Ein emotionaler Tag
Heribert hat es die vergangenen 11.000 Kilometer wirklich gut mit uns gemeint und keine Zicken gemacht. Heute aber leuchtete dan die Abgaswarnleuchte, gerade als wir zum unserem Tages-Roadtrip aufbrechen wollten. Die Werkstatt im 30 Kilometer entfernten Otta bot uns dann erstmal ein 60-minütiges Zeitfenster 3 Tage später am Freitag an. Ob der Fehler dann direkt behoben werden könnte sei möglich, wenn keine Teile bestellt werden müssen. Das würde unseres Plan für diese Woche ziemlich durcheinander bringen - ein Stopp ist immer dann schön wenn er freiwillig ist.
Dank einem hilfreichem Mechanikerteam und vermutlich meinem mitleidserregendem Blick, könne der Bus dann aber eine Stunde später doch kurz ausgelesen werden. Dann sehe man weiter. Das Glück war uns hold und der Fehlercode deutete auf eine defekte Glühkerze hin, das Testgerät bestätigte dass dann. Die Kerze wurde ausgetauscht und es ging noch auf die Tagestour.
Auf den 310 Kilometern prasselten nun die Eindrücke nur so auf uns ein und zusammen mit denen der Vortage überfordernden sie nahezu. Zwischenzeitlich waren wir der Verzweiflung nahe als unsere einzige Kreditkarte verloren schien. Sie muss mir beim Verstauen und Herausholen des Objektivdeckels irgendwo bei den an diesem Tag getätigten 187 Bildern aus der Hosentasche gefallen sein.
Bereits 6 Stunden von geplanten 8 Stunden unterwegs gab es so aber trotzdem keine Alternative als die gleiche Strecke zurück zu fahren, da die Mautstraße vor uns, die den einzige Weg darstellt die Runde zu vollenden, nur mit Kreditkarte bezahlt werden kann. Einige Zeit später - wir hatten bereits zwei Fotoplätze nach der Karte abgesucht - finden wir die Karte am gewohnten Platz. Meine Beifahrerin hatte sie übersehen. Ein paar Tränen fließen… es ist einfach zu viel.
Wir haben haben unglaublich viel gesehen, viel neues erlebt. In so kurzer Zeit. Wir wohnen auf engem Raum. Meine Launen sind seltener wie Zuhause, aber auch hier nicht abwesend. Wenig Erlebnisse sind schlecht oder negativ - doch trotzdem strengen sie an. Irgendwann zwischendurch brach das bei uns beiden mal raus. Ich erinnere mich an das zerstörte Objektiv… das war mein Moment. Das ist nun ihrer.
Wir drücken uns, raufen uns auf. Alles ist gut, die Karte ist da.
Der Abend wird magisch enden! Erst treffen wir auf zwei Elche, später, der Mond steht schon am Himmel, entdecken wir eine kleine Gruppe Rentiere. Wir sind mitten im Valdresflye - einer Landschaftsroute im Nirgendwo.
Rasch parken wir auf dem nächsten Parkplatz. Ich schnappe mir die Kamera und spurte geduckt erst endlang der Straße dann im Hang und nutze die hügelige Landschaft als Deckung. Die Rentiere - sehr scheue Tiere ähnlich unseren Rehen (glaube ich) - nur noch knapp 100 Meter entfernt. Das muss reichen. Ich gehe in die Hocke und warte mit dem Auge am Sucher der Kamera.
Erst schienen sie die Straße passieren zu wollen aber dann drehen sie in meine Richtung und kommen näher. Plötzlich und im Sekunden Takt werden es gleichzeitig auf allen Seiten mehr Tiere und sie kommen weiter näher. Sie müssen wie ich durch die Hügel versteckt gewesen sein. Ich befinde mich nun umgeben von knapp 100 Rentiere nur noch 5-15 Meter entfernt zu ihnen. Ein Bulle sieht mich - hält inne. Immer mehr Rentiere sehen mich aber weichen nicht.
Ein grandioser Moment. Später erinnern wir uns daran dass der Guide auf der Moschusochsen-Safari erzählte das Rentiere der Kontrast um unsere Augen beängstigt. Färbt man das Gesicht eintönig („like a Disk“), möglichst kontrastarm, so wäre das die beste Art für Rentiere nicht bedrohlich zu wirken. Die Kamera wird genau diesen Zweck erfüllt haben.
Das Glück war uns heute hold, morgen müssen wir unserem Schutzengel schonen.













