Dierk Saathoff: Der Zusammenhang von Identitätsjargon und Antizionismus im Kunstbetrieb
»In dieser Denke sind Künstler nur noch Multiplikatoren oder eben die ›Stimmen‹ für soziale und politische Bewegungen, sind quasi Aktivisten, Wissenschaftler und Künstler in einem, nicht autonom, nicht an Ästhetik interessiert, und deswegen auch immer an die talking points gebunden, die gerade angesagt sind, derzeit eben vor allem die Identitätspolitik und die mit ihr verbundene Israelkritik. Wenn hier von Kunstfreiheit geredet wird, ist damit immer nur gemeint, dass die Gesinnung des einzelnen Künstlers nicht hinterfragt werden darf – schwupps werden dann auch alle Aktivisten [...] zu ›Künstlern‹ umdeklariert, um sie unkritisierbar zu machen.
Wer es dagegen ernst meint mit der Freiheit der Kunst, sollte sich auflehnen gegen diesen pseudointellektuellen, elitären und politisch völlig nutzlosen Jargon und gegen die Idee des Aktivistenkünstlers, der tatsächlich nur allzu gut auch bei staatlichen Kulturinstitutionen ankommt, immerhin sind die froh, wenn sie die politische Drecksarbeit an Künstler outsourcen können.
Tatsächlich produzieren auch die Institutionen und ihre Vergabepraktiken (nämlich die Selbstbeschreibungen und Positionierungen, die man in Projektbewerbungen angeben muss) selbst diesen Identitätsklimbim, mit dem man immer wieder in der Kunstwelt dazu gezwungen wird, den Beweis anzutreten, gesellschaftlich ›relevant‹ zu sein, statt interessante Kunst zu machen – die kann, aber muss eben nicht nützlich oder relevant sein, das ist das Schöne an ihr.«