Juni | 2020

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Juni | 2020
Hör' lieber genau hin oder gleich weg.
Retrogott - Wohlfühlreim /// @raplinesnet
retrogott & hubert daviz - klebeband aus porzellan - kokain airlines (2014)
sie reden von erde, aber haben menschen verbrannt
In den letzten zehn Jahren hat sich Rap in Deutschland stark nationalisiert. Damit wurde er immer mehr zum Spiegel einer konservativer werdenden Gesellschaft. Die Forderung nach einem unbeschwerten Patriotismus hat sich über die letzten Jahre auch auf die Hip-Hop-Szene übertragen. Das durch die deutsche Geschichte ausgelöste Unbehagen und die Verdrängung des Holocaust erzeugen in vielen deutschen Köpfen eine diffuse Ablehnung des Judentums. Verschwörungstheoretisch angehauchte Kapitalismus- und Globalisierungskritik stehen hier hoch im Kurs. Ich kritisiere vor allem eine Berichterstattung, die in ihrer blinden Verteidigungshaltung neurotisch erscheint. So eine Abwehrhaltung kann zur Identität werden. Vor fast zehn Jahren textete Samy Deluxe: »Wir haben keinen Nationalstolz / Und das alles bloß wegen Adolf - ja, toll / Schöne Scheiße, der Typ war doch eigentlich ‘n Österreicher / (…) Die Nazizeit hat unsere Zukunft versaut«. Das stand noch in der Tradition von Martin Walser. Die Zeilen von Kollegah und Farid Bang sind nun derber und geschmackloser. Dennoch sehe ich eine Kontinuität zu diesen revisionistischen Wünschen. Das Leid der Shoah der Lächerlichkeit preis zu geben, ist auch eine neue Strategie, langsam mit der Vergangenheit abzuschließen. Die Deutschen sind aber nicht in der Position, damit abzuschließen.
Retrogott, »Rap ist Spiegel einer konservativer werdenden Gesellschaft«
Bevor es Frieden auf Erden gibt, pflanzen wir auf dem Mars Wälder und Solarfelder auf dem Mond.
Retrogott
Retrogott & Sonne Ra - Jazzbegriff