real Existierendem umsetzen und verleiht so die Illusion der Freiheit und den arroganten Gestus der Empörung. […]. Dennoch bleibt die ideologische Fata Morgana der rebellischen Subjektivität attraktiv, weil sie die Halluzination erzeugt, der einzelne könne der Notwendigkeit, den Zwängen des Allgemeinen entgehen. Nietzsches Philosophie wirkt wie eine Droge, nicht wegen ihrer zum Teil widersprüchlichen, zum Teil auch verworrenen Inhalte, sondern wegen der Apotheose des Subjekts. Steht einer erst unter dem Einfluß dieses enthemmenden Erregungsmittels, so ist er leicht bereit, die dazugehörigen Inhalte – oder auch beliebige andere, die sich damit kombinieren lassen – zu akzeptieren; der Subjektrausch ist ein Manipulationskatalysator. Das Antidoton ist kritisch-systematische Rationalität, die auf das Rauschgift selbst angesetzt wird.
Hans Heinz Holz: Aspekte einer marxistischen Nietzsche-Kritik, in: Moderne – Nietzsche – Postmoderne, Berlin 1990, S. 35.














