Es gibt viele Gründe, warum ich das Gefühl habe, nicht angemessen über diesen Roman sprechen zu können. Aber irgendwie haben sie schon alle damit zu tun, dass ich in der Kluft zwischen weit weg und zu nah hänge. Auf der einen Seiten ist es eine Geschichte über Kolonialismus, rassistische Gewalt, Mehrfachdiskriminierungen, die ich nicht kenne, Widerstand gegen die weiße Norm, damals, heute und in der Zukunft. Mal wieder habe ich gelernt und profitiert, ohne Anspruch darauf zu haben und bin dankbar. Auf der anderen Seite bin ich seit Monaten in einem Strudel des Annehmen und Abstoßen von Diagnosen, Psychopathologisierung, politischer Verrücktheit. Bevor ich mir (mal wieder) über Label Gedanken gemacht habe, habe ich die letzten ca. 10 Jahre damit verbracht, verrückt zu sein. Die intrusiven Gedanken, das Aufgeben, das ständige Disassoziieren. Anderer ekliger Kram. Und auch das Überleben. Vor allem durch Musik. "Biskaya" hat mich daran erinnert, wieso ich immer wieder zu Shows gehe, warum Musik meistens das Einzige ist, was irgendwie an das ran kommt, was ich fühle. Was andere künstlerisch überhöht finden, finde ich endlich mal angemessen. "Biskaya" hat mich an die Hamburger Schule erinnert. Nach der Lesung mit SchwarzRund bin ich erstmal heim und habe mein "Fotos, Platten, Narben, Hoffnung"-Shirt angezogen. Außerdem ist "Biskaya" eine Geschichte darüber, was es bedeutet, füreinander da zu sein. Das Gefühl, wenn man so lange und so intensiv von der Fürsorge anderer abhängig war und dann plötzlich genug den Kopf über Wasser halten kann um für andere zu sorgen, ist ziemlich unbeschreiblich, aber SchwarzRund findet Worte dafür. Es hat mich daran erinnert, dass "füreinander sorgen" für queere und trans Menschen, für Schwarze Menschen, für PoC, für Ver_rückte, Be_Hinderte, so viel mehr ist, als ich manchmal sehe. Wir halten uns am Leben. Und das ist jetzt kein Pathos, sondern die Wahrheit. Und die ist ziemlich gruselig manchmal. Ich bin froh, dieses Buch gerade jetzt gelesen zu haben. Ich wollte gute, sinnvolle, sortierte Gedanken haben, aber vielleicht wird das hier der Sache viel mehr gerecht. Lest "Biskaya" einfach. Ich werde auf jeden Fall zurückkehren.