Hallo ihr lieben! Ich habe nach längerer Zeit mal wieder einen Tatort-Münster-Rewatch gestartet. Dabei ist mir wieder aufgefallen, wie statisch die Show und ihre Charaktere teilweise bleiben - Thiels Sohn ist ja beispielsweise jahrelang 13, auf einmal ist er in Väterchen Frost dann schon erwachsen. Auch bei der Entwicklung der Beziehung zwischen Thiel und Boerne frage ich mich, wie viel sich da von Folge zu Folge verändert. Wie seht ihr das?
Hallo applelotte!
Ja, das mit der Konstanz der Figuren und ihren Eigenschaften bzw. Beziehungen untereinander ist so eine Sache im Tatort Münster. Ich habe vor einiger Zeit mal ein relativ ausführliches Essay zu Boernes Charakter geschrieben, wo ich unter anderem auf die permanente Gegenwart eingegangen bin, welche die Drehbuchautoren Cantz und Hinter zu Beginn angedacht hatten, und warum sie auf Dauer nicht umzusetzen war. Hier die kurze Zusammenfassung des betreffenden Abschnitts:
Probleme, die für die Ungereimtheiten bei der Charakterisierung sorgen können, sind vor allem:
* unterschiedliche bzw. wechselnde Drehbuchautor:innen (und Regisseur:innen etc.), welche die Figuren jeweils anders interpretieren
* die permanente Gegenwart (die nur nach Belieben befolgt wird)
* das Anpassen der Figuren an die Geschichte, damit diese funktioniert
* das Schauspiel der Darsteller:innen, das ebenfalls variieren kann
Wenn du dich für meine detaillierte Analyse interessierst, würde ich dich auf das entsprechende Essay verweisen, insbesondere seinen Anfang.
Und die Frage nach der Entwicklung der Beziehung zwischen Thiel und Boerne kommt einer Vexierfrage gleich, so schwierig ist sie zu beantworten. Weil sich das auch in der Länge dieses Posts niederschlägt, habe ich den Rest unter den Cut gesetzt. Ganz am Ende gibt’s auch noch mal ein kurzes Fazit. :)
Natürlich findet eine Entwicklung statt, meistens jedoch innerhalb einzelner Folgen, ohne dabei langfristigen Einfluss auf zukünftige Episoden zu nehmen. In “Lakritz” wird Boerne von Thiel als ein Freund bezeichnet, was er hinterher noch einmal zur Sprache bringt:
B: “Thiel?”
T: “Ja?”
B: “Wissen Sie, was mich gerade wirklich gerührt hat?”
T: “Nämlich?”
B: “Dass Sie mich einen Freund genannt haben.”
(”Lakritz”, 00:44:15)
In “Limbus” allerdings hören wir Thiel im Gespräch zu Dr. Jacoby Folgendes sagen:
“Also ehrlich gesagt – ich weiß nicht, ob er mich einen Freund nennen würde.”
(”Limbus”, 00:31:53)
Diese Ausschnitte stehen beispielhaft für die Art und Weise, wie mit der Beziehung zwischen Thiel und Boerne im Tatort Münster umgegangen wird. Hier hü, da hott. Einmal werden sie als gegenseitige Vertrauensperson eingeführt (”Satisfaktion”), ein anderes Mal glauben sie sich kaum ein Wort (”Wolfsstunde”).
Natürlich könnte man argumentieren, dass es in “Lakritz” genau genommen Thiel war, der Boerne als Freund bezeichnet hat und das nicht zwangsläufig bedeuten muss, dass Boerne ihn umgekehrt genauso sieht. Aus Boernes Worten lässt sich aber guten Gewissens das Gegenteil ableiten, ebenso wie aus der später folgenden Szene im Keller, in der er Thiel davon erzählt, wie sein Gesicht in eine Schüssel voll heißem Lakritz getränkt wurde – ein Erlebnis, über das er “noch nie mit jemandem gesprochen” hat (00:52:00). Es könnten weitere Szenen aufgezählt werden, die von der engen Beziehung zeugen, die die beiden zueinander haben: Man denke nur an das Ende der “chinesischen Prinzessin”, wo sie wortlos nebeneinander auf dem Sofa sitzen und sich Trost spenden; das Telefonat, das sie nachts in “Mord ist die beste Medizin” führen, weil Thiel sich nach Boernes Wohlbefinden erkundigen möchte; der Abend, den sie in “Zwischen den Ohren” miteinander verbringen, als Boerne sich alleine fühlt; und, und, und.
Es gibt viele dieser Beispiele, die in einem stringenten Verlauf der Zeitleiste eine immer tiefergehende Verbindung nahelegen würden. Und ein Stück weit mag das vielleicht auch stimmen. Sicherlich wäre ein Gespräch über Freundschaft in den ersten zwei, drei Folgen unrealistisch gewesen und ich denke, dass die Tatsache, dass Thiel und Boerne sich am Ende doch wichtig sind, inzwischen weitestgehend etabliert sein sollte. Warum der WDR jedoch immer noch davor zurückzuschrecken scheint, das ernsthaft zu verbalisieren und weshalb sie mit den Figuren in jeder neuen Folge wieder ein bisschen zurück auf Null springen (oder sogar Szenen spielen, die weitaus distanzierter wirken), weiß ich nicht. Ich kann mir vorstellen, dass sie Sorge haben, damit zu viel von der Leichtigkeit und dem Humor zu verlieren, für den der Tatort Münster bekannt ist. Oder von der besonderen Spannung, der sogenannten “Hassliebe”, die zwischen den Figuren herrscht. Die Serie wird eben von Thiel und Boerne getragen, die sich gegenseitig triezen. Dazu kommt, dass das Konzept der permanenten Gegenwart im Umkehrschluss eigentlich keine permanenten Entwicklungen erlaubt. In keiner Hinsicht. Deswegen bleibt die vorgetäuschte Hochzeit sein eigenes kleines Polaroid und deswegen muss Thiel sich stattdessen in jeder Folge wieder fragen, ob er für Boerne wohl ein Freund sein könnte. In den Augen der Produzent:innen stellt sich vermutlich vor allem die Frage: Wo bliebe der Pfeffer, wenn die beiden plötzlich langfristig etablierte Freunde wären? Sich also nicht mehr auf regelmäßiger Basis übereinander aufregen könnten, die Augen verdrehen, fiese Kommentare machen?
Was sie aus meiner Sicht vergessen, ist, dass das eine das andere nicht ausschließt; lediglich den Ton verändert. Was nicht falsch sein muss, im Gegenteil: Wo bleibt denn der Pfeffer, wenn sich nie irgendwas verändert, sich nichts entwickeln darf, wir immer wieder von vorne anfangen müssen? Das mag vielleicht in Cartoons funktionieren, in einer Reihe wie dem Tatort fühlt es sich auf Dauer lediglich danach an, als würde man bei der Stange gehalten werden, immer in Antizipation auf eine tatsächliche Entwicklung.
Aber seien wir realistisch: Diese Entwicklung braucht es für die durchschnittlichen Zuschauer:innen auch gar nicht. Wer sich nicht so intensiv mit den Folgen beschäftigt, wie wir das tun, wird die Unstimmigkeiten in den meisten Fällen gar nicht erst bemerken und dementsprechend vermutlich auch nichts vermissen. Das Konzept des Tatorts ist und bleibt es nun mal, in sich abgeschlossene Episoden zu drehen, die unabhängig voneinander existieren können.
TL;DR
Kurz gesagt verändert sich an der Beziehung zwischen Thiel und Boerne im Laufe der Serie wenig. Sie wird mal enger, mal weniger eng von den Drehbuchautor:innen (und weiteren Beteiligten) ausgelegt. Insgesamt lässt sich sicherlich von einer Freundschaft sprechen, die sich entwickelt hat, die allerdings auch in jeder Folge unterschiedlich ernstgenommen bzw. in den Vordergrund gehoben wird. Das wird unter anderem daran liegen, dass jede Episode von einem anderen Team produziert wird und eigentlich die Prämisse der permanenten Gegenwart gilt, die es von Natur aus verlangt, keine langfristigen, sich über mehrere Folgen erstreckenden, Entwicklungen zu zeigen.
So. Das ist jetzt irgendwie doch deutlich ausführlicher geworden, als ich das angedacht hatte und ich hoffe, dass mir der Faden dabei nicht zu sehr entglitten ist und du deine Frage als beantwortet verstehst. :)
Zorgen dat je haar niet zo makkelijk meer statisch geladen wordt. Dit doe je door ervoor te zorgen dat er meer vocht in je haar zit, wat meer houvast geeft aan beide ladingen. Je kunt hier bijvoorbeeld een haarolie voor gebruiken. Haarolie zorgt dat het haar makkelijker vocht vast houdt en dus niet zo makkelijk statisch geladen wordt.
Is je haar al statisch, dan kun je er ook een haarolie of haar mist op spuiten en het komt gelijk weer tot rust.