Burgund 2013: Domaine Thibault Liger-Belair - Die besten Nuits ever!
Endlich komme ich dazu, meine restlichenNotizen der letzten Burgundreise auszuwerten. Hier meine Eindrücke von denWeinen Thibault Liger-Belairs. Wer genaueres zum Winzer und zu seinem Weingut erfahren möchte, der findet mehr Details im Portrait der Domaine.
Die Besuche und Degustationen bei Thibault sind immer ein Erlebnis. Ich kenne wirklich keinen anderen Winzer, der ein derart durchdachtes Konzept vom Weinbau bis zur Weinbereitung verfolgt. Es ist einfach beeindruckend, wie sich jedes Detail zum Ganzen zusammenfügt und man den Werdegang jedes einzelnen Weines nachvollziehen kann.
Kühlster Keller in Nuits
Im wohl kühlsten Keller von Nuits-Saint-Georges darf ich fast die gesamte „gamme“ des Jahrgangs 2013 von Thibault probieren, beginnend bei den Moulin-à-Vents. Während wir verkosten, gibt uns Thibault einen Überblick über das Jahr.
Der Hagel habe für eine natürliche Auslese gesorgt – und wenn man es positiv sehen wolle, damit qualitativ nachgeholfen. Erst seien solche „Eingriffe“ der Natur immer unschön, aber zur Erntezeit „hat es Spass gemacht, denn man sah, wie gut die eingebrachte Qualität war“, lässt sich Thibault zitieren und fügt zufrieden an: „2013 sind mir wohl die bis jetzt besten Nuits-Weine gelungen.“
Les Moulin-à-Vents
Das erste Deguglas füllt Thibault mit seinem Moulin-à-Vent „Les Rochaux“. Klares Rubin leuchtet im fahlen Kellerlicht. Die Nase ist nicht sehr ausdrucksstark, was aber der tiefen Temperatur des Weines geschuldet ist. Am Gaumen ist er würzig, leichtfüssig und persistent.
Mit dem Moulin-à-Vent Vieilles Vignes folgt ein Wein, der aus Trauben produziert wird, die 50 Meter über „Les Rochaux“ wachsen. Der Boden ist tiefer, er besteht aus „sable blanche“ und „granit rose“. Der Wein ist sehr reduktiv. Thibault gibt uns den Tipp, ins Glas zu pusten, worauf sich die Frucht in der Nase erahnen lässt. Unser Gastgeber merkt an, dass er den Wein blind für einen Syrah halten würde. Tatsächlich sind rote Früchte und viel Würze wahrnehmbar. Der Wein überzeugt durch gute Länge und viel Energie.
Der Moulin-à-Vent „La Roche“ drückt im Gegensatz dazu pure Mineralität aus. Der Wein ist sehr fokussiert und wirkt ungemein trinkanimierend.
Expressiver Générique und „Wow!“-Village
Mit dem Hautes-Côtes de Nuits „La Corvée de Villy“ wechseln wir zum Pinot. Der Wein ist wunderbar klar mit expressiver Frucht. Ein Terroir „très calcaire“ und 100 Prozent entrappte Trauben von 30-jährigen Stöcken bringen einen lebendigen, puren und von Mineralität geprägten Wein hervor.
Der Nuits-Saint-Georges „la Charmotte“ ist ein echter „Wow!“-Village aus dieser immer noch unterschätzten Gemeinde. Ein wunderbar texturierter Wein mit viel dunkler Frucht. Die Eleganz lässt an einen Vosne denken, und Ausgeglichenheit ist die wohl bestechendste Charaktereigenschaft dieses Weines.
Gevrey „aérien“ und ein Novum
Beim Gevrey-Chambertin „la Croix des Champs“ bin skeptisch, denn im Vorjahr vermochte mich der Wein aus dieser Village-Lage nicht zu begeistern. Doch mit dem 2013er haben wir einen klaren Step-up. Thibault hat es mit seiner bio-dynamischen Arbeitsweise geschafft, das Terroir allmählich wiederzubeleben. Frisch präsentiert sich der Wein. Er ist reichhaltig aber keinesfalls schwer, und wirkt deshalb „aérien“. Als wir Thibault auf die Säure als mögliche Ursache für die Frische ansprechen, werden wir eines Besseren belehrt: „Säure ist meiner Meinung nach eher ein Faktor, der die Struktur des Weines beeinflusst. Frische ist eher dann wahrnehmbar, wenn dem Wein aromatische Ausgeglichenheit zu Grunde liegt.“
Der Aloxe-Corton 1er Cru „la Toppe au Vert“ ist ein Novum für mich in Thibaults Keller. Der Wein stammt aus dem Herzen von Ladoix-Serrigny. Die Trauben wachsen auf einer glazialen Bruchhalde unterhalb von Corton-Vergennes, die über die Zeit mit Schwemmmaterial aufgefüllt worden ist, das gut 1 Meter Boden über der Kalkplatte bildet. „Un vin léger sans être maigre“ lautet die treffende Umschreibung durch Thibault. Unglaublich linear mit Wollust weckender Frucht und feiner Finesse, das ist mein persönliches Fazit.
Lieblings-Vosne und komplexer Chambolle
Und schon geht es zu meinem Lieblings-Village chez Thibault: Vosne Romanée „Aux Réas“. Ich kenne keinen anderen Rotwein, der ein klareres und besser verständliches Beispiel für Mineralität bietet. Dieser Village ist nicht leicht zu verstehen, aber wer sich seiner annimmt, dem eröffnet sich dieser unglaubliche Eindruck von Mineralität und Frische (im Sinne Thibaults: der aromatischen Ausgeglichenheit). Diese beiden Eigenschaften vermitteln einem ein unglaubliches Gefühl von Komplexität. Ich könnte hier noch lang von Schlankheit, Fokus oder anderen Eindrücken sprechen. Wichtiger ist: Man muss diesen Wein einfach probiert haben!
Der Chambolle-Musigny 1er Cru „les Gruenchers“ ist ein „vin de gorge“. Das Empfinden am Gaumen beim Degustieren wird linear verlängert. Es ist keine weitere Dimension oder Verlängerung im Abgang, es ist einfach der Wein der sich fortsetzt und fortsetzt im mundgefühl. Der Wein kommt nicht zu uns, wir müssen uns auf ihn zu bewegen, da er sich zurzeit in einem schwierigen Stadium befindet – ob dies an den erstmalig verwendeten 30 Prozent „vendanges entières“ liegt? Aber dann sind da die für Chambolle typischen „petit fruits rouges“, Feinheit und Eleganz, die sich im komplexen Wechselspiel um die Saftigkeit dieses Weines ranken.
Les Grand Crus
Und schon bewegen wir uns auf die Grand Crus des Kellers zu. Wir beginnen mit dem Charmes-Chambertin. 40 Prozent „vendanges entières“ sind spürbar. Dicht, mit einem leichten aber nicht störenden Grüntouch. Dieser Wein ist immer noch nicht mein Favorit im Keller Thibaults. . .
Wesentlich mehr spricht mich einer seiner intellektuellsten Weine an. Der Corton „les Renardes“ wächst zu zwei Dritteln auf einem praktisch reinen Kalk- und zu einem Drittel auf reicherem Boden. Das rote Rubin verbindet sich mit einer verführerischen, rotbeerigen Nase. Der Wein ist zurzeit sehr zurückhaltend. Seine Anlage ist aber zu erkennen, die insbesondere durch eine ungemeine Harmonie aller Komponenten und Eindrücke entsteht. Ein grosser Wein, der einen ins Sinnieren bringt!
Der Clos-Vougeot präsentiert sich chez Thibault in diesem Augenblick als absoluter Nasenwein. Man will gar nicht mehr aufhören, an dieser betörenden Kreszenz zu schnuppern, die einem in alle Richtungen entführt. Das Wechselspiel von roter und dunkler Frucht, von Erdigkeit und Mineralität führt Thibault auf die besondere Lage zurück. Die Parzelle Thibaults vereint drei Bodentypen, die sich durch den Clos-Vougeot ziehen und den Winzer so in die Lage versetzen, ein möglichst komplettes Bild der Lage zu zeichnen.
Grosses Finale
Sagte ich, wir befänden uns nun bei den Grand Crus? Ja, immer noch! Auch wenn wir jetzt den Nuits-Saint-Georges 1er Cru „Les Saint Georges“ verkosten. Es ist unstrittig, dass hier Grand-Cru-Qualität ins Glas kommt. Begreiflich, dass die Eigner dieser Lage seit längerem versuchen, die Aufstufung zum Grand Cru zu erwirken. Kräftiges Rubin mit dunkler Färbung. Das Glas muss gewärmt werden, um den Wein dazu zu verleiten, sich preis zu geben. Danach folgt Step-up nach Step-up. Es ist eine wunderbare Evolution, die abläuft. Der Wein wächst und wächst. Er legt fortwährend zu, um seine ganze Komplexität zu offenbaren. Länge, Energie, Leichtigkeit des Seins. Alles ist gegeben.
Als Finale folgt der Richebourg. Er stammt aus einer der ursprünglichen Parzellen der Grand-Cru-Lage. Diesen Wein in Worte fassen zu wollen, ist einfach zu viel verlangt. Er ist dermassen komplex und lang, dass es schwierig wird, ihm verbal gerecht zu werden. Glücklich, wer diesen Wein dereinst gereift im Glas haben wird!
















