28.06.2019
Gebäudeautomation ist manchmal nur gut gemeint
Das Gebäude, in dem sich mein Büro befindet, wurde Mitte der 1980er gebaut, und seitdem wurden bestimmt auch einzelne Komponenten nachgerüstet und erneuert. Von der Solaranlage weiß ich, dass sie später erst dazu kam. Von der Gebäudeautomation kann ich nicht sagen, ob sie schon in den 80ern so geplant wurde oder nachgerüstet. Jedenfalls: seit ich dort arbeite, ist sie so. Unverändert, unmodifizierbar, nicht zu umgehen.
Es fängt beim Licht in den innenliegenden Toiletten an. Es gibt Toiletten, auf die wir Frauen nur im Notfall gehen, weil sich der Bewegungsmelder, der das Licht anschaltet, im Vorraum und nicht in dem Raum mit den Toilettenkabinen befindet. Und die Taktung sehr knapp ist. Ich rede hier geschätzt von maximal 5 Minuten. Geht das Licht blöderweise aus, während man noch in der Kabine sitzt, dann muss man aus der Kabine raus, in den Vorraum mit den Waschbecken und durch ihn hindurch bis zur Eingangstür, diese weit aufreißen und dann, wenn das Flurlicht in den Raum scheint, großvolumig mit den Armen Richtung Raummitte winken. Glücklich, wer sein Handy mit Taschenlampe mit auf dem Klo hatte.
In den Büros sind die Bewegungsmelder ähnlich schlecht platziert. Hier regeln sie die Steuerung der Heizung. Was ja auch Sinn ergibt: Man braucht nicht ausdiskutieren, wer welchen Temperaturbereich bevorzugt und die Heizung wird auf eine Mindesttemperatur (16°C) heruntergefahren, wenn niemand im Raum ist. Ursprünglich waren die Büros wohl als Einzelbüros mit dem Schreibtisch in der Raummitte konzipiert. Real sind sie aber meist mit zwei Personen besetzt und die Schreibtische stehen versetzt jeweils an den gegenüberliegenden Wänden. Wenn nun niemand ständig durch die Mitte des Raums läuft (z.B. mit dem Handy zum Klo), sondern konzentriert an den Computern gearbeitet wird, dann ist man für den Bewegungsmelder unsichtbar. Und dann fährt im Winter die Heizung halt runter. Besonders schlimm ist es, wenn man, wie ich, eine Kollegin in Teilzeit hat. Dann sinkt die Chance auf Bewegung in der Raummitte drastisch. Ich habe deswegen letzten Winter eine Winkekatze gekauft, ihr den Namen meiner Kollegin gegeben und sie auf ihren Schreibtischstuhl in die Raummitte gesetzt, wenn sie nicht da war, aber was soll ich sagen: Auch Mary 2 konnte die Heizung nicht anwinken. Wahrscheinlich war der Radius der Bewegung zu gering. Oder sie war falsch platziert. Als Lösung gegen Frieren bleibt nur: Fingerlose Handschuhe, eine Decke für um die Schultern und eine für die Beine.
Aber das Allerschlimmste sind die Sonnenblenden! Große silberne Lamellen, die herunterfahren, wenn die Sonne den Lichtdetektor des jeweiligen Gebäudeteils erreicht, wie ich nach diversen Diskussionen mit der Haustechnik herausfinden konnte. Das Problem ist: Die Sonnenblende fährt herunter (es wird dunkler im Büro), die Lamellen klappen einmal komplett auf (heller Lichtblitz, weil das Sonnenlicht kurzfristig reflektiert wird) und dann in die dem Sonnenstand angemessene Position (angenehm schattig im Büro). So weit, so gut. Es gibt aber Tage, an denen sich der Lichtdetektor und der Winddetektor erbitterte Kämpfe liefern. Die Lamellen fahren nämlich wieder hoch, sobald der Wind eine bestimmte Stärke erreicht. Sonnig mit Wind ist dann die Hölle, weil die Sonne die Lamellen runter fährt (zu hell, dunkel, Lichtblitz, angenehm) und der Wind sie wieder hoch (angenehm, zu hell). Und wenn es blöd kommt, passiert das mit nur kurzen Unterbrechungen den ganzen Nachmittag lang. Die ständig sich verändernden Lichtverhältnisse stören erheblich, wenn man am Bildschirm arbeitet. Deswegen war mein Jubel groß, als die Kollegin verkündete, sie sei jetzt schwanger. Anscheinend stehen Schwangeren nämlich laut Arbeitsschutz selbst steuerbare Sonnenblenden zu. Jetzt haben wir auch Sonnenblenden an der Innenseite der Fenster, die man einfach mit einer Schnur auf- und zuziehen kann.
Nur das Heizung-im-Winter-Problem hat sich nun zugespitzt.
(Kathrine Wagner)



















