für Ricardo Spindola, den Puppenspieler
Quacksalber, die vor die Hunde gehen
1.
Maximilian Herberger ist einer der Rechtstheoretiker, der ein Quacksalber ist, der vor die Hunde ging - und immer schön dogmatisch blieb. Vor die Hunde gehen, d.i. 'Erfahrung machen'.
Bevor die Muppets Show den Quack, that's gone to the dogs zu einer wichtigen Figur der Rechts- und Regenstheorie um 1980 gemacht hatte, war alles schon lange angelegt, um das zu können, was die Muppets machen. Der New Yorker Dr. Bob Quack aus der Muppetsshow kommentiert das Bürgerliche Gesetzbuch so wie der deutsche Jurist Professor Friedrich Rudolf Quack, beide jeweils aus torkelnder Entfernung. Der eine kommentiert schon das Sprechen, das Tafeln, Gestikulieren und Salben, bevor die Studentinnen und Studenten auch nur das erste Mal eine Anfängerübung besuchen und ernsthaft daran gedacht haben, bürgerlich oder gesetzlich zu werden, das ist der Dr. Bob Quack aus der Muppetsshow, der kleine Quack, that's gone to the dogs.
Der andere, der Prof. Friedrich Rudolf Quack durfte zwar im Münchner Kommentar mitschreiben, trug damit aber auch das Risiko, im Leben zu spät zu kommen und bestraft zu werden, oder mit thrakisch lachenden Studentinnen und Studenten belohnt, beloved, belawt, belauert, beladen, betrachtet: also gerichtet und geregt zu werden.
Das Wissen funktioniert automatisch, dafür braucht man weder Zettelkästen noch Puppen, weder Deleuze noch Luhmann. Durch das Automatische verschwinden weder die Subjekte noch die Objekte, auch nicht Handlungen und Behandlungen, nicht die Treaties, nicht die Lateran Treaties und nicht die Art und Weise, wie Maximilian Herberger die Geschichte der Dogmatik als Geschichte der Mediziner und Salber rekonstruiert. Mit einem Blick auf das Automatische wird der Blick nicht besser. Mit dem Blick auf das Maschinelle und Sekundäre, der einen auf archronologisch geschichteten Material sitzenden und diesem Material triebhaft verflochten Blick involviert, sieht man nicht besser, aber servierender und versierter, mithin wendiger.
Dass man zwischen Herbergers Dogmatik, die Erfahrungswissenschaft und Erfahrungstechnik ist, mit Leichtigkeit eine Verbindung zu den Muppets, zu the Quacks two bodies, zu Warburg oder aber zu Deleuzes kleinem Text über die zwei Systeme der Verrückten herstellen kann, ist nicht unbedingt selbstverständlich, verständlich ist es schon und beständig nur in einer Anzahl der Operationen, die diese Verbindung ständig hält. So eine Assoziation kann automatisch sein, das schließt ihre Freiheit nicht aus. Sie kann unbeständig sein, das schließt ihre vorübergehende Existenz nicht aus, auch nicht flugs aktualisierendes und darin auch passioniertes cogito. Dass so eine Assoziation selbstverständlich sein kann und man sie als selbstreferentiell betrachten kann, ist auch nicht ausgeschlossen. Die Kritik am Dogma der großen Trennung, am Begriff der Selbstreferenz und der Ausdifferenzierung soll insoweit nichts widerlegen. Ihre Kritik ist Technik, kriseln,kreischen, kreisen zu lassen, also bolische Übersetzung für unbeständige Verhältnisse wahrzunehmen und auszuüben, immer so, dass nach der Differenzierung vor der Differenzierung bleibt.
Salben ist eine juridische Kulturtechnik, die nicht nur mit dem Dämon des Selben hadert, sondern auch mit dem Nikodemus des Selben, weil sie mit dem achronologische geschichteten Material hadert, dem man triebhaft verflochten aufsitzt. Wenn die ewige Wiederkehr des Gleichen feststehen würde, müsste Kalenderführung einen nicht beunruhigen, tut sie aber zu recht ganz rege.
2.
Muss ich verzählen, vertellern, auftischen oder erzählen, dass Quack jr. in Passau studierte, vor allem, indem er gut Klavier gespielt hat? Denkt wirklich jemand, dass ich einfallsreich wäre und mir jemals etwas ausgedacht hätte? Ich erfinde grundsätzlich nichts, sonst würde ich Fiktionen und Kontrafakturen doch nicht historisch und materialistisch verstehen. Ich kreuze und pendel und protokollier das alles nur, falls mein Gedächtnis doch kurz oder stolz ist, habe ich zur Sicherheit den Zettelkasten und zwei Speicherorte.
In einer Episode, natürlich der mit James Bond, dem Agenten, behandelt der Quack einen Patienten, den er in deutlicher und deutscher Fassung wie folgt beschreibt:
Nicht jeder Mann mit Hörnern wie der/ ist ein Wikinger.
Natürlich nicht. Das kann auch ein Sündenbock, ein geiler Bock, ein Moses, ein Julius II. und sogar Ernst Cassirer sein










