Andreas U. Korn - Vorbemerkung: in der Manuskriptsammlung meines Vaters Karl Korn liegen einige seiner Zeitungsartikel zur Geschichte von Mettmann vor, die hier in Auszügen abgebildet werden. Themenfocus: Suche nach Zusammenhängen - Systematik im Archiv
(Foto im Zeitungsartikel: “Seit drei Jahren ist Karl Korn dabei das Pfarrarchiv von St. Lambertus zu sichten und zu ordnen. Seit frühester Jugend interessiert ihn Geschichtliches, jetzt kann er sich seinem Hobby endlich voll widmen.”)
Mettmann - Zwischen Pappkartons und Folianten verbringt Karl Korn einen guten Teil seines wohlverdienten Ruhestands, der freilich keiner ist: Seit 1983 ist er dabei, das Pfarrarchiv von St. Lambertus zu, sichten und zu ordnen. Eine Pfarre mit vielhundertjähriger Geschichte, hat manche Schätze im Keller, doch leider wurde nicht immer sehr sorgsam mit den Kostbarkeiten umgegangen. Da gibt es manche Lücke, Karl Korn ist überzeugt davon, daß beim Umzug von der Lutterbecker Straße in die Kreuzstraße mancher Karton vom Dachboden auf den Müll kam. Dennoch ist die "Quelle" Pfarrarchiv fast unerschöpflich.
Karl Korn, der die Arbeit ehrenamtlich macht und dessen Steckenpferd seit frühester Jugend ist, geschichtliche Zusammenhänge zu erkunden, hat die Dokumente nach Stichworten gesammelt. Er sortiert die Unterlagen und macht einen Kurzauszug über den Inhalt, denn kaum jemand kann die alten verblichenen Schriften heute noch lesen.
Der Karton mit der Aufschrift "Schule" enthält so ein Stück Stadt- und Pfarrgeschichte: 1857 gründete die Pfarre eine Katholische Privatschule, um die Schüler auf bestimmte Berufe wie zum Beispiel den Kaufmarin besser vorzubereiten. Als Leiter wurde ein geistlicher Rektor beim Kölner Erzbistum beantragt und auch genehmigt. Sein Grundeinkommen stammte aus einer Stiftung, mit Privatschülern verdiente er sich etwa hinzu. Das aber paßte dem Pfarrer gar nicht, denn er wollte ihn auch in der Pfarre einsetzen. So entbrannte ein “Beschwerdekrieg“, jeder von den beiden legte seine Gründe den Kölnern dar.
Kurz nach der Katholischen Initiative gründete auch die Evangelische Gemeinde eine private Schule, schon war der Konkurrenzkampf da. Ein gewichtiges Wörtchen hatten die Lehrer der Grundschule mitzureden, sie gaben auch an den privaten Schulen Unterricht und wurden nach Stunden bezahlt. Wen wundert's, daß sie ihre Grundschüler zu der Privatschule schickten, die sie am besten bezahlte. Die Auswahl der Schüler war denkbar einfach, das Schulgeld betrug 25 Reichstaler im Jahr, zwar gab es Nachlässe aus sozialen Gründen, aber ein Tagelöhner konnte sich das nicht leisten.
Karl Korn schiebt das älteste Rentenbuch der Pfarre, von Pfarrer Jagfeldt 1711 begonnen, beiseite. Er öffnet den Karton mit der Aufschrift Renten - wieder ein interessantes Kapitel: Seit 1198 hatten die Hofbesitzer in Mettmann Angaben in Naturalien an den Pfarrer in Mettmann zu leisten. Auch nach der Reformation erhielt der katholische Pfarrer alle Renten. Es gab immer wieder Weigerungen, aber die Abgaben wurden mit richterlichem Beschluß erzwungen. Als zur Preußenzeit die· Möglichkeit gegeben wurde, in Bargeld zu zahlen, weigerten sich einige Besitzer. Sie sahen ihre Stunde gekommen, sie klagten und bekamen Recht. Die Begründung des Elberfelder Landgerichts lautete, die angeblichen Rechte der Kirche seien nur "im Lager- und Rentenbuch der Kirche vermerkt" und nicht "hypothekarisch" abgesichert. Auch das Revisionsverfahren in Köln verlor die Kirche.
Karl Korn kann stundenlang erzählen, man merkt ihm an, daß er in dieser Arbeit aufgeht. Der Spaß ist von einer Sorge überschattet: Es wird noch viele Jahre dauern, bis alles "im Griff" ist. Irgendwann benötigt er einen Nachfolger, damit die Arbeit nicht ein Torso bleibt; doch vorerst ist Karl Korn zu danken und ihm noch viel Schaffenskraft zu wünschen.