Ich kann nicht sterben, ohne mich, zufrieden und heiter, wie ich bin, mit der ganzen Welt, und somit auch auch, vor allen Anderen, meine theuerste Ulrike, mit dir versöhnt zu haben. Laß sie mich, die strenge Äußerung, die in dem Briefe an die Kleistin enthalten ist laß sie mich zurücknehmen; wirklich, du hast an mir gethan, ich sage nicht, was in Kräften einer Schwester, sondern in Kräften eines Menschen stand, um mich zu retten: die Wahrheit ist, daß mir auf Erden nicht zu helfen war. Und nun lebe wohl; möge dir der Himmel einen Tod schenken, nur halb an Freunde und unaussprechlicher Heiterkeit dem meinigen gleich: das ist der herzlichste und innigste Wunsch den ich für dich aufzubringen weiß.
Dein Heinrich.
[unten links:] Stimmings bei Potsdam d. — am Morgen meines Todes
Heinrich von Kleist hat sich (zusammen mit der wahrscheinlich an Krebs erkrankten Henriette Vogel) heute vor 208 Jahren, am 21. November 1811, am kleinen Wannsee bei (heute in) Berlin erschossen. Er ist 34 Jahre alt geworden.
Die letzten zehn Jahre seines Lebens waren von Stimmungsschwankungen, Zusammenbrüchen, langen depressiven aber auch vielen arbeitsintensiven, kreativen und hochmotivierten Phasen bestimmt (quasi alle seine Werke sind in diesen Jahren entstanden). Das und einiges andere deutet darauf hin, dass er bipolar gewesen sein könnte - eine Krankheit, die, unbehandelt und auch besonders im Alter zwischen 25 und 40 Jahren, die tödlichste unter den psychischen Krankheiten ist.
Sein Geburtstag (der 10. Oktober) fällt seit 1992 auf den World Mental Health Day - wohl ein Zufall wenn kein Schicksal; denn egal, was er am Ende nun wirklich gehabt hat - hätte er Zugang zu einer psychischen Gesundheitsversorgung gehabt und hätte er dann auch noch in einer Gesellschaft gelebt, die psychisch Erkrankte nicht stigmatisiert, psychisch Erkrankten nicht die Schuld an ihren Krankheiten gibt, dann hätte er wohl ein noch etwas längeres und lebenswerteres Leben haben können.
Weil jedem auf Erden zu helfen sein sollte ♥














