Gedankenkotze
In der Schule lächelt sie und lacht. Sie macht Scherze. Zuhause neckt sie die anderen, strahlt und erzählt davon wie toll ihr Leben ist. Ihren Freunden hilft sie, kann in ihnen lesen. Sieht sofort, wenn ihnen was fehlt, bietet ihnen Hilfe an, hört ihnen zu. Sie ist ein aufgeschlossenes Mädchen, freundlich und höflich. Vor Fremden schüchtern und ruhig, doch vor Freunden, der gute Laune Macher.
Doch niemand sieht den Schmerz in ihren Augen. Niemand sieht, dass der Glanz in ihren Augen eigentlich doch nur eine Träne ist. Mit keinem kann sie reden. Wer sollte sie schon verstehen? Die Stimmen haben recht. Niemand wird ihr glauben, niemand kann ihr helfen, sie ist allein.
Nach der Schule geht sie in ihr Zimmer, schließt die Tür. Kann endlich die Maske fallen lassen, kann endlich sie selbst sein. Sie lässt sich die Tür runter rutschen, lässt den Kopf sinken, die Tränen kommen. Sie zittert. Sie schreit in sich rein, brüllt die Stimmen an. Sie sollen endlich schweigen. Doch sie sind lauter und sie haben recht. All die Vorwürfe. Sie stimmen. Warum hat sie wieder was gegessen? Warum hat sie wieder Aufmerksamkeit gesucht? Warum hat sie wieder gehofft, dass jemand sieht, dass sie Hilfe braucht? Das war falsch. Sie ist schlecht. Das darf sie nicht. Sie muss abnehmen. Essen verboten. Sie muss lachen und glücklich sein. Darf nicht entdeckt werden. Niemand darf sich Sorgen machen. Es sind ihre Probleme. Da muss sie alleine durch.
Sie kann nicht mehr. Hat keine Kraft mehr durch den Tag zu gehen. Sieht die Klinge, ihre Liebe, die niemals jemand verstehen wird. Sie setzt an. Vielleicht diesmal zum letzten mal. Vielleicht ist es diesmal zu tief. Vielleicht beendet sie es endlich und beendet den Schmerz. Das warme Blut fließt ihre Arme runter. Sie lächelt, der Schmerz ist so schön. Das einzige worüber sie Kontrolle hat. Das einzige, das ihr zeigt, dass sie noch am leben ist. Es ist ihr Tod auf Raten. Sie merkt, dass der Schnitt tief war, tief genug. Das Blut fließt und fließt. Ihr wird schwindelig, sie lächelt, die Last fällt von den Schultern. Sie hat es geschafft. Ist den Schmerzen entkommen. Ein letzter Gruß an all die Schlampen da draußen, ein letzter Atemzug und sie hat es geschafft. Alles schwarz, sie ist im Nichts.










