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Im Mondschein durch die Megacity: Mit dem Nachtbus durch Indien
Der Gedanke, eine Abschieds-SMS zu fomulieren - nur für den Fall - kommt mir in den Sinn. Es ist zwei Uhr Morgens, Steffen und ich liegen in unserem “Bett”, einer Schlafkabine im Nachtbus, und brettern durch die indische Nacht. Der Fahrer rast dahin, dann bremst er plötzlich stark, es holpert und poltert, dann wird wieder Geschwindigkeit aufgenommen. Die Sterne blinken über uns, Staub wirbelt auf und dringt bis zu uns in die Kabine.
Knapp 2.500 Kilometer legen wir in Langstreckenbussen zwischen Kerala und dem nördlichen Staat Uttar Pradesh zurück. Erst im Semi-Sleeper - ein Bus mit umklappbaren Sitzen -, dann im Sleeper mit Kabinen. Insgesamt fahren wir von Kochi nach Hyderabad und schließlich bis nach Agra 45 Stunden Bus.
Ein echtes Erlebnis. Wir sind die einzigen Nicht-Inder, die Englischkenntnisse des Bus-Personals sind mau, aber die Mitfahrenden helfen uns aus. Herausfordernd ist bei dieser Fahrt vor allem die Tatsache, dass sich keine Toilette an Board unseres Busses befindet. Stops sind zwar vorgesehen, wann diese aber stattfinden, ist im Vorfeld nicht herauszufinden. Also trinken wir wenig und kneifen sprichwörtlich die Pobacken zusammen.
Stop. And go.
Indische Rasthöfe sind keine in Flutlicht getränkten Glaspaläste, wie sie an deutschen Autobahnen zu finden sind. Vielmehr handelt es sich um einfache Bauten, die mehr oder weniger in Schuss sind. Sie bestehen meist aus offenen Räumen. Darin stehen Feldbetten für alle, die sich eine Weile ausruhen wollen. Serviert werden einfache Gerichte in Blechschalen, mit etwas Glück gibt es eine Seife auf der Toilette, einmal fehlt im Frauen-WC einfach die halbe Tür - toll, bei einem Stehklo, wenn unten jeder reinschauen kann. Die Bauten stehen in kargen Landschaften, davor parken knallbunte LKWs und ringsherum ziert ein Müllstreifen die Landschaft.
Wir fahren durch Megacities wie Bangalore und Hyderabad, wir passieren öde Landstriche mit roten Böden, sehen Kühe und hochbeladene Transportfahrräder auf der Straße. Die Hupe klingelt in unseren Ohren und der Motor dröhnt unter uns. Wir lassen alles vorrüber ziehen, naschen Mandeln und schauen abwechselnd Bollywood- und amerikanische Filme über das Board-Entertainment. Eigentlich gar nicht so schlecht.
Kein Ponyhof: Unterwegs im Nachtbus
Keineswegs ist das Busfahren in Indien aber nur Zuckerschlecken. Auf der Fahrt von Agra nach Varanasi zum Beispiel buchen wir aus Versehen ohne Klimaanlage - keine besonders schlaue Idee für 12 h Fahrt. Angekommen sind wir trotzdem. Beim Buswechsel in Hyderabad werden wir Opfer eine abgemachten Abzocke - die wir zwar durchschauen, aber nicht mehr verhindern können. Schlaftrunken werden wir an einem falschen Busstop ab- und von Fahrer und einem Unbekannten in ein angebliches “Transfer”-TukTuk gesetzt. Doch der Fahrer fährt uns einfach eine große Runde durch Hyderabad und will dann schließlich 700 Rupies pro Person - ein absoluter Fantasiepreis. Wir zahlen zähneknirschend Lehrgeld und sind schließlich froh, als wir wieder im richtigen Bus sitzen. Indien ist eben eine ganz andere Nummer als Sri Lanka.