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In den wenigen Nächten, in denen sie von ihrer guten Freundin Tamara getrennt war, hatte sie zwar nicht vor Angst geschlottert, aber sie war sehr schreckhaft und angespannt gewesen. War Leigh alleine im Haus, so verbrachte sie ihre Zeit damit, immer wieder nachzuprüfen, ob alle Fenster und Türen verschlossen waren. Die Brünette war es nicht gewohnt so zu leben. Beim Gedanken an die Nacht, die vor ihr lag, wurde ihr das Herz ganz schwer.
Ehe die Kellnerin aus dem Auto stieg, lies sie ihren Blick wachsam durch ihren Garten gleiten, wobei sie froh darüber war, dass sie daran gedacht hatte, die Außenbeleuchtung anzuschalten, ehe sie ins Andersons Bar & Grill fuhr. Normalerweise kam Lily immer angelaufen, wenn die Vierbeinern ihre Besitzerin nach langer Abwesenheit erblickte, denn diese will dann ganz schnell ins Haus um etwas zum Knabbern zu bekommen, aber in dieser Nacht war sie wohl irgendwo in den Wäldern auf Jagd. Noch im Auto suchte die zierliche Frau ihre Haustürschlüssel aus der Handtasche heraus, der an einem großen Schlüsselbund hing. Dann hastete sie mit großen Schritten zur Vordertür, steckte den Schlüssel ins Schloss, drehte ihn um, ran quasi ins Haus, knallte die Tür hinter sich zu um diese sofort wieder zu verriegeln. So kann man nicht leben, dachte sie und schüttelte verzweifelt den Kopf. Sie hatte den Gedanken noch nicht zu Ende gedacht, da schlug etwas Kräftiges, mit einem dumpfen Aufprall gegen die Tür. Ein überraschter Schrei fuhr ihr über ihre weichen Lippen. Sie rannte zum schnurlosen Telefon beim Sofa und tippte mit zitternden Fingern die Nummer ihres Vorgesetzten, ihr viel in diesem Moment einfach keine bessere Person ein, während sie gleichzeitig im Zimmer hin- und herlief und sämtliche Jalousien herunterließ. Was, wenn er noch auf der Arbeit war? Er war immer der letzte, der den Laden verließ. Aber Leighton erwischte ihn, als er gerade zur Tür hereinkam. „Ja?“ Er klang immer so misstrauisch, wenn er ans Telefon ging. „Dave.“ keuchte sie völlig verängstigt. „Hier draußen ist irgendetwas!“ Kommentarlos knallte er den Hörer auf die Gabel. Man konnte sich immer auf ihn verlassen. Innerhalb von fünfzehn Minuten war er da. Sie spähte durch einer der Jalousien, und erkannte ihn mitten in ihrem Garten. Die Erleichterung die sie bei seinem Anblick verspürte, war überwältigend. Eine Sekunde lang schämte sie sich dafür, dass sie ihn gerufen hatte – mit dieser Situation hätte sie alleine klar kommen müssen! Dave suchte den Garten und das Wäldchen ab. Irgendwann beugte er sich über etwas, was auf der vorderen Veranda lag. Der Winkel war zu spitz, sie konnte nicht sehen, was es war. Als er sich dann aufrichtete, hielte er etwas in Händen, und seine Miene war… undurchdringlich. Das war ganz und gar kein gutes Zeichen. Widerstrebend ging sie, um die Vordertür zu öffnen. Sie drückte auch die Fliegentür auf. Und da sah sie ihn, mit ihrer Katze in den Händen. „Lily?“ sprach die Engländerin und hörte, wie ihre Stimme zu versagen schien. „Ist sie tot?“ Er nickte, eine einzige, winzige Bewegung mit dem Kopf. „Was… wie?“ „Erwürgt glaube ich.“ Ihr Gesicht zerfiel förmlich in tausend Stücke. Sie weinte sich die Seele aus dem Leib.