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„Oh, die ist aber schick! Strickst Du
mir auch so eine Mütze?“ werde ich gefragt.
„Nein“, antworte ich.
„Ich bezahle dir das auch!“ Kräftig
nickend unterstreicht mein Gegenüber seine Bereitwilligkeit meine
Dienste zu entlohnen.
„Das tust du nicht“, erwidere ich. „Für diese Mütze müßte ich dir 115,56 Euro berechnen, und das wirst du nicht zahlen wollen, nicht wahr?“
Hatte mein Gesprächspartner gerade noch Luft geholt um zu insistieren, so legt sich nun seine Stirn in Falten.
„So viel? Warum denn nur so viel?“
fragte er.
Ich mache mir mal den Jux und
kalkuliere wie jeder Geschäftsmann. Werkzeug brauche ich nicht
kaufen, das habe ich im Bestand. Korrekterweise müßte ich noch
Abschreibung auf Nadeln verzeichnen und mir Gedanken machen, wie ich
die Abnutzung meiner Gelenke taxiere.
So sieht eine Vorwärtskalkulation aus!
Also bleibt das Garn und die Strickzeitschrift. Beispielsweise nehmen ich Merino Extrafein von Schachenmayr zwei mal 50 g à 5,50 EUR macht 11,00 EUR. Die Zeitschrift von Schachenmayr kostet 3,90 EUR. Der gesamte Einkauf beläuft sich auf 14,90 EUR.
Der Kaufmann spricht hier vom
Listeneinkaufspreis. Da ich im Wolladen keinen Rabatt bekomme,
bleibt es bei der Summe. Ansonsten könnte ich mir hier noch einen
Lieferrabatt abziehen. Also ist der Listeneinkaufspreis gleich
dem Zieleinkaufspreis. Skonto habe ich auch nicht
bekommen, und nun heißt die Summe Bareinkaufspreis.
Auf diesen Betrag kommen noch die Bezugskosten (Versand) von 3,90 EUR, weil ich online bestellt habe.
Der Bezugspreis lautet 18,90 EUR.
Ordnungsgemäß berechne ich hier mal moderate Handlungskosten (prozentualer Satz für Personalkosten und selbsterstellte Leistungen entfällt hier. Anstelle dessen rechne ich 1:1 ab s.u. Für Raumkosten, Miete, Transport, Verpackung veranschlage ich mal 5,00 EUR.
Personalkosten für die Veredelung des Materials – sprich das Stricken der Mütze, Fädenvernähen und die Fertigstellung brauche ich 4 Stunden à Mindeststundenlohn von 9,19 EUR. Macht summa summarum: 36,76 EUR.
Der Selbstkostenpreis liegt bei 60,56 EUR – und daran ist noch nichts verdient!
Den Gewinnzuschlag kalkuliere ich mit 10 % - also 6,06 EUR. Der Barverkaufspreis hier: 66,62 EUR.
Als gute Geschäftsfrau gewähre ich natürlich ein Kundenskonto von 2 %. Was hier mit 1,36 EUR zu Buche schlägt.
Zielverkaufspreis: 67,98 EUR
Darauf schlage ich noch einen großzügigen Kundenrabatt von 30 % (29,13 EUR). Der Nettoverkaufspreis liegt somit bei 97,11 EUR. Natürlich muss ich als korrekte Geschäftsfrau auch noch die Mehrwertsteuer von 19 % berücksichtigen – 18,45 EUR.
Somit kostet die Mütze 115,56 EUR.
„Waaaas! Soooo teuer?“
Spaßeshalber könnte ich die Rechnung noch einmal machen und mir einen Gesellenlohn von 18,00 EUR die Stunde schreiben. Oder vielleicht nehme ich doch einen Meisterlohn, da ich ja schon mehr als 35 Jahre Strickerfahrung habe :-)
„Ja, so teuer!“
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