PLANSCHBECKEN FESTIVAL TELFS - 14.09.2018
Das Planschbecken Festival hosted by LoR. Legends of Rock. Der kürzlich gegründete Kulturverein hatte in den vergangenen Monaten ja nicht besonders viel Glück mit Open Airs. Das hielt sie aber nicht davon ab, ihr ERSTES Ein-Tages-Festival im Telfer Schwimmbad (natürlich open air) zu veranstalten. Das Venue ist gewagt. Vor Allem bei unbeständigen Wettervorhersagen. Doch das Pokern lohnte sich. Das Wetter war hervorragend und setzte die Weichen des Fests auf Erfolg.
Was Legends of Rock kann (und seit Jahren immer wieder bewiesen hat) ist Leute zusammen zu bringen. Für ein paar Freibier hat sich binnen einer Woche eine stolze Menge an Menschen zusammengefunden, die beim Aufbau und der Organisation der Veranstaltung mithalfen. Da waren z.B. die Jungs von Tripsitter, die Schilder für den Weg zum Eingang gemacht haben oder die Rasta Hill Camp Crew, die sich an allen Ecken und Enden beteiligte um einen reibungslosen Ablauf zu ermöglichen. Legends of Rock gibt einem das Gefühl, die Tiroler Musikszene (egal ob Hip-Hop, Reggae oder Punk) ist eine große Familie. Dementsprechend bunt gemischt war auch das Line-Up.
Los ging es so gegen 15:00 mit der Schulband des BORG Telfs. Diese überzeugten mit altbekannten Covers wie “Superstition“ von Stevie Wonder oder “Son of a Preacher Man“ von Dusty Springfield. Schade, dass sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht so viele Leute auf den Weg zum Telfer Badl gemacht haben. Aber so ist das halt bei den ersten Acts auf einem Festival.
Als nächstes übernahmen dann die Jungs von Dilid’Em aus dem Tiroler Oberland. Zu dieser Band habe ich schon länger eine gute Beziehung und deswegen freute ich mich sehr auf sie. Ihr psychedelisch angehauchter Rock schaffte zusammen mit der hinter der Bühne scheinenden Sonne eine ausgelassene Atmosphäre, die einem Freitagnachmittag gerade gerecht kommt. Es fanden sich auch langsam mehr Leute am Venue ein, die das ganze Geschehen dann hauptsächlich sitzend von dem amphiteathrisch aufgehobenen Rasen in einiger Entfernung vor der Bühne genossen. Der angenehme Sound der Band, untermauert von der kräftigen Stimme des Sängers Arian regte zum Träumen und Wegdriften an. Weg von dem ganzen Stress unserer Zeit.
Fortgeführt wurde der Nachmittag dann von Andy Steiner Trio, das kurzfristig für die Band Hello Sally einsprang. Das Trio setzt sich zusammen aus Andy Steiner (Gesang, Akustikgitarre), Jakob Köhle (Drums) und Anna Reisigl (Bass), alle ihrerseits am Konservatorium für Jazz und improvisierte Musik (was die Latte natürlich sehr hoch legte). Doch das Trio überzeugte vom ersten Ton weg. Bei diesen drei merkt man einfach, dass sie Musik im Blut haben. Die selber komponierte Musik siedelt sich irgendwo zwischen Folk und Jazz an und ist leicht verdaulich und angenehm zu hören. Das Geniale daran ist aber, dass sie trotz dieser Mischung alles andere als langweilig ist. Andy schafft mit seiner Stimme eine romantische Atmosphäre, die von Bass und Drums weich und doch präsent perfekt hinausgetragen wird.
Im Anschluss spielte Rapperin Spilif zusammen mit Rudi Montaire an den Decks und Mary.M.High an den Vocals. Das Hip-Hop Trio versuchte immer wieder, das Publikum zu sich zu holen, was ihnen auch im Großen und Ganzen gelang. Die fein gebauten Beats von Rudi und die smoothen Lines von Spilif überzeugten wohl jeden Zuhörer, der auch nur ein bisschen etwas für Hip-Hop übrig hatte. Unterstrichen wurde die ganze Performance von der weichen Stimme von Mary.M.High, die zusammen mit Spilif ein eingespieltes Team bildete. Bei den drei wirkt alles so einfach. Sie haben Spaß auf der Bühne und das steckt auch das Publikum an. Diesen drei könnte man wohl stundenlang zuhören ohne gelangweilt zu werden.
Gegen 19:00 übernahm dann Von Seiten der Gemeinde aus dem Tiroler Oberland und spätestens ab jetzt waren die Zuschauer voll da. Testa an den Decks übernahm anfangs noch alleine auf der Bühne die DJ-Rolle und haut als Intro gleich eine Bombe raus. This is America von Childish Gambino. Dann ging die Vorstellung los. Das Hip-Hop Trio, bestehend aus Yo!Zepp am Mic und Chrisfader sowie Testa an den Decks riss das Publikum förmlich in den Bann. So etwas wie Von Seiten der Gemeinde gibt es nicht zweimal und das ist auch gut so. Ihre Tracks sind eine gesunde Mischung aus attraktiven Punchlines serviert in feinstem Oberländer Dialekt, kombiniert mit geschickt eingespielten Samples verschiedener Radiosendungen etc. Die Jungs machen einem vor Allem als Oberländer total Spaß. Mit viel Witz aber auch nicht zu kurz getretener Gesellschaftskritik überzeugten Von Seiten der Gemeinde wohl nahezu jeden Einzelnen der rund 180 Zuschauer, die sich mittlerweile fast im Kollektiv vor die Bühne begeben haben. Songs wie “Ochsamusi“, “Gemeindetraktor“, “Lignano“ oder “104 Jåhr voll“ regen zum Nachdenken und Lachen gleichzeitig an. Zum Schluss wurden sogar noch ein paar CD’s und Platten verschenkt.
Und dann kamen die Blackout Problems aus München. Wo fange ich da bloß an. Mal vorab: Die vier Jungs wurden ihrer Headlinerrolle zweifellos mehr als gerecht. Sie haben vor ein paar Monaten ein neues Album namens “Kaos“ rausgehauen und sind damit derzeit auf Tour. Und je länger die Show ging, umso mehr wurde klar, dass Chaos nicht nur der Name ihres Albums ist. Es ist eine Lebenseinstellung der Blackout Problems. Und obwohl die Band mich mit ihrem neuen Album noch nicht voll von den Socken gehauen hat muss ich sagen, dass ich spätestens nach dieser Performance ein Fan von ihnen bin und auch voll und ganz verstehen kann, warum die Band gerade in letzter Zeit so hoch gelobt worden ist. Die Energie, die sämtliche Bandmitglieder vermitteln ist gewaltig. Es wirkt, als wären sie alle an eine Hochspannungsleitung angeschlossen. Und dieser Funke springt aufs Publikum über. Der Charme der Blackout Problems lebt von der Liveperformance. Und genau diese nutzen sie auch, um klarzumachen, wofür sie stehen. Sänger Mario nimmt sich kein Blatt vor dem Mund und nimmt ganz klar Stellung zu aktuellen sozialen Missständen. Und er lässt es sich auch nicht nehmen kurz über das mit Zäunen abgesperrte Schwimmbad zu witzeln. Was er dann aber als geschickte Überleitung verwendet, um ein bisschen über die Grenzpolitik und den rezenten Aufwind rechter Parteien aufmerksam zu machen. Und um letztlich die Beziehung der Blackout Problems zum “sweet sweet Chaos“ zu untermauern klettert Mario inmitten eines Songs mit dem Mikrofon um den Hals gewickelt das Bühnengerüst hinauf und singt in 4 Metern Höhe überhängend auf das Publikum ein. Diese Performance wird den Zuschauern definitiv noch länger im Kopf erhalten bleiben.
Zum Fazit: Das Planschbecken Festival war super organisiert, die Location war gut gewählt, der Sound war toll gemixt (Kompliment an Hosch Tontechnik und den Tontechniker) und die Stimmung war super. Einzig und allein bemängeln könnte man den mit 22€ bezifferten Eintrittspreis, der allerdings mit dem Angebot an Bands, den Kosten der Bühne etc. definitiv gerechtfertigt werden kann. Wir ziehen den Hut vor Legends of Rock und hoffen, dass diese Veranstaltung nicht die letzte dieser Art sein wird!
PS: auf der Aftershowparty konnte ich leider nicht anwesend sein und kann diese daher auch nicht in meinen Bericht einfließen lassen. Falls jemand ein paar Worte dazu verlieren möchte: Ich bin über sämtliche Inputs dankbar.
Manuel von DRAB FLOWER MUSIC