Helden, Burgen und Gekloppe
Diesmal eine Spielkritik, die erste richtige, die hier verfasst worden sein wird. Vor kurzem startete die offene Betaphase des digitalen Unterhaltungsspiels “The Mighty Quest For Epic Loot”, produziert von Ubisoft, und schon der Name nimmt viel des Spielinhaltes vorweg. Der Übersichtlichkeit halber werde ich diese Kritik in die Teilaspekte gliedern die ein Spiel ausmachen, bekannt und praktiziert bei gängigen Urteilstexten, man muss sich ja auch nicht immer gegen den Strom lehnen. Vorab ist allerdings zu betonen, dass dieses Spiel noch in der Entwicklung steckt, so mancher Kritikpunkt mag bis zum vollständigen Release verschwunden sein. Unwahrscheinlich ist allerdings, das dies auch bei der sehr provisorischen bis nicht vorhandenen Story des Spiels geschieht. Das ganze spielt in einem Fantasy Mittelalter, mit Monstern, Rittern und Magie und so weiter, das übliche Szenario, das einem einfällt, lässt man das Wort “Durchschnittsfantasy” fallen. Man selbst spielt einen von vier möglichen Klassen, davon ist eine allerdings nur gegen Bezahlung spielbar, ist aber nicht so schlimm, die restlichen drei, bestehend aus dem traditionellen Ritter-Jäger-Magier Trio, reichten für mich als Auswahl aus. Zudem die Charaktere recht selbstironisch und überspitzt plakativ dargestellt werden, der Humor steht zwar sehr an der Kante zwischen platt und ZU platt, fiel aber in der Richtung nie wirklich negativ auf. Und platter Humor ist immer noch deutlich besser als die ausgelutschten, ehrenhaften, edlen Heldenfiguren, die sonst die Auswahl bilden. Nach der Charakterbeschaffung geht’s dann direkt los ins Tutorial, verbunden mit einem notdürftigen Story-Aufhänger der irgendwas mit Burgen und Immobilien zu tun hat und präsentiert von einer recht hässlichen Maklerfigur mit seltsamer Stimme und “witzigen” Sprüchen, hier zündet der forcierte Humor nicht. Nachdem man sich dann durch das vergleichsweise lange Tutorial gekämpft und sich von dieser elendigen Karrikatur befreit hat, lässt einen das Spiel freie Hand. Die Story ist ab dato nebensächlich, was nicht zuletzt daher kommt, das einfach keine erzählt wird. Der Makler wird glücklicherweise nur noch als unvertonter Questgeber benutzt, Gott sei Dank.
Sodannn geht es mit dem Gameplay in die Vollen, das nämlich ist das wirkliche Herzstück des Spiels, mal ehrlich, wer hat bei dem Namen auf eine krasse Geschichte gehofft. Das Spielprinzip ist dabei recht einfach und doch gewissermaßen genial, da suchterzeugend. Es kann grob in zwei Teile separiert werden: °Das Dungeon-Crawling, also das Verkloppen von unzähligen (hübsch designten) Monstern und die Durchquerung so mancher Fallen-gespickten Burg. °Das Bauen einer eigenen Burg, das einsetzen von Monstern und Fallen und das Ausleben seiner sadistischen Ader, wenn fremde Helden versuchen zur Schatzkammer vorzudringen und dabei an Fangzähnen, Fallen und Fiesheiten verrecken. Das Spiel ist gewissermaßen ein Online Spiel, da man nahezu ausschließlich in den von anderen Spielern erstellten Burgen unterwegs ist, vom Computer generierte sind sehr rar gesetzt und auch die feindlichen Eidnringlinge sind immer menschliche Spieler. Das Ganze ist also ein passives Gegeneinander, ohne sich tatsächlich gegenseitig zu bekämpfen. Zurück zum Spielprinzip, Gewitzte könnten es bereits erahnen, die beiden Aspekte hängen untrennbar miteinander zusammen. Geht man von der Turmspitze seiner Burg, die als Angriffs-Menü dient, aus auf Raubzüge durch andere schwebende Schlösser (ja, die schweben, wird auch erklärt warum, ist aber ganz egal), so erhält man Gold und Kristalle sowie einen Shitload an Ausrüstung, angenommen natürlich man überlebt die Odyssee. Mit diesen Ressourcen kann man dann sein Eigenheim mit Monstern und Fallen sowie seinen Helden aufpeppen, um auf neue Raubzüge zu gehen, um wieder aufzupeppen und zu upgraden. Ihr seht, ein Teufelskreis, der genau die Motivation liefert, die man braucht um weiterzuspielen. Zusammen mit der recht kurzen Durchlaufzeit jedes Dungeons (2-5 Minuten) wird man schnell in einen Spielsog gezogen. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit die durchlaufenen Dungeons zu bewerten, auch eine gute Idee. Der eigene Erfolg wird dabei in Kronen gemessen, die man je nach Verteidigungsleistung gegen andere Helden und der Angriffsleistung erhält, allerdings kann man sich für diese nichts kaufen oder Vorteile einholen, sie dienen (bisher) nur als Indikator. Das Besondere ist die Mischung der beiden Prinzipien des Schlachtens und Aufbauens, geschickt verquickt. Unmittelbar mit der Spielmechanik zusammenhängend, muss auch die Technik angesprochen werden. Denn hier ist eventuell ein Knackpunkt für diverse Spieler. Das Design ist knuffig, comciartig und weit entfernt davon brutal zu sein, wenn auch nicht kindlich. Hier mal ein Beispielbild, damit man sich darunter etwas vorstellen kann: Ja, comicartig, wie gesagt, ich find sowas immer super, aber das ist wirklich Geschmackssache. Neben dem Design sind auch die Animationen, die Farbgebung, die Itemicons und selbst die Menüs (Turmspitze) wirklich äußerst hübsch gestaltet und aus einem Guss. Hierfür muss man die Entwickler ernsthaft loben, selten war der Gesamteindruck so stimmig, aber Ubisoft hat da auch schon ein wenig Erfahrung. Der Sound ist gut, nicht überragend aber durchaus angemessen. Viel eher zu betonen ist die Musik, die mittelalterlich und Fantasy-artig gut klingt, nicht zuletzt hörte ich das ein oder andere Mal den Soundtrack der Sherlock Holmes Filme heraus, ob das nun Zufall ist, sei dahin gestellt. Die Musik ist jedenfalls auch ordentlich. Das ganze Spiel findet aus der Diablo typischen Top-Down-Perspektive statt, man sieht seinen Helden aus einer angewinkelten Vogelperspektive, auch hier, Geschmackssache, aber gut für den Überblick, der manchmal droht abhanden zu kommen. Dazu schlussendlich nur noch: Es gibt erstaunlich wenig Fehler bzw. Bugs, das ist man von offenen Betas anders gewohnt und sowohl Abstürze als auch Verbindungsprobleme (Onlinespiel) waren bei mir nahezu überhaupt nicht zu vermerken. Läuft alles erstaunlich flüssig. Dennoch gibt es einige wenige Probleme, wenn auch selten technische, die die Qualiät des Spiels trüben. Darunter fallen die beizeiten unfairen Burgen der Kontrahenten, die als einziges Ziel haben, einen zum Ableben zu bringen, bei einem eigentlich kreativen Tool verkommt das Ganze dann zur Monsterhäufung, sodass der Held einfach überrannt wird. Aber zum Glück baut nicht jeder so. Ansonsten ist da natürlich noch das Micro-Payment System, das einem die Möglichkeit gibt Spielinhalte durch Echtgeld zu erwerben, damit wird zwar selten ein Vorteil generiert, aber es stört ein klein wenig. Allerdings ist das bei einem Free2Play Titel durchaus legitim, anders können sich diese nämlich kaum finanzieren. Im Fazit bin ich deutlich begeisterter von “The Mighty Quest for Epic Loot” als ich es zuvor erwartet hätte. Das Spielprinzip fesselt, die Individualisierungsmöglichkeiten geben dem Ganzen noch einen richtigen Schub und überhaupt wirkt alles sehr abgerundet, sehr poliert, da kann man die kleineren Macken getrost vergessen. Somit ist jedem, der sich mit Mechanik und Technik anfreunden kann, eine Empfehlung ausgeprochen, zudem das Spiel kostenlos und fair(!) ist und durchaus Untersütztung verdient. Für ganz Eifrige hier einmal der Link zur Website: Zum Spiel Grüße an alle die sich diesen Mammuttext durchgelesen haben! (:






