15. Juni 2022
Sehr freundliche Roboter
Teil 1 ist hier: “Man will mich anrufen”
Am nächsten Tag experimentiere ich weiterhin mit der Telefonnummer, die mir die britische Paypal-Seite anbietet. Ich finde heraus, wie ich die automatische Erkennung der Handynummer umgehen kann. Man fragt mich sodann nach einer anderen Telefonnummer. Ich gebe die Büronummmer ein, aber egal, wie ich das tue, es geht immer schief. Weiter komme ich nicht. Es gibt weiterhin keine Option, mit einem Menschen zu reden, ich kommuniziere nur mit einem sehr freundlichen Roboter, der zum Glück nie genervt reagiert.
Die Loginversuche bei Paypal sind jetzt deutlich kürzer geworden. Ich komme nicht einmal zu dem Telefonanruf, der gestern noch scheiterte. Mir wird sofort gesagt, dass etwas mit meiner Identität nicht stimmt. Das glaube ich mittlerweile auch! Kathrin googelt ein paar andere Lösungswege, die alle angenehm erratisch sind. “Passwort mehrfach zurücksetzen”, oder “an einem anderen Tag versuchen”. Nichts davon funktioniert.
Mir fällt ein alter Trick ein: Ich rufe beim deutschen Kundendienst an, vielleicht haben die weniger dienstfreudige Roboter. Tatsächlich bietet sich dort sehr schnell die Option, “Hauptmenü” zu sagen, und damit erscheint zügig eine echte Person am anderen Ende. Der Roboter ist offenbar anders konfiguriert. Die Frau am anderen Ende kann mir allerdings nicht helfen – mein verschlossener Account ist in Großbritannien, und sie darf an diesen Accounts nichts ändern. Wir verabschieden uns.
Noch ein Versuch bei der Helpdesk in Großbritannien. Diesesmal nehme ich mir fest vor, gar nicht mehr auf die Konversationsversuche des Roboters einzugehen, sondern immer nur nach Menschen zu verlangen. Egal, was der Roboter mich fragt, ich sage immer nur “agent” und hoffe darauf, dass es sich dabei um das Zauberwort handelt. Der Roboter versucht alles. Er schlägt mir Dinge vor, fragt mich Details, macht alles Mögliche. Schließlich offenbart er sogar sein “main menu”. Dann muss ich noch ein Mal “agent” sagen. Nach nur fünf Minuten klinkt sich der Roboter aus. Tut mir leid, old pal.
Ich rede jetzt mit einer Person und erfahre, dass es tatsächlich eine Lösung für mein Problem gibt. Erst muss ich meine Emailadresse buchstabieren, dann diverse Details meines Accounts korrekt wiedergeben. Oder zumindest halbwegs korrekt: Die bei Paypal registrierte Adresse ist so alt, dort habe ich seit 2009 nicht mehr gewohnt. Anschließend muss noch meine Identität verifiziert werden. Nacheinander wird mir eine Serie aus Fragen gestellt, mit mehreren Antwortmöglichkeiten. “Kennen Sie eine dieser Personen?” Dann drei Namen, darunter meine aktuelle Nachbarin. “Haben Sie schon an einem dieser Orte gewohnt?” Drei mir unbekannte Orte. “Eine dieser drei Adressen?” Dann drei Adressen, darunter meine aktuelle. Ich glaube, diese Abfragen funktionieren über die Kreditkarte, und eine damit verbundene Datenbank. Paypal selbst kennt meine Nachbarin nicht.
Dann ist es geschafft. Noch einmal Passwort ändern, und dann bin ich im lange vermissten Paypal-Account. Dort stellt sich heraus, dass ich noch nie bei Paypal für Hunde in Costa Rica gespendet habe. Stattdessen habe ich meine Kreditkarte direkt bei den Hunden registriert. Dort kann ich mich mit nur minimalen Verrenkungen einloggen und die monatliche Spende löschen. Ich erfahre dabei, dass ich mittlerweile zweitausend Dollar für Hunde in Costa Rica gespendet habe, das reicht fürs Erste.
(Aleks Scholz)















