Genuss ist mir wichtig und hier sammle und teile ich mit, was mir erwähnenswert scheint in der Welt des Genusses. Mein Name ist Philipp, ich bin 1977 geboren, lebe in Luzern und habe beruflich gar nichts mit Wein oder Essen zu tun - es ist pure Leidenschaft und Freude am Genuss. Mein erstes Aufeinandertreffen mit Wein war in jungen Jahren, als ich an einem Glas roten Chateauneuf nippte und das Gefühl hatte, dass diese Flüssigkeit einfach noch toller ist als alles andere was ich bis jetzt probieren durfte. Hinzu kommt natürlich der familiäre Hang zu gutem Essen und dem passenden Getränk dazu. Eben die pure Freude am Genuss, wenn eine Kombination gelingt. Dafür hatte ich die besten Vorbilder, die man sich wünschen kann: Meine Grosseltern und meine Mutter. Die Grosseltern haben ein Hotel betrieben, in welchem die Grossmutter die Küche schmiss und der Grossvater als Generalmanager und Sommelier amtete. Mit meiner Mutter habe ich zeitlebens immer wieder zusammen gekocht und heute geniesse ich immer noch die Ehre beim Abschmecken der Sauce dabei sein zu dürfen. Doch das absolut Tolle an Wein und Speisen ist, wenn sich viele Freunde dafür an einem Tisch zusammenfinden und Zeit verbringen. Getreu einem Zitat von Jacky Rigaux: "Le vin est source de plaisier et ferment de convivalité." Und so möchte ich es hier handhaben. Ich möchte in loser Folge von befreundeten Autoren unterstützt über solche Momente berichten, sie Revue passieren lassen und vielleicht den einen oder anderen dazu animieren etwas zu probieren, das er so bisher nicht kannte. Auch über Rückmeldungen freue ich mich jederzeit: Just write in below!
Herbstzeit ist Kürbiszeit. Dazu noch ein schönes Stück Rindshohrücken und der passende Wein. Passend für heute Abend erschien mir zur Kürbissuppe mit indischem „Touch“ der 2016er Grauburgunder „bedecke deinen Himmel Zeus“ von Jürgen von der Mark. Straight und doch mit einer gewissen Fülle die der würzig-vegetalen Suppe etwas entgegen zu halten vermag ist das einfach hohe Weissweinschule aus Baden. Jürgen füllt den Wein nur, wenn er ihm angemessen erscheint. Und ich bin einig mit ihm, das passt! Ölig, etwas ätherisch mit einem schönen energetischen Kick tanzt dieser Weisse am Gaumen und lässt sich nicht aufhalten, um sich mit dem „Gout“ des Kürbis‘ zu vermählen. Ein toller Solist, der aber auch gerne in Begleitung ist.
Zum Rindshohrücken mit Ofengemüse an einer Kapernvinaigrette gibt es ein Souvenir aus der letzten Provencereise. Saint Jean du Barroux „la source“ 2016 ist ein klassischer Rhoneblend. Etwas Grenache, Carignan und Cinsault bieten einen geschmeidig-würzigen Gaumenschmaus. Nicht im überbordenden hitzigen aber im besten Understatement-Sinn den Südfrankreich am kühleren Climat des Mont Ventoux wohl bieten kann. Da ist nichts langweilig-marmeladiges. Einfach schöne Ruhe in sich. Das kann durchaus gefallen und zum nächsten Schluck verleiten - ich hab’s auf jeden Fall genossen!
Mein Schatzzzzzzzzzzzz..., sagte Gollum und rannte in den Trollhöhlen umher. Ich hoffe mir wird’s dereinst im Keller nicht so gehen, wenn ich nach dieser Magnum suchen werde, die heute den Weg zu mir gefunden hat. Ja, ich gebe es zu. Ich liebe Roulot. Eine Chardonnaystilistik, die mich einfach umhaut.
Es gibt sie, diese Sommerabende. Lieber Besuch aus Bern in meinem neuen Heim in Luzern. Dazu ein Risotto Ticinese (das Besondere: zum Verfeinern am Schluss ein Formaggino rein, um dem Risotto Frische und Cremigkeit zu verleihen) und natürlich die eine oder andere Flasche guten Weines.
St. Aubin - der verkannte Weissweinwert
Als Apéro hab ich einmal mehr den 2008er St. Aubin 1er Cru en Remilly der Domaine Hubert Lamy gezückt. Es ist eine wahre Freude wie dieser Wein dasteht. Nämlich wie eine Eins. Öffnen, Probeschluck, stehen lassen. Dann verwandelt sich der immer noch jugendlich wirkende, blassgelbe Inhalt von diesem überfruchtigen, mit Grapefruitton versehenen Etwas in die Sorte Wein, für die ich einiges stehen und liegen lassen würde. Nach einer Stunde ist da in der Nase bereits Mineralität spürbar. Der Geschmack von Zitruszesten setzt sich am Gaumen fort, aber da ist sie wieder diese wunderbare antrocknend-kreidig-kalkige Mineralität. Einfach nur wunderschön! Für mich fast schon mehr Puligny als St. Aubin mit einer ungemeinen Rasse und beachtlicher Länge im Finale.
Hammer: Mugniers 2008er Chambolle-Musigny
Zum Essen gabs dann zwei Rotweine. Dominik war ungemein grosszügig und ich sehr angetan von seinem mitgebrachten 2008er Chambolle-Musigny Villages von Frédéric Mugnier. Pure Femininität und Eleganz. Die Nase ungemein betörend in bester und feinster Griottekirsche. Unglaublich, dass sich soviel Duft in so wenig Farbe versteckt, auch wenn man es ja langsam wissen sollte, was die besten Winzer dieser Gemeinde zu leisten fähig sind. Der Gaumen ist pure Seide und die Texturiertheit des Weines streichelt so auch die Sinne. 2008 macht sich durch eine etwas prononciertere Säure bemerkbar, aber ansonsten ein wunderbarer Wein, der seine kühle Herkunft nicht zu vertuschen versucht aber sehr gekonnt und in sich ruhend mit einem mittellangen Abgang unterstreicht.
Solid: Gevrey Villages von Trapet
Da hat es der 2008er Gevrey-Chambertin Villages der Domaine Trapet etwas schwerer. Wie schon von meinem lieben Freund Raphael umschrieben eine Wundertütengeschichte, diese Trapetweine. Auch diesmal wieder. Die Farbe schon mit leicht anbräunendem Wasserrand, die Farbe eher etwas fortgeschritten. Die Nase ist auch schon im Wechsel in die sekundäre Phase und Sous-Bois meldet sich unweigerlich an. Mir persönlich fehlt etwas das Gevrey-Fleisch. Dafür bestach der Wein mehr durch Eleganz wie den Imperativ, den die Gemeinde sonst in ihren Weinen an den Tag legt. Am Gaumen war der Wein rund, das Gefühl gut. Die Komponenten sehr ausgewogen und im Einklang. Der Abgang mittellang und mit einer leichten Betonung der doch langsam spitzer werdenden Säure. Ansonsten aber ein guter Essensbegleiter.
Nun, es war Zufall, dass alles 2008er auf dem Tisch und dann im Glas gelandet sind. Aber auch eine spannende Einsicht. Ich finde die 08er sind jetzt wirklich schon sehr schön zu trinken. Insbesondere die Villagesqualitäten machen jetzt mit 30-60 Minuten Belüftung durchaus Spass bei den Rotweinen. Bei den Weissen finde ich, wenn man Weine des Kalibers Lamy im Glas hat, kann man nichts flasch machen. Ein kühles Jahr, das mit seinen Voraussetzungen sehr spannende und ansprechende Chardonnays entstehen lassen hat. Da kann ich jedem nur viel Spass wünschen, der so etwas in seinem Keller weiss ;-)
In meinem Pleasuredome liegen leider vornehmlich Burgunder junger Jahrgänge. Deshalb habe ich mich auf die Suche nach zahlbaren, reiferen Villages gemacht (00, 01, 03). Das ist gar nicht so einfach, denn es hat nicht mehr so viele auf dem Markt (Tipps sind willkommen).
Fündig wurde ich bei Denz Weine: Henri Gouges, Nuits-Saint-Georges 03. Der Village wird aus Trauben von diversen Parzellen südlich des Städtchens gekeltert und vom lieu-dit “Jacquinot”, der am Hang gleich unterhalb der premiers crus liegt.
Frucht des heissen Jahres
Im Glas sehe ich ein helles Rubinrot, das gegen den Rand hin dünner wird und zu Ziegelrot tendiert. In der Nase wenig Reifetöne, Sauer- und Süsskirsche, etwas Schwarztee und ganz wenig Vanille.
Im mittelgewichtigen, strukturierten Gaumen reife, leicht gedörrte Früchte, was dem heissen Jahr geschuldet ist. Die Tannine sind kräftig und trocknen den Gaumen aus. Der Wein hat eine gute Säure, es fehlt ihm aber etwas an Frische. Der Abgang ist mittellang.
Die Wartezeit überbrücken
Fazit: Dieser Nuits-Saint-Georges trinkt sich gut, vor allem zum Essen (im konkreten Fall Coq au vin). Er eignet sich, um die Zeit zu überbrücken, bis die 05er, 09er und 10er trinkreif werden. Man kann ihn aber ebenfalls noch etwas reifen lassen.
Von Raphael Briner
Nachtrag: Nach rund drei Stunden dominieren dann doch deutlich Sekundäraromen: Würze (Liebstöckel), Sous-bois, wenig Pilz und fleischige Anklänge. Also nicht mehr zu lange warten mit dem Knacken allenfalls noch vorhandener Flaschen.
Während eines burgunderseligen Nachmittags sagte ein nordischer Tischgenosse zu mir: “Mach doch mal eine Flasche auf, dann siehst Du, was ich meine.” Unser Thema waren die Weine der Domaine Trapet Père & Fils, von denen je ein Kistchen Gevrey-Chambertin 2010 und 2012 sowie zwei Flaschen Chambertin 2011 bislang unberührt in meinem Keller lager(te)n. Die Weine seien “strange”, meinte der Nordmann.
Weil auch Philipp sich bei anderer Gelegenheit eher kritisch über die sonst allerorten hochgerühmte Domaine Trapet geäussert hatte, machte ich kürzlich die Probe aufs Exempel. Ich öffnete eine Flasche des 2010ers. Et voilà:
Reduktion, die mit der Luftzufuhr verschwindet. Schwache Nase, aber das ist bei den zur Zeit verschlossenen Burgundern des Jahrgangs 2010 normal. Der aromatisch ebenfalls verhaltene, eher dumpfe Gaumen ist weich, er hat eine schöne Säure und feine Gerbstoffe, etwas Karamell scheint auf, der Abgang ist mineralisch-bitter und leicht trocknend.
Die Frucht kommt langsam
Mit der Zeit macht sich in Nase und Gaumen die Frucht mit dunkler Kirsche und Himbeere stärker bemerkbar. Sie wird klarer, ohne jedoch diese Reintönigkeit zu erreichen, die Spitzen-Pinots auszeichnet.
Jüngling mit Pilz
Kein schlechter Wein. Etwas irritiert mich aber sehr, vor allem auch am zweiten Tag, an dem wir den Wein zu einem Boeuf Bourgignon austrinken: Er hat eine deutlich pilzig-erdige Note, die ich von einem so “jungen” Pinot nicht erwarte.
Das hat mein Kollege wohl mit “strange” gemeint. Vielleicht werde ich demnächst einen 12er Gevrey-Chambertin von Trapet öffnen, um zu prüfen, ob dieses Adjektiv auch auf diesen zutrifft. Ich hoffe es nicht.
Aus dem Dornröschenschlaf wachküssen - eine Replik
Im Burgund will man gar keinen “typischen Pinot” erzeugen. Die dortigen Ansprüche sind ganz anders. Dies hält Hermann Kratz, Burgund-Experte und -Händler aus Grafschaft in der Voreifel (D) fest. Er hat auf unseren Artikel “Burgunder génériques gegen den Rest der Welt” reagiert. Hier sein Beitrag:
“Da ich zumindest drei dieser "weniger reifen" Burgunder sehr gut kenne, ein paar Anmerkungen zum flotten Verkosten, wo man von "wissenschaftlicher Expertise" nichts wissen will, gleichzeitig aber der Internet-Gemeinde meint nachweisen zu können, daß "typischer" Pinot schon öfter eher aus der Schweiz stammt. Das beißt sich übrigens - logisch. Oder geht es nur um etwas Aufmerksamkeit ?
Das zentrale Thema scheint ja weniger das tatsächliche Degustieren der Weine, also ihr Erfassen zum gegebenen Zeitpunkt, zu sein, sondern die Frage nach dem "typischen Pinot"
Missverständnis bei der Verkostung
Da beginnt aber das Mißverständnis der Verkostung. In Burgund will man gar keinen "typischen Pinot" erzeugen, und es geht in gar keinem Fall, wie hier einmal ausgeführt, um das Ideal einer Produktion von "süssen, parfümierten" Weinen.
Was die Jungs in Burgund seit Jahrhunderten vielmehr festgestellt haben ist, daß diese Rebsorte des Pinot Noir extremst wandelbar gemäß ihrer jeweiligen Herkunft ist. Den Geschmack des Pinot gibt es nicht, der Pinot ist vielmehr, wie Aubert de Villaine (DRC) richtig sagt, ein Chamäleon, er unterwirft sich den Besonderheiten der Lage.
Rebsorte ist blosses Vehikel
Typischen Pinot zu suchen, unterstellt also, daß es bei der Weinerzeugung darum gehen müßte, einer Vorstellung von einem Rebsortencharakter nachzukommen. Einen simplen Rebsortenwein will aber Burgund - noch einmal - gar nicht erzeugen. Es will vielmehr die climats, die Lagen, also die Vielfalt der Natur, aufscheinen lassen. Die Rebsorte ist da bloßes Vehikel nicht mehr. Ein ganz anderer Anspruch.
Was die Beschreibungen der Weine von Mortet, Pataille und Mugneret angeht, so ist es dann evident, daß den Weinen nicht die erforderliche Präparation (4 bis 5 Stunden vorher zu öffnen, im Fall Mortet ist ein Tag Öffnung nicht schlecht) zuteil wurde.
Sauerstoff her!
Was hier als "weniger reif" verstanden wird, ist die normale Reserviertheit von Weinen, die gerade nicht zu prononcierter Süße gepusht worden sind (was önologisch einfach ist zu produzieren!), sondern reduktiv ausgebaut wurden, die also Sauerstoff brauchen, um aus ihrem Dornröschenschlaf (Faß/Flasche) aufzuwachen.
Gute Burgunder - und die drei Weine zählen zu den schönsten auf ihrem Level - wachsen an der Luft, sie sind - auch dies ist önologisch kein Problem - nicht gemacht, um gleich mit Süße zu verführen.
Und es ist auch keine Entschuldigung, sondern Notwendigkeit, wenn Burgunder eine Zeit brauchen, um alle Komponenten harmonisch zueinander zu führen. Sie beinhalten nämlich nicht nur die Süße einer reifen Frucht (die hier verkosteten 2011er sind allesamt phenolisch reif), sondern - der Boden verpflichtet - besitzen auch auf générique-Level ein gewisses Maß an Mineralität und Komplexität
So gering ist der Anspruch nicht
Fazit: es ist ein Mißverständnis, zumindest Pinot Noirs des Burgunds auf fruchtige Süße herunterzubringen inkl. ein paar - natürlich - süßen Aromen bzw. daran zu messen. Wer mehr - Finesse, Komplexität, Frische des Geschmacks, Persistenz nenne ich mal - nicht will, ok. Aber so gering ist der Anspruch in Burgund nicht.”
Kürzlich traf sich eine gesellige, achtköpfige und mehr oder weniger önophile Runde (Philipp fehlte leider) in der Cuisine et Cellier chez Chèvre. Ich hatte ihr folgende “Aufgabe” gestellt: Verkostung von fünf Burgundern und fünf Pinots aus der Schweiz beziehungsweise aus Deutschland.
Die Weine traten zu zweit an, jeweils ein Franzose und ein „Ausländer“. Die Burgunder waren allesamt Basisweine (AOC Bourgogne). Die anderen Weine stammten teilweise aus dem höheren Segment. Alle Flaschen hatten Jahrgang 2011.
Es ging nicht um eine wissenschaftliche Expertise, sondern um Trinkspass, Diskussion und Geselligkeit. Was ist Burgund, was nicht? Was schmeckt uns besser? Pro Wein-Paar ermittelten wir mit direktdemokratischem Mehren unseren Liebling. Und das sind die Ergebnisse:
1. Domaine Denis Mortet Cuvée de Noble Souche 11 (Gevrey-Chambertin) vs. Christian Hermann Fläscher Pinot Noir 11 (Fläsch GR)
Beides Basisweine. Mortet 20 Prozent neues Holz, Hermann acht Monate in ein Mal gebrauchten Barriques. Sieger: Herrmann. Bemerkungen: Mortet holzgeprägt mit Noten von Efeu und Lakritze. Hermann runder, ausgewogen, traditioneller, klassischer. Herkunft: Die Vermutungen zur Herkunft waren falsch (Hermann wurde zum Burgunder erklärt, Mortet zum „Fremden“).
2. Lüthi Weinbau Pinot Noir elevée en Barrique 11 (Männedorf ZH) vs. Domaine Bachelet Bourgogne Pinot Noir 11 (Gevrey-Chambertin)
Bachelet Basiswein, keine Angaben zum Ausbau. Lüthi Premiumwein, zwölf Monate Barrique. Testsieger (knapp): Lüthi. Bemerkungen: Lüthi typischer beziehungsweise schöner Pinot, brav. Bachelet gute Säure, erdig, vegetabil (Spargel, Randen, Stangensellerie), viel Holz. Anmerkung: Bachelet war im Zaltoglas harmonischer war als im runden Burgunderkelch. Bachelet wurde das bessere Alterungspotenzial attestiert. Tatsächlich entwickelte er sich enorm im Glas.
3. Domaine Anne Gros Bourgogne 11 (Vosne-Romanée) vs. Weingut Von der Mark Pinot Noir „Una Voce Poco Fa” 11 (Bad Bellingen D)
Gros Basiswein, 30 Prozent neue Eiche. Von der Mark Premiumwein („Liedwein“), 12 bis 18 Monate neue Barriques. Testsieger: Hier bestätigte sich die Beliebtheit der Weine von Anne Gros (Anmerkung der Red.: Wie beim 09er Combe d’Orveau war die Nase schöner als der Gaumen). Gros gewann ganz klar. Bemerkungen: Gros fruchtig, am Anfang etwas flüchtige Säure?, entwickelte sich gut im Glas. Von der Mark fruchtig, süsslich, Dörrfrucht, Karamell, Holz, ähnlich wie Bachelet, aber runder, sicher ein „mehrheitsfähiger“ Wein. Anmerkung: Wie man sieht, gab der Badenser Pinot zu mehr Diskussionen Anlass als der „bessere“ Burgunder. Herkunft: “Von der Mark könnte aus Amerika sein.”
4. Domaine Sylvain Pataille Bourgogne Le Chapitre 11 (Genôve im Marsannay) vs. La Maison Carrée Auvernier Rouge 11 (Auvernier NE)
Pataille Basiswein, keine Angaben zum Ausbau. Maison Carrée Basiswein (das Weingut hat drei Pinots aus unterschiedlichen Lagen, die gemäss Website alle mehr oder weniger gleich vinifiziert werden), zwölf Monate in Barriques und grossen Fässern. Testsieger: Die Liebling des Abends, Maison Carrée, wobei beide Weine als „sehr schön“ beschrieben wurden. Bemerkungen: Pataille etwas bitter, mit Pinot-Stinker. Maison Carrée “wunderbar,” gefällig, etwas süsslich, Eisen (”welche Region hat eisenhaltige Böden?“), kalte Leber, „kommt schön im Glas“. Herkunft: Langsam merkten die Degustanten, dass die Burgunder in der Regel eine dünklere Farbe haben, womit Pataille richtigerweise nach Frankreich verortet ward.
5. Weingut Hermann Schwarzenbach Mariafelder Clevner 11 (Meilen ZH) vs. Domaine Gerard Mugneret Bourgogne Pinot Noir 11 (Vosne-Romanée)
Schwarzenbach Basiswein, Stahltank. Mugneret Basiswein, keine Angaben zum Ausbau. Testsieger: Schwarzenbach. Bemerkungen: Schwarzenbach parfümiert, süss, ehrlich, geradlinig, „ist ein Pinot“. Mugneret animalisch, schön, spannend, “gebündelt”, „gümmelet“, “mehr Gehalt” als Schwarzenbach. Herkunft: Schwarzenbach wurde fälschlicherweise Frankreich zugeordnet.
Fazit
Eine vernichtende Niederlage für das Burgund. Meiner Meinung nach ist der Grund (oder einer der Gründe) dafür folgender: In unserer Runde waren Weintrinker, die mit dem Burgund und seinen Weinen nicht sehr vertraut sind. Sie kennen Schweizer Pinots um einiges besser, weshalb diese ein paar Mal als „typischer“ bezeichnet wurden.
Ich empfand die Burgunder im Vergleich allgemein als weniger reif, was zur schlechteren Bewertung beigetragen haben dürfte. Philipp, mit dem ich mich am nächsten Tag nach der Degustation unterhalten habe, meint beispielsweise, dass man Bachelets Bourgogne sechs Jahre reifen lassen müsse.
Jedenfalls habe ich vor, die Verkostung mit den gleichen Weinen in zwei Jahren nochmals durchzuführen. Ich habe allerdings nicht von allen eine weitere Flasche. Falls jemand noch Mugnerets 11er Bourgogne im Keller hat, nehme ich gerne eine Pulle.
Corton-Bressandes 2006 von Laleure-Piot, Folge 2 - die Hoffnung bleibt
Kürzlich habe ich mich mal wieder um ein Sorgenkind in meinem Keller gekümmert: den Corton-Bressandes 2006 von Laleure-Piot. Das letzte Mal verkostet hatte ich ihn im Dezember 2013 mit Philipp. Dessen vernichtendes Urteil in unserem damaligen Bericht: „Der ist mit Holz erschlagen worden.“
Mal sehen, wie dieser Grand Cru von der Côte de Beaune sich über ein Jahr später macht. Die Farbe ist ein in Ziegelrot übergehendes Rubin, gegen den Rand aufhellend. In der Nase viel Holz, Röstaromen, dunkle Frucht. Im Gaumen die gleiche Aromatik, dazu meine ich etwas Erdbeere auszumachen, flach, trocknend, laktisch.
Holznote schwindet
Ich gebe den Wein in eine Karaffe und trinke ihn nach sechs Stunden wieder. Die immer noch nicht sehr starke Nase bietet nun mehr Frucht, dunkle Kirsche, Menthol, Schwarztee. Der Wein ist am Gaumen weiterhin nicht sehr kräftig. Erdige Noten, Trauben(saft), Nadelholz, wenig dunkle Frucht. Trocknend mit mittellangem Abgang.
Die zu Beginn dominante Holznote ist deutlich abgemildert. Das lässt mich hoffen, dass der Wein irgendwann doch noch eine gewisse Harmonie erreicht. Dazu die Aussage des Händlers, der mir den Corton damals verkauft hat: „06 zählt ja sicher eher zu den strengeren Jahrgängen, so dass es vielleicht etwas mehr Zeit braucht, bis sich die Frucht des Weines vollständig öffnet.“
Winzer wird Beizer
Ich werde vom nächsten Versuch wieder berichten. Fréderic Laleure hat das Weingut übrigens aufgegeben und ist jetzt Beizer in der „Brasserie Le Carnot“ in Beaune.
Burgund 2013 (3): Domaine Gérard Mugneret – der Unterschied des Terroirs
„Die Preise werden 2013 stabil bleiben“, eröffnet uns Pascal Mugneret (Hier geht's zum Portrait) zu Beginn unseres Besuches auf seiner Domaine. Pascal hat vor einiger Zeit seine Tarife angepasst, um künftig das „Wetterrisiko“ besser auffangen zu können. Daher kann er auch 2013 ohne Aufschlag auskommen.
2013 ist im langjährigen Vergleich der Jahrgang mit den geringsten eingebrachten Mengen – wir sprechen von 60 Prozent gegenüber einem Jahr mit Normalertrag. Die klimatischen Bedingungen seien einmal mehr sehr schwierig gewesen, sagt Pascal. „2013 startete mit einem feucht-kalten Frühling und endete mit einem milden, aber leicht verregneten September. Einzig die Sommermonate sorgten für etwas Verschnaufpause in den schwierigen Vegetationsperioden.“ So fasst der Winzer die Fakten kurz zusammen.
Nichtsdestotrotz sieht er im Jahrgang 2013 Weine mit schöner Konzentration, viel Fokus und – dies ist ein allgemeines Merkmal der 13er Weine aus dem Burgund – guter Erkennbarkeit der Terroirs.
Bourgogne und Vosne Village: Frisch und luftig
Im Keller starten wir mit dem einfachen Bourgogne. 100 Prozent Pinot Noir – 100 Prozent Bekömmlichkeit. Dieser einfache Burgundervertreter kommt luftig-leicht daher. Mit leckerer roter Frucht und schlank-frischer Art ist das ein wunderbarer Wein für jede Gelegenheit.
Mit der nächsten AOC-Stufe bewegen wir uns deutlich auf einem anderen Niveau. Der Vose-Romanée erreicht ein Village-Level, von dem viele andere Produzenten nur träumen können. 2013 wurden 35hl/ha eingebracht (gegenüber 45Hl/ha im Normaljahr). Der Wein ist zum Zeitpunkt der Verkostung im Dezember 2014 noch etwas vom Ausbau geprägt. Pascal gibt uns zu verstehen, dass er der Meinung sei, der Wein brauche noch etwas Zeit. Dennoch lässt sich bereits die charakteristische Frische des Jahrgangs 2013 erkennen. Kombiniert mit prägnanter Würze und Frucht ergibt sie einen Wein der frisch-luftigen Art und guten Substanz, der durch eine äusserst edle Textur besticht.
Super Savigny und ein typischer Gevrey
Der 1er Cru les Gravains aus Savigny ist für mich persönlich die Entdeckung, seit ich bei Pascal im Keller direkt verkosten darf. Der Wein ist sehr luftig, schwerelos. Trotz aller Leichtigkeit und Eleganz lässt er aber ein gewisses Gewicht nicht vermissen. Beim Verkosten dieses 1er Cru habe ich einen leeren, weissen und lichtdurchfluteten Raum vor dem geistigen Auge, durch den die Raumpflegerin geht und in zwei der vier Ecken einen kleinen Spritzer Parfüm versprüht – verhalten elegant eben. Die Würzigkeit ist sehr präsent, und die Säure feinziseliert sowie wunderbar eingebunden. Ein super Savigny!
Der letzte Wein der „Basisserie“ ist der Gevrey-Chambertin Village vom lieu dit les Murots. Der Haupteindruck: Dieser Wein ist „très Gevrey“. Offen, fleischig und wild wirkt er von Beginn weg. Er versteckt keinen Moment seinen Charakter und zeigt, woher er stammt. Viel Violettes liegt geschmacklich in der Luft und am Gaumen. Der Wein vermittelt das Gefühl von kompromissloser Geradlinigkeit und Persistenz. Der mittellange, texturierte Abgang klingt mit viel Würze und Fleisch im Gaumen nach.
Vosne-Romanée 1er Crus: Präzision und Liebe
Mit dem Vosne-Romanée 1er Cru les Brulées machen wir einen weiteren Schritt aufwärts in der Qualitätsleiter. Brulées ist eine Lage, die in den Händen Pascals von Jahr zu Jahr immer mehr zulegt und zu ihrer Definition findet. Dies mag auch an des Winzers „weinverrückten“ Art liegen. Er denkt wirklich an alles, oder wie mir seine Cousine Marie-Andrée von der Domaine Mugneret-Gibourg gesagt hat: „Mein Cousin Pascal ist ein absoluter Perfektionist. Er denkt an jedes Detail und versucht für alles eine Lösung zu finden, ohne den Wein zu vertechnisieren. Ich kenne niemanden, der den Wein mit soviel Präzision und Liebe entstehen lässt.“ Genau das legt dieser Brulées offen: Dunkles Rubin glänzt im Glas. Die Nase ist stark fokussiert und lässt die Mineralität dieses mit wenig Oberboden versehenen Terroirs nahe Richebourg erkennen. Dennoch ist der Gaumen ungemein weinig, rund und texturiert. Dieser Brulées hat einen klaren Fokus und eine innere Spannung, die auf viel Energie in Form von Spannung und Vibration zurückzuführen sind. Lang im Abgang.
Nach Brulées folgt Vosne-Romanée 1er Cru les Suchots. Wie der Brulées ist auch der Suchots in nächster Nähe zum Richebourg gelegen. Der Wein besitzt eine reiche, elegante Nase, die durch ihre duftige Dichte eine noble Schwere zum Ausdruck bringt. Dieser Suchots wirkt am Gaumen generös, reich sowie nobel und gleichzeitig salin-fokussiert. Die Mineralität sorgt für viel Frische und eine Ausgewogenheit der Aromen. Der Gesamteindruck des Weines endet auf ein langes asiatisch-würziges Finale.
Chambolle und Nuits: Griotte und ein „flatteur“
Nach den Vosne-Crus folgen zwei andere Gemeinden. Zum ersten Chambolle-Musigny 1er Cru les Charmes. Klares Rubin im Glas. Rote Kirsche meldet meine Nase sofort, wie es sich für einen Chambolle gehört – Sauerkirsche oder eben Griotte, um genau zu sein. Diese Frucht verleiht dem Wein für meine Begriffe die Chambolle-Typizität. Er ruht absolut in seiner Textur und hüllt den Gaumen mit Samt und Seide ein. Der energetische Fokus wird durch unterschwellige Mineralität mitgetragen. Das macht den Wein zugleich auch sehr geradlinig und hält diesen Charmes auf interessante Weise im Zaum. Langer Abgang.
Und dann ist einer meiner persönlichen Lieblingsweine aus der Mugneret-Produktion an der Reihe: Nuits-Saint-Georges 1er Cru Les Boudots. Die Trauben aus dieser Lage haben immer einen ausgeprägten Hang zur „millérendage“. Der Vorteil ist, dass dadurch das Verhältnis von Feststoff und Flüssigkeit in den Beeren besonders ausgewogen ist. Das führt zu einer von der Natur begünstigten Konzentration des Traubenmaterials (Kleinbeerigkeit). Zum Ausdruck im Glas kommt dies optisch in einem besonders dunklen Rubin. Dazu gesellen sich eine ungemein würzige Art und viel dunkle Frucht. Doch die ganze Dichte wird durch die Mineralität im Wein gepuffert, die hier im Einklang mit der Frische und Energie des Weines für eine Harmonie der Aromen sorgt. Ein Wein, der ganz „flatteur“ ist, tritt mit seiner ausgewogen-dichten Art sehr reich und verästelt im Gaumen auf ohne langweilig zu werden. Sehr lang im Abgang.
Echézeaux: Gehen und Kommen
Zu guter Letzt folgt der Grand Cru Echézeaux aus dem lieu-dit Quartiers de Nuits. Dunkles Rubin leuchtet im Glas, und der Wein entsteigt diesem sehr konzentriert. Viel dunkle Frucht und die fleischige Dichte lassen ihn als grossen Echézeaux erkennbar werden. Ja, das ist ein grosser Echézeaux – auch wenn er nicht von einer der Lagen mit grossem Namen innerhalb dieses Grand Cru stammt. Da ist ungemein viel Energie, der Wein geht und kommt wieder mit Wucht zurück. Ein ambivalentes Spiel, das nur ein grosser Wein kann. Langer Abgang!
Burgund 2013: Domaine Thibault Liger-Belair - Die besten Nuits ever!
Endlich komme ich dazu, meine restlichenNotizen der letzten Burgundreise auszuwerten. Hier meine Eindrücke von denWeinen Thibault Liger-Belairs. Wer genaueres zum Winzer und zu seinem Weingut erfahren möchte, der findet mehr Details im Portrait der Domaine.
Die Besuche und Degustationen bei Thibault sind immer ein Erlebnis. Ich kenne wirklich keinen anderen Winzer, der ein derart durchdachtes Konzept vom Weinbau bis zur Weinbereitung verfolgt. Es ist einfach beeindruckend, wie sich jedes Detail zum Ganzen zusammenfügt und man den Werdegang jedes einzelnen Weines nachvollziehen kann.
Kühlster Keller in Nuits
Im wohl kühlsten Keller von Nuits-Saint-Georges darf ich fast die gesamte „gamme“ des Jahrgangs 2013 von Thibault probieren, beginnend bei den Moulin-à-Vents. Während wir verkosten, gibt uns Thibault einen Überblick über das Jahr.
Der Hagel habe für eine natürliche Auslese gesorgt – und wenn man es positiv sehen wolle, damit qualitativ nachgeholfen. Erst seien solche „Eingriffe“ der Natur immer unschön, aber zur Erntezeit „hat es Spass gemacht, denn man sah, wie gut die eingebrachte Qualität war“, lässt sich Thibault zitieren und fügt zufrieden an: „2013 sind mir wohl die bis jetzt besten Nuits-Weine gelungen.“
Les Moulin-à-Vents
Das erste Deguglas füllt Thibault mit seinem Moulin-à-Vent „Les Rochaux“. Klares Rubin leuchtet im fahlen Kellerlicht. Die Nase ist nicht sehr ausdrucksstark, was aber der tiefen Temperatur des Weines geschuldet ist. Am Gaumen ist er würzig, leichtfüssig und persistent.
Mit dem Moulin-à-Vent Vieilles Vignes folgt ein Wein, der aus Trauben produziert wird, die 50 Meter über „Les Rochaux“ wachsen. Der Boden ist tiefer, er besteht aus „sable blanche“ und „granit rose“. Der Wein ist sehr reduktiv. Thibault gibt uns den Tipp, ins Glas zu pusten, worauf sich die Frucht in der Nase erahnen lässt. Unser Gastgeber merkt an, dass er den Wein blind für einen Syrah halten würde. Tatsächlich sind rote Früchte und viel Würze wahrnehmbar. Der Wein überzeugt durch gute Länge und viel Energie.
Der Moulin-à-Vent „La Roche“ drückt im Gegensatz dazu pure Mineralität aus. Der Wein ist sehr fokussiert und wirkt ungemein trinkanimierend.
Expressiver Générique und „Wow!“-Village
Mit dem Hautes-Côtes de Nuits „La Corvée de Villy“ wechseln wir zum Pinot. Der Wein ist wunderbar klar mit expressiver Frucht. Ein Terroir „très calcaire“ und 100 Prozent entrappte Trauben von 30-jährigen Stöcken bringen einen lebendigen, puren und von Mineralität geprägten Wein hervor.
Der Nuits-Saint-Georges „la Charmotte“ ist ein echter „Wow!“-Village aus dieser immer noch unterschätzten Gemeinde. Ein wunderbar texturierter Wein mit viel dunkler Frucht. Die Eleganz lässt an einen Vosne denken, und Ausgeglichenheit ist die wohl bestechendste Charaktereigenschaft dieses Weines.
Gevrey „aérien“ und ein Novum
Beim Gevrey-Chambertin „la Croix des Champs“ bin skeptisch, denn im Vorjahr vermochte mich der Wein aus dieser Village-Lage nicht zu begeistern. Doch mit dem 2013er haben wir einen klaren Step-up. Thibault hat es mit seiner bio-dynamischen Arbeitsweise geschafft, das Terroir allmählich wiederzubeleben. Frisch präsentiert sich der Wein. Er ist reichhaltig aber keinesfalls schwer, und wirkt deshalb „aérien“. Als wir Thibault auf die Säure als mögliche Ursache für die Frische ansprechen, werden wir eines Besseren belehrt: „Säure ist meiner Meinung nach eher ein Faktor, der die Struktur des Weines beeinflusst. Frische ist eher dann wahrnehmbar, wenn dem Wein aromatische Ausgeglichenheit zu Grunde liegt.“
Der Aloxe-Corton 1er Cru „la Toppe au Vert“ ist ein Novum für mich in Thibaults Keller. Der Wein stammt aus dem Herzen von Ladoix-Serrigny. Die Trauben wachsen auf einer glazialen Bruchhalde unterhalb von Corton-Vergennes, die über die Zeit mit Schwemmmaterial aufgefüllt worden ist, das gut 1 Meter Boden über der Kalkplatte bildet. „Un vin léger sans être maigre“ lautet die treffende Umschreibung durch Thibault. Unglaublich linear mit Wollust weckender Frucht und feiner Finesse, das ist mein persönliches Fazit.
Lieblings-Vosne und komplexer Chambolle
Und schon geht es zu meinem Lieblings-Village chez Thibault: Vosne Romanée „Aux Réas“. Ich kenne keinen anderen Rotwein, der ein klareres und besser verständliches Beispiel für Mineralität bietet. Dieser Village ist nicht leicht zu verstehen, aber wer sich seiner annimmt, dem eröffnet sich dieser unglaubliche Eindruck von Mineralität und Frische (im Sinne Thibaults: der aromatischen Ausgeglichenheit). Diese beiden Eigenschaften vermitteln einem ein unglaubliches Gefühl von Komplexität. Ich könnte hier noch lang von Schlankheit, Fokus oder anderen Eindrücken sprechen. Wichtiger ist: Man muss diesen Wein einfach probiert haben!
Der Chambolle-Musigny 1er Cru „les Gruenchers“ ist ein „vin de gorge“. Das Empfinden am Gaumen beim Degustieren wird linear verlängert. Es ist keine weitere Dimension oder Verlängerung im Abgang, es ist einfach der Wein der sich fortsetzt und fortsetzt im mundgefühl. Der Wein kommt nicht zu uns, wir müssen uns auf ihn zu bewegen, da er sich zurzeit in einem schwierigen Stadium befindet – ob dies an den erstmalig verwendeten 30 Prozent „vendanges entières“ liegt? Aber dann sind da die für Chambolle typischen „petit fruits rouges“, Feinheit und Eleganz, die sich im komplexen Wechselspiel um die Saftigkeit dieses Weines ranken.
Les Grand Crus
Und schon bewegen wir uns auf die Grand Crus des Kellers zu. Wir beginnen mit dem Charmes-Chambertin. 40 Prozent „vendanges entières“ sind spürbar. Dicht, mit einem leichten aber nicht störenden Grüntouch. Dieser Wein ist immer noch nicht mein Favorit im Keller Thibaults. . .
Wesentlich mehr spricht mich einer seiner intellektuellsten Weine an. Der Corton „les Renardes“ wächst zu zwei Dritteln auf einem praktisch reinen Kalk- und zu einem Drittel auf reicherem Boden. Das rote Rubin verbindet sich mit einer verführerischen, rotbeerigen Nase. Der Wein ist zurzeit sehr zurückhaltend. Seine Anlage ist aber zu erkennen, die insbesondere durch eine ungemeine Harmonie aller Komponenten und Eindrücke entsteht. Ein grosser Wein, der einen ins Sinnieren bringt!
Der Clos-Vougeot präsentiert sich chez Thibault in diesem Augenblick als absoluter Nasenwein. Man will gar nicht mehr aufhören, an dieser betörenden Kreszenz zu schnuppern, die einem in alle Richtungen entführt. Das Wechselspiel von roter und dunkler Frucht, von Erdigkeit und Mineralität führt Thibault auf die besondere Lage zurück. Die Parzelle Thibaults vereint drei Bodentypen, die sich durch den Clos-Vougeot ziehen und den Winzer so in die Lage versetzen, ein möglichst komplettes Bild der Lage zu zeichnen.
Grosses Finale
Sagte ich, wir befänden uns nun bei den Grand Crus? Ja, immer noch! Auch wenn wir jetzt den Nuits-Saint-Georges 1er Cru „Les Saint Georges“ verkosten. Es ist unstrittig, dass hier Grand-Cru-Qualität ins Glas kommt. Begreiflich, dass die Eigner dieser Lage seit längerem versuchen, die Aufstufung zum Grand Cru zu erwirken. Kräftiges Rubin mit dunkler Färbung. Das Glas muss gewärmt werden, um den Wein dazu zu verleiten, sich preis zu geben. Danach folgt Step-up nach Step-up. Es ist eine wunderbare Evolution, die abläuft. Der Wein wächst und wächst. Er legt fortwährend zu, um seine ganze Komplexität zu offenbaren. Länge, Energie, Leichtigkeit des Seins. Alles ist gegeben.
Als Finale folgt der Richebourg. Er stammt aus einer der ursprünglichen Parzellen der Grand-Cru-Lage. Diesen Wein in Worte fassen zu wollen, ist einfach zu viel verlangt. Er ist dermassen komplex und lang, dass es schwierig wird, ihm verbal gerecht zu werden. Glücklich, wer diesen Wein dereinst gereift im Glas haben wird!
Burgund 2013 (2): Domaine Bachelet - ein WOW-Erlebnis!
Ein weiteres Gut, das ich besuchen durfte war die Domaine Bachelet. An dieser Stelle nochmals meinen herzlichen Dank an Dominik und Stefan, die als langjährige Kunden dafür sorgten, dass ich ebenfalls an dieser Fassprobe teilnehmen durfte – und aller Voraussicht nach auch eine kleine Zuteilung erhalten werde, worauf ich mich jetzt schon sehr freue. Denis Bachelets 2013er haben mich total begeistert und berührt.
Wir klingeln an der Tür. Mit Monsieur Bachelet öffnet ein überaus sympathischer aber auch ruhiger und bedachter Mann die Türe und bittet uns herein. Man merkt, dass meine Begleiter und der Chef des Weinguts sich schon länger kennen. Entsprechend locker ist der Umgang und als ich dann voller Verzückung in der Degustation am Glas schnuppere ist der Maestro ebenso erfreut. Doch nun weiter im Text...
Die Domaine Bachelet ist mit etwas unter 4 Hektaren Fläche eher klein. Aber als umso grösser wird ihre Qualität unter Burgundkennern erachtet. Remington Norman zieht folgendes Fazit in seinem empfehlenswerten Buch „The great Domaines of Brugundy“: „Denis’ domaine may be short on hectares, but not on quality or commitment“ und Clive Coates’ Votum fällt nicht minder vielversprechend aus, in dem er die Domaine Bachelet als „(...) still essentially a one-man band“ bezeichnet, die aber „happily, (...) a perfectionistic and excellent one“ ist.
Ich kann diese Eindrücke nur bestätigen und habe folgende Momentaufnahmen aus dieser sehr bewegenden Degustation mitgenommen:
Der Burgogne Rouge präsentiert sich in einem schönen satten Rubinrot. Die Nase ist intensiv rotfruchtig. Am Gaumen ist der Wein fleischig und die Tannine spürbar – er wirkt auf mich sehr präzis und ist jede Suche wert.
Danach folgt der Haut Cotes de Nuits nahe Brochon. Klares dunkles Rubin. Sehr fruchtbetont und mit beeindruckender Statur. Ein toller Haut Cotes.
Mit dem Villages Gevrey-Chambertin Tres vieille vignes erreiche ich bereits ein WOW-Erlebnis! Dunkles Rubin leuchtet im Kellerlicht im Glas. Die Nase ist von enormer Tiefe und Würze geprägt, in der man sich verlieren kann. Diese Würze ist auch am Gaumen spürbar, und so dicht gepackt, dass man alleine aufgrund des Einklangs von Matière und Säure diesem Villages ein langes Leben prophezeit – Denis Bachelet ist denn auch der Meinung dass seine Villages nicht vor 10 Jahren getrunken werden sollten. Gekrönt wird dieser Auftritt von einer wunderbar samtigen und alles einhüllenden Textur, die diesem Wein auch eine feminine Seite unter all der Energie attestiert.
Gevrey-Chambertin les Evocelles bedeutet seit kurzem eine Erweiterung des Gutes – die auch zurückzuführen ist auf die Mitarbeit von Denis’ Sohn. Helleres klares Rubin unterschiedet diesen Wein schon optisch von den bisher probierten. Dieser lieu-dit liegt am Nordrand auf dem Brochonhügel oberhalb dem 1er Cru Champeaux und in der Verlängerung des Les Goulots. Das mag auch seine luftigere Art erklären. Mineralisch-kalkig ist das empfinden und pure Eleganz kommt durch seine bekömmliche leichte Art zum Ausdruck. Viel rote glockenklare Frucht, lässt diesen Wein in diesem jugendlcihen Stadium ungemein attraktiv erscheinen.
Kann man auf solch einen Villages noch etwas draufsetzen? Denis Bachelet kann: Gevrey-Chambertin 1er Cru les Corbeaux. Dunkel leuchtend fliesst der Degustationsschluck von der Pipette ins Glas. So unglaublich es klingen mag, dieser 1er Cru präsentiert sich noch tiefgehender und präziser in der nasalen Wahrnehmung als der Villages – da ist sehr viel Fokussiertheit. Die Säure ist zum aktuellen Zeitpunkt spürbarer und verleiht dem Corbeaux mehr Lebendigkeit. Und trotzdem sind die Tannine präsenter fühlbar und verleihen grosse Struktur. Rot- und dunkelfruchtig, likörig-süss im besten Sinne, erscheint mir Bachelet’s Wein in diesem Moment.
Die Krönung in der „Gamme“ der Domaine stellt Bachelets Charmes-Chambertin dar. In dunklem Rubin liegt der Wein im Glas. Kaum halte ich die Nase ans Glas erscheint mir dieser Wein majestätisch und ich denke an „tief, gewaltig und riesig“. Der Wein eingepackt in einen Umhang aus Samt und Seide. Verführerisch rankt er sich um den Gaumen und nimmt ihn in Beschlag – besetzt jeden Winkel mit einer Masse an feinen Tanninen. Mit all seiner Grösse ist er dennoch nicht überbordend. Mineralität und Säure verleihen Frische und Zielgerichtetheit trotz der vielen Masse und lassen diesen Charmes-Chambertin extrem straight und präzis auftreten, ehe das Gefühl eines Wahnsinnsvolumen ohne Plumpheit oder Schwere zurückkehrt. Ein dicht gepackter, wahrer Grand Cru aus Gevrey-Chambertin!
Burgund 2013: Jahrgang der klaren Definition des Terroirs und der Climats
Burgund: Das bedeutet liebe Menschen zu treffen, gutes Essen zu geniessen und ‑ wie es der Titel dieses Blogs ausdrückt ‑ sich um Erkenntnis in Sachen Pinot Noir zu bemühen. Nirgends geht das besser als in der Gegend, in der diese Traubensorte auch wirklich zu Hause ist, und wo sie die beeindruckendsten, atemberaubendsten Ergebnisse hervorbringt. Kürzlich weilte ich wieder in “meinem“ geliebten Burgund und verkostete den kommenden Jahrgang 2013 als Fassproben.
In drei Tagen besuchten wir einige Winzer. Einzelne von ihnen und ihre Kreszenzen aus dem Jahr 2013 möchte ich vorstellen. Ich werde meine Eindrücke und Kommentare dazu in loser Reihenfolge veröffentlichen. Damit möchte ich einerseits meine Erfahrungen vor Ort verarbeiten. Anderseits ist es wie immer mein Ziel, Meinungen von anderen «Pinotphilen» einzuholen, die diesen Jahrgang ebenfalls schon verkostet haben.
Für einmal der Jahrgang
Ich bin kein Fan von Generalisierungen zur Qualität einzelner Jahrgänge. Des Winzers Hand spielt ja bekanntlich eine nicht zu unterschätzende Rolle für die Interpretation der jeweiligen Klima-/Jahrgangs- und Terroirbedingungen – schlussendlich zu ersehen im Erzeugnis.
Dennoch kann ich nach meinen Gesprächen mit den Winzern folgendes festhalten: 2013 forderte die Erzeuger mit einem sehr schwierigen Verlauf der Witterung heraus. Das kühle Jahr brachte eine lange Vegetationsperiode, die in einer nicht allzu leichten Lese unter teils regnerischen Bedingungen endete.
Doch wer sein Handwerk versteht, der hat wunderbare Ergebnisse erzielen können, die den Liebhaber terroirdefinierter Burgunder begeistern werden. Den Charakter der 13er Weine im Vergleich mit den hochgelobten 12ern hat wohl Pierre-Yves Colin-Morey am besten beschrieben: „ Ils (die 2013er) sont un peu plus vifs, avec plus de minéralité et de fraîcheur.“ Fragt man Colin-Morey nach einem 2013 vergleichbaren Jahrgang, so fühlt er sich bei den Weissweinen an die Kreszenzen aus 2007 erinnert.
Frische und Schlankheit
Das beeindruckende an 2013 ist nicht die – für 2012 typische – Harmonie der Einzelteile, die sich perfekt zusammenfügen und so wunderbar ausgewogene Weine ergeben, die mit ihrer inneren Geschlossenheit die Sinne berühren. Der Jahrgang 2013 lebt vielmehr von seiner Frische, Grazie und Eleganz.
Diese Schlankheit hat während der Degustation ab Fass eine Unterscheidbarkeit der Terroirs und ihrer Climats ermöglicht, wie ich sie in dieser Klarheit noch nie erlebt hatte. Es sind Weine von ungemeiner Klarheit und Brillanz entstanden, die – mindestens in diesem Stadium, aber vermutlich auch auf der Flasche – ihren Charakter und ihre Herkunft wiederspiegeln.
Klare Definition dank kühlem Verlauf
Ich denke, dieser bei allen Weinen der besuchten Domänen feststellbare Charakter ist zu einem grossen Teil dem kühlen Jahr zu verdanken. Solche Klimabedingungen begünstigen die klare Definition der Weine ungemein und tragen so dazu bei, dass die Terroirs und die Arbeit des Winzers derart eindeutig zum Ausdruck kommen. Dies haben mir die Produzenten denn auch durchs Band bestätigt.
Fazit: Wer vom Terroir definierte Weine mit einer klaren Erkennbarkeit respektive Unterscheidbarkeit zwischen den „climats“, Frische und fühlbaren Eleganz bevorzugt, der wird vom Jahrgang 2013 sicherlich einiges in Burgund finden.
Mugneret-Gibourg – Vosne klassisch
Doch kommen wir nun zur ersten Vorstellung: Wir befinden uns auf der Domaine Mugneret-Gibourg in Vosne-Romanée. Marie-Andrée Mugneret geleitet uns persönlich durch den Keller. Kurz und knapp spricht auch sie von einem kühlen Jahr, das eine langsame malolaktische Gärung erfordert und ein hohes Niveau der Säure erbracht habe.
Als erstes verkosten wir den Vosne-Romanée Village, der einfach nur „très Vosne“ ist. In der Nase verrät der Wein sofort seine Herkunft, und am Gaumen ist er ein bekömmlich klarer Village. Klares Rubinrot, rotfruchtig mit typischer Vosne-Würze. Der Gaumen ist angenehm fokussiert, direkt, hat eine gute Säure und bietet ein tolles mineralisches Feeling.
Darauf gibt uns Madame Mugneret den Nuits Saint Georges 1er Cru Les Chaignots zur Degustation. Diese Lage liegt im Norden der Appellation und zeigt dies auch unmissverständlich auf: Luftig-schlank ist dieser Wein, um einiges fokussierter als der vorhergehende. Er vereint seinen Nuits-Charakter mit einem Hauch Würze, der wohl seiner Nähe zu Vosne geschuldet ist. Ein grosser Nuits!
Mit dem Chambolle-Musigny 1er Cru les Feusselottes kommt ein Wein in hellem, lichten Rubin ins Glas. Die Nase ist sehr elegant und lässt den Verkoster Kirsche sowie Rose auf eine sehr vornehme Art erahnen. Das Gefühl einer ungemein feinen Textur spannt sich im Gaumen auf und wird von viel Mineralität unterstützt. So wirkt dieser Wein trotz – oder gerade wegen – seiner vornehm schlanken Art in Kombination mit den vorangegangenen Sensationen ungemein komplex.
Der Echézeaux ist eher schwierig zu fassen in diesem Stadium. Sehr viel Würze, also „épice“, liegt in der Nase. Viel Frucht ist da. Aber auch hier ragt, trotz einer gewissen Zurückgezogenheit, die Mineralität heraus. Sie verleiht dem Wein Trinkfluss. Viel Frische und ein langer Abgang lassen ihn am Gaumen komplex-weitgreifend werden.
„Ruchottes-Chambertin“, sagt Marie-Andrée, während sie unsere Gläser erneut füllt. Die Trauben junger Reben, die bisher separat für den Gevrey 1er Cru verwendet wurden, sind 2013 in diesem Grand Cru mit denjenigen alter Reben assembliert. Da ist Fleischigkeit, da ist das Gevrey-Gefühl. Dazu viel Mineralität, die für dieses Terroir so typisch ist, das am Nordende auf den anderen Grand Crus von Gevrey trohnt. Ein grosser Wein, der sehr lang mit angenehmer Adstringenz endet. Der grosse Henri Jayer habe seinerzeit diesen Cru als „Gevrey aus Vosne“ bezeichnet.
Clos Vougeot ist ein ganz anderes Kaliber. Die Parzelle der Mugnerets grenzt nördlich an das Climat „Musigni“ unterhalb der Strasse, die zum Château du Clos de Vougeot führt. Sie liegt zwischen den Parzellen von Méo-Camuzet und der Domaine Lamarche. Dieser Wein suggeriert von Beginn weg viel Tiefe, was seine Erdverbundenheit unterstreicht. Das ist eines der Beispiele, die den Grand Cru Vougeot als das zeigen, was er ist: ein grosser Wein, imperativ und trotzdem von ergreifender Eleganz unter viel dunkler Frucht – wunderbare „ampleur“!
Zumindest für eine kleine Verkostungsnotiz reicht es. Letzthin wieder mal einen kleinen Grossen im Glas gehabt aus den Sphären der Regionaux.
Der Bourgogne blanc 2012 von Francois Carillon besticht durch helles Gelb im Glas. Die Nase ist von Anfang an sehr expressiv. Wenn ich einen Duft benennen muss, sind es sofort weisse Blüten und Lindenblüten an die ich denke. Ich finde diesen Duft absolut bestechend und charakteristisch für die Weissen Burgunder aus diesem Haus, was sie auch immer wieder von anderen Kreuzenden aus der Gemeinde Puligny-Montrachet abhebt. Der Gaumen ist sehr präsent und von viel Frische geprägt. Trotz dieser Frische ist für diesen Basiswein einiges an Substanz spürbar. Einfach, lecker, gut. Ein Wein, den ich jederzeit wieder gern im Glas haben werde.
Rossignol-Trapet 2008: Ein Village mit zurückhaltender Kraft
Und bevor ich überhaupt dazu komme in die Tasten zu hauen, haut mir Raphi den nächsten Beitrag rein. Naja gelernt ist halt gelernt und mein lieber Freund ist als ehemaliger Tagiredaktor halt schon einiges schneller als ich mit der Schreibe.
Drum voilà, das nächste 'raphische Traktat diesmal zu einem Wein von Rossignol-Trapet...
Rossignol-Trapet ist ein Name, der in Gevrey-Chambertin etwas im Schatten von Domänen wie Fourrier, Rousseau oder Trapet steht. Als ich kürzlich zwei Kisten Bordoo in einem meiner ausserhäusigen Plaesuredomes verstaute, musste ich auch mindestens eine andere Kiste wieder rausnehmen und in meinen klimatisch alles andere als optimalen Keller verschieben - der Besitzer ist sehr darauf bedacht, dass die Belegung seines Weinklimaschranks (in dem erst noch mein Rumtopf vor sich hin zieht) durch mich nicht überbordet.
Ich entschied mich für die Kiste Gevrey-Chambertin Vieilles-Vignes 2008 von Rossignol-Trapet. Ein Village dieses Jahrgangs könnte schon antrinkbar sein, so meine Überlegung. Eine Flasche schenkte ich dem Schrankbesitzer quasi als Mietzins.
Viel Schwarztee zu Beginn
Ein paar Tage später standen Tournedos Curnonsky auf dem Menuplan. Das Kochbuch empfiehlt dazu einen Chambertin-Clos de Bèze. Weil sich ein solcher in meinem Bestand nicht befindet und keiner meiner ganz wenigen Grand Crus aus dem Chambertin-Gebiet trinkreif ist, entschloss ich mich, den Village 08 von Rossignol-Trapet zu probieren.
Ich öffnete die Flasche, deren Etikette das Demeter-Label ziert, am Morgen, goss den Wein zum Belüften in eine Karaffe und nach einer Stunde wieder in die Flasche. Beim ersten Probieren roch ich viel Schwarztee, ansonsten erschien mir der Gevrey-Chambertin eher schwachbrüstig, nicht mehr als guter Durchschnitt.
Engmaschig gewoben
Am Abend nahm ich ihn vor, zu und nach dem Essen etwas genauer unter die Lupe: Helles Granatrot. Eher verhaltene Nase mit Schwarztee, Himbeere und Kirsche, leicht würzig. Im Gaumen eine saubere Frucht mit den schon in der Nase festgestellten Aromen, dazu wieder Tee, etwas Menthol.
Der Wein ist elegant und drängt sich nicht auf. Im hinteren Gaumen zeigt er dem Liebhaber mit seinen engmaschig gewoben, feinen Tanninen eine zwar zurückhaltende, aber dennoch präsente Kraft. Ich meine, auch ganz wenig Frucht- oder Glycerinsüsse auszumachen. Der Abgang ist mittellang. Ich habe einen feinen Village im Glas, der jetzt getrunken werden kann, aber ohne Probleme noch ein paar Jährchen reift.
Die Domaine Rossignol-Trapet arbeitet biodynamisch und hat eine breite Palette von Grand Crus, 1er Crus, Villages und Géneriques aus den Appellationen Gevrey-Chambertin, Beaune und Savigny-les-Beaune. Geführt wird sie von Nicolas und David Rossignol, den Söhnen von Jacques Rossignol und Mado Trapet. Die Eltern stammen beide aus alten Burgunder Winzerfamilien mit Ursprüngen in Volnay und Chambolle-Musigny. Sie waren bis 1989 auf der Domaine Louis Trapet beschäftigt.
Acht lieux-dits
Der Gevrey-Chambertin Vieilles-Vignes ist eine Cuvée von Pinots aus den über das Gemeindegebiet verstreuten lieux-dits „En Combe“, „Clos de Combe“, „les Crais", „Justice", „Grandes Raies", „Clos de l’Arche“, „Fourneaux“ und „Croix des Champs“ mit drei verschiedenen Bodentypen. Die Reben sind im Durchschnitt 50 Jahre alt. Diese Kraft und Tiefe des Alters tut dem Wein gut.
Bonnes-Mares: Perfekte Balance und ein grosser Fehler
Na wenn das kein Hinweis ist. Lange nicht mehr geschrieben und da flattert eine Mail von meinem Kumpel Raphi rein. Wenn ich schon nichts schreibe zur Zeit, will ich euch sein letztes Burgunder-Erlebnis nicht vorenthalten - danke Raphi (das muss ein Zeichen sein, denn die Weine schmecken einfach nochmals besser, wenn man sich im Nachhinein nochmals mit ihnen auseinandersetzt)! Viel Spass mit einem der grossen Namen und Terroirs aus Burgund...
Ein wahres Schnäppchen sei das, sagt Sommelière Veronika. Sie hält eine Flasche Bonnes-Mares 2001 von der Domaine Comte Georges de Vogüé in der Hand. Vier davon sind im – vor allem mit österreichischen Weinen – sehr gut bestückten Keller des Familienhotels Alpenrose in Lermoos (Tirol) noch vorhanden.
In der zu einer interessanten Degustation (ohne den Bonnes-Mares) versammelten Runde schütteln die einen ob des Preises den Kopf. Natürlich ist der Burgunder Grand Cru mit 198 Euro kein günstiger Wein. Der Preis ist allerdings in Relation zu den im Handel verlangten Summen (laut wine-searcher.com im Durchschnitt 334 Franken) zu sehen.
Uns ist der Bonnes-Mares bzw. sein vor allem für ein Hotel/Restaurant sehr fair kalkulierter Preis schon zu Beginn der Ferienwoche ins Auge gestochen. Allerdings trinken auch wir nicht alle Tage solch hochdotierte Weine. Es braucht einige Worte unter uns und mit Sommelier Marco sowie eine kleine Recherche auf den einschlägigen Wein-Sites, bis wir uns entscheiden, den Grand Cru zu bestellen. Die Tatsache, dass sich auf unserem Gästekonto Alpenrose-Treuepunkte ziemlich genau im Wert des Weins angesammelt haben, erleichtert uns die Ausgabe. Auf Marcos Rat hin bitten wir Hoteldirektor Volker, den Kork am Vorabend zu ziehen.
Die Flasche stammt aus der Réserve numéroté und trägt die Nummer 00082. Auf dem Etikett ist auch der Importeur, A. Gottardi in Innsbruck, abgedruckt und das Adjektiv „trocken“ (aha!). Marco schenkt den Wein in ein Bourgogne-Grand-Cru-Glas aus Riedels Restaurant-Linie ein. Der Pinot zeigt sich in mittlerem Rubin und leichtem Ziegelrot zum Wasserrand hin.
Die Nase ist zuerst etwas verhalten. Als sie sich öffnet, zeigt sie dunkle Frucht (Kirsche), Graphit, etwas Mokka und eine gewisse Würze (Liebstöckel). Reifetöne sind nur minim vorhanden. Im mittelkräftigen Gaumen finden wir eine wunderbar klare Frucht von Sauerkirsche. Perfekt eingebundenes Tannin schmirgelt die Zunge mit einer sehr feinen Körnung, die frische Säure sorgt für einen schönen Trinkfluss.
Der Bonnes-Mares bietet eine Balance, wie man sie leider viel zu selten antrifft. „Sehr fein“ ist der Kommentar meiner Zartesten, die sich als sozialisationsgeprägte Liebhaberin tannin- und säurereicher Italienerweine sonst gern abschätzig über die „Scheissfranzosen“ äussert. Langsam geniessen wir drei Viertel des Burgunders zu gebratenem Steirer Vulcano-Schwein. Dann bitten wir Marco, die Flasche zu verkorken und für den nächsten Abend bereitzuhalten.
Das hätten wir besser unterlassen. Die Frucht ist beim zweiten Verkosten weg und damit auch die perfekte Harmonie im Gaumen. Die Nase wirkt reifer und würziger. „Da hat es viel Maggikraut“, sagt Marco, dem wir ein Glas zur Beurteilung angeboten haben. Der Liebstöckel ist also noch da, aber er ist dominant geworden.
Darum: Wer noch ein paar Flaschen des Bonnes-Mares 2001 von Comte de Vogüé im Keller hat, sollte wohl nicht mehr allzulange zuwarten, bis er sie öffnet. Und das Fläschgen nicht an einem Abend leerzutrinken, wäre ein grosser Fehler.
Meine lieben Freunde Anja und Stefan brachten mir als Mitbringsel zwei Flaschen Batard-Montrachet aus Burgund mit. Als Echtheitsbeweis gab es noch das original Herstellungsvideo dazu! Herrlich zu sehen, wie auf der Domaine Paul Pernot et ses fils meine Flaschen berietgestellt wurden!