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Forschungsprogramm Geopathologie und Chronostrophe
2011 -
2011 (oder schon 2010?) war ich das erste Mal auf Performances von JPR (im Basso wo ich ab 2009/2010 hinging, in der NGbK, im General Public), später hab ich es sogar mal geschafft der einzige Gast zu sein, durch Hinterherlaufen einer obskuren Ankündigung auf seinem Facebook und dann dem Wesensschwarm auf einem Beer-Bike. Kennengelernt haben wir uns im am 19.1.2013 auf einer Party in meiner Küche. 2014 war das von ihm entwickelte Schwarmwesen in Florenz, ich hab 2016 die Spuren noch im Museumsshop der Villa Romana gesehen/aufgelesen. Das Schwarmwesen reist und macht Ausgrabungen mit und zu Werkzeugen, wie dem Selfie-Stick:
“In reality this is a selfie stick / It speaks to you in the language of Your own Projected knowledge. / It is made in china / It is cheap / It is used to portrait your Self / in a five star
In this reality / In the city of continous shipping / The selfie stick is / Not from here. / Not special / Not legitimate / Not original In common reality / It is not important / Who made it / And Where it was produced / It is insignificant / How it travelled here
In potentiality of the swarm / the object is animate. / And Its potential / can be redeemed.
In Potential reality you hear its tale of becoming / You learn to read its history of production / In a large city in china called Yiwu / In the province of Zhejiang / By a man who might have been called Xu Lizhi
In potentiality / this is a wünschelrute / a wiggle stick,
Its for searching deficiencies. / The defieciency of not being able to read the object. / Of not being able to understand / the animated nature of a stick.
The nature of its networked travels, transactions and narratives. / The self extension of a self extension.
The selfie-stick’s very own extension, / as the gigantic techno-social machine, that you might know by the name of Tourism. / You might look at in container-shipping.
The migration of sticks. / Here we hold the witching stick. / To understand.
Geopathology, the sweet Poisonous desire to be and remain anywhere specific in translocal hyper-circulation of human bodies.” Schwarmwesen 2016
Ich habe dann auch angefangen alltägliche (inzwischen! Jahrzehnte nach dem Hype in der Counterculture) Bildprothesen als kunsttechnologische Werkzeuge in Vorträge einzubauen, zum Beispiel in “Graffiti ohne Gravitation. Innovationen und Merkwürdigkeiten im gegenwärtigen urbanen Lettrismus. Technikvorführung und Bildatlas” 2015 beim Backjumps Festival - eine Drohne und eine Lupenbrille - und in “The curious case of glass tagging. Towards a history and theory of scratchings” 2017 an der FU Berlin - einen mobilen Scanner - den ich seit 2013 einsetze, ich denke rückblickend auch unter dem Einfluss der Performances von JPR zu sozialer Reproduktion und technologischer Reproduktion.
2016 ging es für mich mit Selfie Stick und VR-Brille selbst nach Florenz, am historischen Ort die Erfindung der Zentralperspektive im Frühkapitalismus mit VR-rundum-Ansicht im gegenwärtigen Kapitalismus zu verschränken (vgl. auch Hito Steyerl, Bubble Vision, 2018) - unter Recycling einer B.A. Arbeit im Seminar zu Technikgeschichte des Sehens an der TU Berlin (2009). Den Selfie Stick habe ich am schiefen Turm von Pisa gekauft, die VR-Brille war so eine billige mit zwei Linsen in einer Plastikfassung, wo das Smartphone reinkommt - im Prinzip eine Stereobrille wie im 19. Jahrhundert, nur durch den Bewegungssensor des Smartphones nutzbar für die Bubble Vision. Eine Woche vor dem Exkursionstermin in Florenz war die Berlin Biennale Appearance von JPR als Schwarmwesen: (geopathologos) Prussian Chronostrophy [ 6.1.5 ], in der eine 2011 im Projektraum “General Public” geführte Diskussion um Performance im öffentlichen Raum für mich gefühlt ihre angemessene Eskalation bekam, im Herumjagen auf dem Pariser Platz und einer Seance auf der Fanmeile:
“Within “identitecture”—a cross-linked system of being and sites—Schwarmwesen explores the catastrophic timing of a global circulation of bodies, which it describes as “chronostrophy.” It traces the epicenter of this phenomenon in a series of psycho-realistic research missions in the reconstructed, Prussian-molded symbolic center of Berlin. Maneuvering across Pariser Platz, with its Fanmeile and beer-bikes, the Schwarmwesen counters the geopathological spectacle of this tourist hell-hole with its own unfinished and inadequate identity, its stumbling and linguistically estranged fabulation, and absorbs into its “potentiality” those people who, together with the being, want to forget to piece together a self for themselves.“ BB
In Signal #0 (2011) und bei Rebelart (2014) hatte ich über die Phantasie des fliegenden Graffiti geschrieben, von der einem damals Nerds und Writer in verschiedenen Städten erzählten (z.B. die vom Graffiti Research Lab), und welche KATSU inzwischen mit Hilfe der Hackerin Becky Stern von Adafruit umgesetzt hat, unter dem Namen “Icarus”, die Graffiti Drohne. 2003 hab ich das mal als Phantasie gemalt, ein Ikarus mit Sprühdose. Die Techniken des Farbnebels, des Kamerastocks, des Einkratzens und Einlesens, der virtuellen Realität von Streetview, beschäftigen mich seitdem, dazwischen liegt ein Kunstgeschichte Studium, was dann für mich bedeutet hat die Geräte nicht mehr als Kunstwerkzeuge sondern als kunstwissenschaftliche Werkzeuge zu verwenden. Smartphone inzwischen selbstverständlich auch (oft mit Stock und Lupen, letzteres nach Konsum der Sherlock Holmes Serie “Elementary” gekauft,Klischee....), 2011 hatte ich noch kein Smartphone für das Smartphone Yoga im “Weltheilungswald” im General Public und war dadurch weder im Text noch im Bild aber durch die Performances dann medienkompetent gebrieft für Erwerb und Nutzung/Nützlichkeit.
2020 -
Bénédicte Savoy hat von der Geopoetik des Museums geschrieben. Wir sollten diese Frage mit der Geopathologie und Chronostrophe verbinden. Und umgekehrt die chronostrophische Zirkulation von Biobodies und Technobodies bei JPR mit der Translokation von Spoliationen und Rekuperationen von artifizierten Objekten bei Savoy verbinden. Provisorische Werkzeuge: Sonische Sonde, Streetview Archäologie, Drohne, Selfiestick (in die andere Richtung gedreht, kann man damit Öffnungen sondieren) und Spielautomaten zur Erzeugung von Situationen und Anwendungen jenseits der Apps (pädagogisches Ziel: Usership im Sinn von Stephen Wright).
Zum Beispiel ein unabhängiger Restaurierungsbericht zur Tresortür, dem ersten Exponat des Humboldtforums, ist in Vorbereitung, Possible Books hat den Autor des zentralen “Kobolt” Graffiti-Tags zur Beschriftung Mitte der 1990er und zur nun erfolgten Rekonstruktion durch andere befragt, und Fernsehaufnahmen ausgewertet. Um die hyperreproduzierten Objekte entsteht ein kritisch-kryptischer Korpus, der die Objekte dezentriert und Deutungen in einem dezentralen Netz digitalisiert. Auch die Translokation der Tür wurde zur reproduzierbaren Reportage, unter welchen Umständen, berichtet der Chef der Metallwerkstatt in einem Podcast-Interview anderswo. Die Deutungen werden Plug-Ins zum digitalen Objekt, in unterschiedlichen Interfaces unterschiedlich geordnet. Social Media Sharing hat hier wenig mit Shared Heritage zu tun, sondern die Contact Zone (Clifford) des Museums wird erweitert.
122 R. Hermengarda, Rio de Janeiro on Streetview
https://goo.gl/maps/bXoUdarN2JKiTKtN6
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Kollaboration von Google Streetview und Red Bull um den Kartendienst zu nutzen die weltweite Streetart- und Graffiti-Szene zu dokumentieren. Jeder kann über die Plattform Orte und Pieces markieren und auf der Weltkarte eintragen. Die Seite ist noch sehr schlank, wäre aber schön, wenn sie sich füllt.
(via FWA)